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Rügen Königsweg weiter umstritten – Treppe abgesagt
Vorpommern Rügen Königsweg weiter umstritten – Treppe abgesagt
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21:26 16.01.2019
Norbert Dahms erläutert die Argumente der Gegner des geplanten „Königswegs“. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Sassnitz

Es bleibt ein Ringen um Argumente, Alternativen und Emotionen: Die Debatte um den so genannten Königsweg hat mit der von der Bürgerinitiative „Rügen – Rette Deine Insel“ initiierten Einwohnerversammlung im Sassnitzer Rathaussaal eine neue Dimension erreicht. Sie hat sich keineswegs zugespitzt, denn die Atmosphäre am Dienstagabend war eher konstruktiv als konträr. Allerdings werden die Debatten intensiver: Die Argumente der Gegner der momentanen „Königsweg“-Planungen werden zahlreicher, die der Befürworter und Ideengeber nehmen an Gewicht zu.

Norbert Dahms, schon häufig als Sprecher der „Rettet“-Initiative aufgetreten, zeigte per Power-Point-Präsentation gebündelt auf, was gegen den als Schwebebrücke konzipierten Königsweg sprechen könnte. Da kam logischerweise viel Bekanntes: Verlust der Bodenhaftung, Verminderung des unmittelbaren Naturerlebnisses, Kosten von unfassbaren 7 Millionen Euro Steuergeld und die verhinderte Mitsprache der Sassnitzer. Schwer beeindruckt zeigten sich viele der fast 100 Anwesenden vom Vergleich der Dimensionen des rund 40 Meter hohen Mastes als Halt für den „Königsweg“ mit anderen in den Himmel ragenden Bauten auf Rügen. So habe der Leuchtturm am Kap Arkona eine Höhe von 27 Metern, der Rugardturm von 35 und der Turm des Jagdschlosses Granitz von 38 Metern. Dabei sollen laut einstigem B-Plan 19 „Besucherzentrum NP-Jasmund“ Bauten im Bereich des Königsstuhl eine Höhe von 13,5 Meter nicht überschreiten.

Der Königsweg

Künftig wird kein Mensch mehr seinen Fuß auf den Königsstuhl setzen. Jedenfalls nicht, wenn die Pläne für die neue Zuwegung umgesetzt werden. Statt der Treppe über das bronzezeitliche Königsgrab ist der Bau einer Hänge- oder Schwebebrücke vorgesehen, die über Seile mit einem 40 Meter hohen Mast verbunden ist. Diese erhält eine Verankerung im Erdreich, für die vier 60-Meter-Bohrungen notwendig sind. Der ovale Rundweg soll über das Hügelgrab und die Kreideküste hinausragen. Den Königsstuhl wird sie dabei so gut wie nicht verdecken und gar nicht berühren: An der „Spitze“ soll die Konstruktion ein bis zwei Meter über dem Rügener Wahrzeichen schweben – und damit auch hunderttausende Gäste, die Jahr für Jahr die markante Kreideformation und das Nationalparkzentrum besuchen.

Umwelt- und Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) als prominentester Gast des Abends hatte es nicht gerade leicht, dagegen zu halten. Und das nicht einmal, weil er von den Anwesenden zu scharf angegangen worden wäre. Vielmehr hatte Dahms satt vorgelegt und auch mit dem Vorschlag einer Brücke in Leichtbauweise mit „textilverstärkten Strukturen“ als Alternative gepunktet. So redete Backhaus sehr viel, ging aber nur auf jene Dinge ein, bei denen er sich halbwegs textsicher zu fühlen schien. Den Alternativvorschlag bedachte er anfangs nur mit dem unvollendeten Halbsatz „Die Ideen mit Glasfaser ...“, um danach sofort auf das Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung zu schwenken. Daran klammerte sich der Minister im Laufe des Abends immer stärker, brachte sogar das Gleichnis mit einer Situation vor Gericht und pendelte sich schließlich darauf ein, zur künftigen Schwebebrücke keine konkreten Aussagen mehr machen zu wollen, da man ja noch mitten im Verfahren stecke. So kam er auch darum herum, zu den vier 60 Meter tiefen Bohrungen etwas erläutern zu müssen, in denen man künftig den Mast verankern würde.

Auch der Abstieg am Königsstuhl war Gegenstand der gut zweistündigen Diskussion. Während die Redebeiträge aus dem Publikum diesbezüglich sehr emotional geprägt waren, blieb Till Backhaus bei seiner nüchternen Haltung: „Der Abstieg wird nicht wieder neu errichtet. Das ist mit allen zuständigen Ministerien so abgesprochen.“ Dr. Ingolf Stodian hatte diese Haltung der Schweriner Landesregierung faktenreich untermauert, indem er an Fotografien aus gut 200 Jahren aufzeigte, mit welcher Rasanz sich die Ostküste der Insel und speziell im Bereich des Königsstuhls verändert hat. Sie sei in Bewegung, Abbrüche würden drohen. Nicht nur ein unterhalb der Aussichtsplattform hervorragender sogenannter Gesteinsbalkon spräche für diese Annahme, auch eine zwölf Meter tiefe Erosionsrinne in der Königsstuhlwand künde von zu erwartenden Erdrutschen.

Aus den Reihen des Publikums – hier waren Vertreter anderer Rügener Bürgerinitiativen und Tourismusvereine zu finden – kamen zwar vor allem Aussagen gegen den Königsweg und für den Abstieg. Prof. Dr. Hannes Knapp – Rüganer und einer der Väter des Jasmund-Nationalparks – brach aber eine Lanze für die Schwebebrücke und den Verzicht auf die Treppe.

Man wolle miteinender im Gespräch bleiben, hieß es am Ende. Till Backhaus kündigte an, immer dann wiederkommen zu wollen, wenn er „zur Aufklärung“ beitragen könne.

Jens-Uwe Berndt

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