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Rügen Die Gedankenwelt der Ostdeutschen
Vorpommern Rügen Die Gedankenwelt der Ostdeutschen
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06:44 12.06.2019
Besucher können ihre Gedanken und Meinungen an dieser „Pinnwand“ kundtun. Quelle: Gerit Herold
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Prora

„Ich habe in der DDR nicht so gelitten, wie manche das im Fernsehen darstellen. Man kann doch auch die guten Sachen weitererzählen, die man erlebt hat. ‚Diese Diktatur und dieser Staat, und man ist eingemauert...’ Sicherlich, das war letztendlich so. Aber ein Ausgleich war, dass wir eben hier in Neubrandenburg alles hatten. Meine Eltern hatten einen Garten, die Schwiegermutter hatte diesen Bungalow am See. Oder wir sind dann zur Ostsee gefahren“, sagt Klaus (Jahrgang 1958).

Es ist eine Meinung von vielen, die bei Interviews mit 16 ostdeutschen Familien geäußert wurden. Wie lebte es sich in der DDR? Diktatur, Heimat, Unfreiheit, Sicherheit, Kollektivzwang, Geborgenheit. Politische Aufarbeitung und individuelle Erinnerungen stimmen oft nicht überein. Eine Brücke und Anstoß zur Auseinandersetzug ist die aktuelle Sonderausstellung im Prora-Zentrum. Sie trägt den Titel „und dann sind wir an die Ostsee gefahren - DDR-Geschichte im Gespräch der Generationen“.

Die Präsentation basiert auf Gesprächen mit Kindern, Eltern und Großeltern. Sechs Familien aus Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern werden mit Fotos und Zitaten persönlich vorgestellt. Anonymisierte Zitate aus den Interviews aller 16 Familien belegen zudem Einschätzungen zum DDR-Alltag.

Susanna Misgajski, Leiterin des Prora-Zentrums. Quelle: Gerit Herold

Die Exposition ist ein Kooperationsprojekt der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Zentrums für Sozialforschung Halle e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bildungsnetzwerk Magdeburg GmbH und der aproxima Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung Weimar, die im Rahmen des Forschungsprojektes „Intergenerationelle Verständigungen 25 Jahre nach dem Mauerfall“ entstand.

Und auch jetzt genauso aktuell ist, findet Susanna Misgajski, Leiterin des Prora-Zentrums. Auch 30 Jahre nach dem Untergang der DDR sei Deutschland durch die Teilung immer noch geprägt. Gerade bezüglich der aktuellen politische Lage. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen von der Politik. Vielleicht bricht die Ausstellung Denkschranken auf“, so Misgajski.

„...Und wenn man einfach weiß, wo wir herkommen, dann kann man auch besser einschätzen, warum sich manches entwickelt hat. Und deswegen darf die DDR-Geschichte nicht vergessen werden. Muss man sich damit beschäftigen“, wird beispielsweise Johannes (Jahrgang 1963) aus Sachsen zitiert.

Erinnern und Austausch seien wichtig, findet Susanna Misgajski. Die Dokumentationen bieten reichlich Gesprächsstoff dafür und seien gerade für diejenigen höchst interessant, die keine DDR-Erfahrung gemacht. „Westdeutsche bekommen einen Einblick in die Gedankenwelt der Ostdeutschen“, so Misgajski, die 1956 in Schleswig-Holstein geboren wurde und seit 1999 auf der Insel lebt. Der Historikerin fiel schnell auf, dass viele Gesprächspartner damit zitiert wurden, dass es unter den Menschen einen großen Zusammenhalt gab. Überhaupt hätten die Befragten rückblickend wenig Schlechtes formuliert. Auffällig sei allerdings, dass die Enkelgeneration kritischer mit der DDR umgeht.

Die Ausstellungsbesucher sind aufgefordert, auch ihre Meinungen und Gedanken zu äußern. Diese können sie auf Zettel schreiben und diese mit Wäscheklammern an der extra eingerichteten „Pinnwand“ aufhängen. „Wir sind sehr gespannt über die Reaktionen. Vielleicht können wir hinterher ein Resüme zusammenstellen“, so Misgajski.

Die Ausstellung ist bis zum 26. August täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen im Prora-Zentrum bei der Jugendherberge, www.prora-zentrum.de

Gerit Herold

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