Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Silberschatz in die Mönchguter Museen?
Vorpommern Rügen Silberschatz in die Mönchguter Museen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 19.06.2018
Im letzten Jahr wurde die Sanierung des Heimatmuseums fertiggestellt. Seitdem gibt es auch einen modernen Anbau, der nun mit Leben gefüllt werden soll. Doch ob und wie das gelingen kann, ist derzeit noch immer offen.
Im letzten Jahr wurde die Sanierung des Heimatmuseums fertiggestellt. Seitdem gibt es auch einen modernen Anbau, der nun mit Leben gefüllt werden soll. Doch ob und wie das gelingen kann, ist derzeit noch immer offen. Quelle: Herold Gerit
Anzeige
Göhren

Bisher waren das noch zu bauende Archäologische Landesmuseum in Rostock, das Museum in Stralsund, wo bereits der Hiddenseer Goldschmuck präsentiert wird, das Pommersche Landesmuseum in Greifswald und zuletzt auch das Bergener Stadtmuseum im Gespräch. Nun meldet auch Göhren Interesse an, den bei Schaprode gefundenen Wikingerschatz auszustellen. Verschiedene Rügener Vereine, Verbände und Personen hatten gefordert, dass der Schatz einmal da zu sehen ist, wo er gefunden wurde – auf der Insel. Vielleicht sogar in einem neuen Rügen-Museum, in dem die eigene Geschichte und Kunst gezeigt werden kann.

In Göhren hingegen sieht man den 1000 Jahre alten Schmuck und die Münzen des Blauzahn-Fundes in den Mönchguter Museen am besten aufgehoben. Im sanierten Heimatmuseum, dass seit einem Jahr zudem einen neuen, noch ungefüllten Anbau hat, wäre dafür Platz – neben der geplanten Ausstellung Pommerscher Trachten.

„Der Kreistag hatte den Beschluss gefasst, dass der Silberschatz in Vorpommern gezeigt werden soll. Göhren hat nun beim Landrat den Antrag gestellt, dass er hier ausgestellt wird“, informierte Bürgermeister Wolfgang Pester. Das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege habe dies schon zur Kenntnis genommen. „Der Schatz würde ein Magnet für das Museum sein und Synergien haben“, ist Pester überzeugt.

Die Gemeinde kämpft immer noch um den Fortbestand und eine sichere Zukunft für die Mönchguter Museen. Der kommunale Eigenbetrieb Kurverwaltung hatte 2014 die Regie für die Einrichtungen (Heimatmuseum, Museumshof, Rookhus/Haus Damp und Museumsschiff „Luise“) übernommen. Denn nach zwölf Jahren musste der Museumsförderverein deren Betrieb aufkündigen, weil er die Kosten für Personal und Unterhaltung nicht mehr weiter hätte aufbringen können.

Um die Mönchguter Museen zukunftsfähig zu machen, soll das Heimatmuseum neu konzipiert und zum „Pommerschen Trachtenmuseum“ als wissenschaftlich arbeitendes Museum entwickelt werden (die OZ berichtete). In die Sanierung des denkmalgeschützten Heimatmuseums und die Errichtung des modernen Anbaus sind bereits 700000 Euro investiert worden. Die inhaltliche Ausrichtung ist nun Bestandteil des Polnisch-Deutschen Geschichtsforums, für das Göhren zusammen mit seinen Partnerstädten Karlino und Walcz (beide Polen) Interreg-Fördermittel in Höhe bis zu 1,74 Millionen Euro beantragt hatte. Diese wurden auch zugesagt.

Doch weil der Haushalt der Gemeinde für 2018/2019 noch nicht von der Rechtsaufsicht bestätigt wurde, gibt es Probleme mit der Finanzierung des notwendigen Eigenanteils. Das Problem: Im letzten Jahr wurde die Eigenbetriebsverordnung geändert. Ab diesem Wirtschaftsjahr werden Kurverwaltung und Gemeinde nicht mehr separat, sondern die Kommune als Ganzes unter die Lupe genommen. Dabei müsse ein Nachweis erbracht werden, dass das Museum wirtschaftlich arbeite. Und Göhren befindet sich im Haushaltssicherungskonzept. „Für diese Herausforderung suchen wir jetzt nach Lösungen“, so Kurdirektor Jörn Fenske. Er weiß um den aussichtslos scheinenden Kraftakt. Im schlechtesten Fall werde das Museum inhaltlich so bleiben, wie es bisher war.

Der Silberschatz aber könnte in punkto Besucherzahlen „einen Schub“ bringen. Mit diesem könnte man auch den Landkreis mit ins Boot holen, meint Bürgermeister Wolfgang Pester. „Zum Beispiel auch zur Finanzierung einer Mitarbeiterstelle.“ Neben Museumsleiterin Ellen Melzer wurde im Mai Marika Emonds als Sachbearbeiterin für drei Jahre befristet eingestellt, die sich um die dringend notwendige Aufarbeitung des Museumsfundus kümmert.

Derzeit sei man dabei, einen historischen Bezug zum Schatz herzustellen, so Kurdirektor Jörn Fenske. Musemsgründerin Ruth Bahls (1909 bis 1994) sei in der Szenerie der Bodendenkmalpflege auf der Insel ein starker Partner gewesen. „Dies ist eine Brücke, dass solche Schätze hier wissenschaftlich anständig präsentiert werden.“ Wichtig sei eine inselweite Zusammenarbeit, ein Museumsverbund für Rügen.

Fenske: „Wir stehen einem Rügen-Museum offen gegenüber. Ein Museum kann nicht nur für eine Gemeinde allein sein, weil Inselgeschichte immer miteinander verbunden ist. Darum soll sie auch gemeinsam erzählt werden.“ In Göhren fühlt man sich mit den Museen bisher aber allein gelassen. „Bis auf Baabe hat leider keine Nachbargemeinde seine Unterstützung erklärt“, bedauert Pester. Göhren könne diese Mammutaufgabe aber nicht allein stemmen.

Ein Lichtblick: 4500 Euro hat kürzlich der Museumsförderverein an die Gemeinde übergeben. Die Summe kam durch einen Spendenaufruf zusammen, um die Mönchguter Tracht aus dem Museumsbestand dauerhaft zu erhalten. Mit dem Geld wird eine Restauratorin beauftragt, die Kleidung fachmännisch zu säubern, aufzuarbeiten und zu konservieren. Im Blick hat man dabei eine Trachten für einen Mann, eine Frau und ein Kind sowie auch eine Hochzeitstracht.

Herold Gerit