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Rügen „Solange die Blutwerte stimmen, machen wir weiter“
Vorpommern Rügen „Solange die Blutwerte stimmen, machen wir weiter“
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08:00 04.01.2019
Die Kultgruppe City tritt am Freitag im Marstall von Putbus auf. Quelle: city
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Putbus

Die Gruppe City gastiert mit ihrer „Candlelight Tour“ am kommenden Freitag im Marstall von Putbus. Dort möchten die Kult-Rocker die schönsten Balladen aus über 45 Jahren Bandgeschichte und die größten Hits in neuen elektro-akustischen Arrangements aufführen. City ist ein Stück deutsche Kulturgeschichte. Zu DDR-Zeiten mussten kleine und große Wahrheiten in den Texten versteckt werden. Wer wollte, konnte die Botschaft zwischen den Zeilen lesen. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Toni Krahl, dem Sänger der Band und Autor des Buches „Rocklegenden“ über den schmalen Grat, den die Gruppe beschritt und seine Erinnerungen an Rügen.

Können Sie auf den Schlag genau sagen, wie oft Sie bereits auf Rügen gastierten?

Natürlich nicht exakt, aber es waren bestimmt mehr als zwanzig Auftritte. Über die Jahre waren wir mehrmals in Ralswiek oder dem Sassnitzer Hafen und zu DDR-Zeiten auch in Prora.

Waren die Auftritte zu DDR-Zeiten zahlreicher als nach der Wende?

Das dürfte sich mittlerweile wohl die Waage halten.

Sie galten in der DDR als eher subversive Band. Gab es beim Auftritt in Prora besondere Momente mit dem Publikum, das ja überwiegend aus Soldaten bestanden haben dürfte?

Ja, da gab es ja auch eine Offiziersschule, also länger dienende Soldaten, und 1987 hatten wir gerade unser Album „Casablanca“ herausgegeben mit Liedern, die im Radio nicht gespielt wurden. Der Saal war dunkel und als wir unser Berlin-Lied „Wand an Wand“ spielten, grölte das Publikum, „Die Mauer muss weg“. Wir hatten etwas Sorge, ob es deswegen Konsequenzen geben würde, aber der Kultur-Offizier meinte anschließend nur: „War doch richtig gute Stimmung.“

Sie sind eine klassische Rockband und die „Candlelight-Tour“ ist ja eher besinnlich angelegt. Spielen Sie auf akustischen Instrumenten? Und wie gelingt es dann, die Titel so umzusetzen, dass sie ihren Charakter nicht verlieren?

Wir verwenden zwar bevorzugt akustische Instrumente und spielen mehr Balladen und Stücke, die nicht auf jedem Marktplatz zu hören sind. Aber wir machen schon beides und haben auch alle elektrischen Mittel auf der Bühne. Und natürlich spielen wir trotzdem unsere Hits wie „Am Fenster“, „Wand an Wand“ oder „Casablanca“. Diesmal betonen wir gerade auch die Geige von Georgi Gogow, die nicht nur im „Fenster“, sondern auch in anderen Stücken zum Einsatz kommt.

Mitglieder der Gruppe „Silly“ ließen sich auf Rügen nieder. Könnten Sie sich ebenfalls vorstellen, später auf dem Land oder in einer Berghütte zu leben?

Ich weiß, dass Uwe Hassbecker von Silly auf Rügen lebt, und ich habe ja auch meine Insel, aber die liegt nicht in der Ostsee, sondern im Mittelmeer. Wenn ich mal komplett abschalten möchte, ziehe ich mich auf ein Anwesen nach Zypern zurück. Aber wir denken noch lange nicht ans Aufhören. Solange die Blutwerte stimmen, machen wir weiter.

Keyboarder Manfred Hennig spielt seit geraumer Zeit wieder in der Band P.O.N.D., die er 1978 mit gründete. Hat er ausreichend Zeit für City oder stört das das Bandgefüge?

Gar nicht. Wir geben jedem seinen Freiraum und die Seitenprojekte, die jeder hat, werden immer abgestimmt mit City. Ich selber bin ja auch mit meinen musikalischen Lesungen unterwegs.

Was erwarten Sie von dem Abend in Putbus? Eine besondere Atmosphäre vielleicht und Begegnungen mit alten oder eher neugewonnenen Fans?

Das ist regional immer unterschiedlich. Es kommen meistens Menschen, die mit uns und unseren Liedern erwachsen geworden sind. Es sind aber auch immer jüngere Leute darunter, wobei jünger aus unserer Sicht so um die 30 Jahre bedeutet. Wir rechnen mit einem Publikum, das nicht auf der nassen Wiese stehen, sondern in Ruhe zuhören möchte. So erzählen wir dann auch immer mal etwas über die Entstehung oder den Hintergrund unserer Stücke. Im Marstall waren wir schon einmal. Das war auch im Winter und wir fanden es eigentlich recht plauschig, auf Rügen zu sein, wenn nicht so viel los ist und die Leute mit Muße zu unserem Konzert kommen. Deswegen freuen wir uns darauf.

City: Unverblümte Texte

Die Band City startete 1972als City Band Berlin. Toni Krahl (voc), Klaus Selmke (dr) und Fritz Puppel (g) sind Gründungsmitglieder. Mit dem Song „Am Fenster“ erlebten City 1977 ihren Durchbruch, nachdem er als Single, kurz darauf auch auf LP erschienen war. Allerdings hatte das Stück seit 1975 bereits unzählige Radioeinsätze hinter sich und war zu einem echten Diskotheken-Underground-Hit geworden.

City fielen durch unverblümte Texte auf, die das Thema nicht lyrisch verklausulierten: Illegale Motorradrennen in „Meister aller Klassen“, Jugendgewalt in „King vom Prenzlauer Berg“, Selbstmord in „Der Optimist“, unerfüllte Träume in „Der Tätowierte“.

In den 80er Jahren wechselte die Band zu poppigeren Klängen, die Themen der Texte blieben brisant. Davon zeugt vor allem die LPCasablanca“, auf der die Teilung Berlins mehrfach aufgegriffen wird.

Uwe Driest

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