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Rügen Sie haben einen Plan fürs Älterwerden
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00:00 22.09.2017
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Haidhof

Ganze vier Wochen war der kleine Hermann alt, als er mit seinen Eltern im Winter 1935 von Schleswig-Holstein auf die Insel Rügen zog, wo er sein erstes Weihnachtsfest erleben sollte. Heute ist Hermann Kracht 81 Jahre alt und lebt mit seiner ein Jahr jüngeren Ehefrau Edeltraud noch im selben Haus. Das war – wie die anderen Häuser in der Siedlung Haidhof – kurz zuvor erbaut und an je drei Bauernfamilien aus Holstein und von der Insel Rügen vergeben worden, die zuvor für tausend Reichsmark eine Aktie der „Siedlungsgesellschaft Bauernland“

erworben hatten. Die Umsiedlungsaktion war seinerzeit vom späteren Bundespräsidenten Heinrich Lübke organisiert worden. Der Umzug erfolgte mit Bahn und Fähre. Das letzte Stück von Samtens bis Haidhof übernahm Fuhrunternehmer Otto Lippert, der zweimal täglich mit seinem Bus auf dem alten Landweg pendelte.

Die drei Kilometer zur Schule in Gingst gingen Hermann und die anderen Kinder zu Fuß. Auf dem Rückweg ließen sie sich Zeit, spielten und zankten sich oder trieben allerlei Schabernack. „Manchmal haben wir mit dem Katapult die Glocken auf den Telefonmasten zerschossen“, gesteht er heute, „und als wir älter waren, haben wir heimlich mit den Straßenarbeitern geraucht“. Da hatte er schon ein Fahrrad, das russische Soldaten erst konfiszierten und dann liegen ließen. „In den ersten Jahren nahmen die sich, was sie wollten.“ Nach der Schule hatte die Feldarbeit Vorrang vor den Hausaufgaben und wenn die Schüler einmal fehlten, „wusste der Lehrer, dass Erntezeit war“. Hermann Kracht lernte im elterlichen Betrieb und besuchte die Fachschule in Bergen, wo er seine Edeltraud kennenlernte.

Im April dieses Jahres feierte das Paar seine Diamantene Hochzeit. Die Familie von Edeltraud Kracht war 1944 aus Ostpreußen nach Schweikvitz geflohen. Dort arbeitete die junge Frau in der Buchhaltung der LPG und später bei der VEG Gingst.

Vier Kinder haben die Krachts. Sohn Gerd (60) führt im Haus gegenüber seine Baufirma, Henry (56) lebt in Wolgast, Edelgard (55) arbeitet in einem Bergener Steuerbüro und Thomas (52) als Schlosser in Norderstedt. Insgesamt zehn Enkel und fünf Urenkel vervollständigen die Familie. „Wenn wir hier eine Feier haben, ist das Haus mit zwei Dutzend Menschen voll“, sagt Edeltraud Kracht. Das Paar hat einen Plan fürs Älterwerden und achtet auf einen regelmäßigen Tagesablauf. „Jeden Morgen um 6.50 Uhr weckt uns das Radio mit dem Wetterbericht, bis 8.30 Uhr lesen wir Zeitung und lösen Rätsel. Danach schmökert jeder in seinem Buch“, erzählt Edeltraud Kracht. Ferngesehen wird nur von den 19-Uhr-Nachrichten bis gegen 21.45 Uhr. Danach geht es ins Bett – bis zum nächsten Wetterbericht.

Uwe Driest

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