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Rügen Schweben über der Kreideküste: Das sind die Pläne für den Königsstuhl
Vorpommern Rügen Schweben über der Kreideküste: Das sind die Pläne für den Königsstuhl
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07:07 13.07.2018
So soll die Seilbrückenkonstruktion am Königsstuhl (links im Bild) in Zukunft aussehen. Quelle: Foto: Schlaich Bergermann Partner
Sassnitz

Künftig wird kein Mensch mehr seinen Fuß auf den Königsstuhl setzen. Jedenfalls nicht, wenn die Pläne für die neue Zuwegung umgesetzt werden, die den Sassnitzern am späten Dienstagnachmittag vorgestellt wurden. Statt der Treppe über das bronzezeitliche Königsgrab ist der Bau einer Hängebrücke vorgesehen, die über Seile mit einem Mast verbunden ist. Der ovale Rundweg soll über das Hügelgrab und die Kreideküste hinausragen. Den Königsstuhl wird sie dabei so gut wie nicht verdecken und gar nicht berühren: An der „Spitze“ soll die Konstruktion ein bis zwei Meter über dem Rügener Wahrzeichen schweben – und damit auch hunderttausende Gäste, die Jahr für Jahr die markante Kreideformation und das Nationalparkzentrum besuchen.

Entwurf für Seilbrücke mit 40 Meter hohem Mast vorgestellt / Besucher sollen den Felsen nicht mehr betreten / Rundweg um Königsgrab geplant

Der Entwurf stammt von dem renommierten weltweit tätigen Ingenieurbüro Schlaich - Bergermann - Partner. Das zeichnet unter anderem für die Umgestaltung des brasilianischen Maracana-Stadions oder den Entwurf für die Brücke zum französischen Mont Saint Michel verantwortlich – und für die preisgekrönte Fußgängerbrücke zwischen der Sassnitzer Oberstadt und dem Stadthafen, die nach einem ähnlichen Prinzip wie die neue Zuwegung am Königsstuhl funktionieren soll: Die Brücke wird an einem Mast montiert, der wiederum mit Seilen in Fundamenten verankert ist und so die Zugkräfte abfängt.

„Die beste Brücke ist eine, die man nicht sieht“, zitierte Professor Mike Schlaich seinen Vater Jörg. „Ganz unsichtbar wird eine Konstruktion, die mehr als 300000 Besucher pro Jahr betreten, nicht sein können“, so der Ingenieur zu der aktuellen Planung. Er sei sich der Besonderheit dieses Standorts durchaus bewusst und habe Respekt bekommen vor der Aufgabe, die ihn an eines der wichtigsten Wahrzeichen Deutschlands führt. Zahlreiche Untersuchungen habe man vorgenommen, verschiedene Möglichkeiten geprüft, beispielsweise eine Fachwerkkonstruktion. Letztlich sei aus Sicht der Ingenieure die jetzt präsentierte Lösung die geeignetste: relativ unauffällig, praktikabel und umweltschonend. Weitgehend jedenfalls. „Es wird Bäume erwischen“, machte Schlaich deutlich, dass ein solcher Neubau ohne eine Fällung von Bäumen im Herzen des Nationalparks nicht zu machen sei. Dazu kommt noch das landseitige Fundament der Konstruktion. Bohrpfähle und Pressanker sollen für Stabilität in dem vorwiegend aus Kreide bestehenden Untergrund sorgen. Der sei aber stabil genug, dass trotz der Erosion und möglicher Abbrüche im vorderen Küstenbereich die über das Hochufer hinausragende Brücke sicher ist – für die nächsten hundert Jahre.

Das ist beim jetzigen Weg nicht garantiert. Die Kreide wird immer schmaler, der Königsstuhl selbst durch die vielen Besucherfüße in der Mitte der Plattform immer stärker ausgetreten. „Jeder Gast trägt mit seinen Schuhen natürlich ein paar winzige Kreidepartikel ab“, sagte Mark Ehlers, Geschäftsführer des Nationalparkzentrums. Das werde mit der neuen Zuwegung ausgeschlossen. Die wird den Besuchern einen 90 Meter langen Rundgang über die Kreideküste, das Königsgrab und einen Teil des Königsstuhls ermöglichen. Sie führt nicht gerade auf das Wahrzeichen zu, sondern soll etwas in Richtung Viktoriasicht zeigen und ein paar Meter vor der äußersten Kante des Königsstuhls enden. Von der Viktoriasicht aus soll die Brücke kaum zu sehen sein und diesen Blick auf den Königsstuhl auch nicht beeinträchtigen. 2,50 Meter ist der barrierefreie Weg breit, vorn an der Spitze einen Meter breiter. Der Belag soll dem der Fußgängerbrücke im Stadthafen ähneln. Zwischen Brückenboden und Geländer ist ein Drahtgeflecht vorgesehen. Die Windstabilität an dieser exponierten Stelle müsse zuvor im Windkanal am Modell getestet werden.

Auf sieben Millionen Euro werden die Baukosten derzeit geschätzt. Die Stadt hofft auf großzügige Förderung durch das Land und will sich das Geld nicht von den Besuchern holen: „Es wird im Nationalparkzentrum keine Preiserhöhung geben, die in der Finanzierung dieses Königswegs begründet ist“, versicherte Bürgermeister Frank Kracht. Das Zentrum dürfte ohnehin von diesem Neubau profitieren, der vermutlich viele Rügen-Gäste neugierig macht. „Der Königsweg selbst kann zu einem Markenzeichen für den Nationalpark werden“, glaubt etwa die Sassnitzerin Dorothea Holtz, der das Projekt wie den meisten Anwohnern sehr gut gefiel. Es sei richtig, jetzt nach einer Lösung zu suchen „und nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und der Königsstuhl möglicherweise gesperrt werden muss“.

 Maik Trettin

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