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Rügen Spektakuläre Übungen vor der Insel Vilm
Vorpommern Rügen Spektakuläre Übungen vor der Insel Vilm
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17:55 13.09.2019
Übergabe eines Patienten von der Wasserschutzpolizei an die „Harro Koebke“. Quelle: DGzRS
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Lauterbach

Großalarm am Freitagvormittag: Ein Kleinflugzeug ist in den Greifswalder Bodden gestürzt. Mehrere Menschen wurden vermisst. Ein Großaufgebot an Rettungsbooten war im Einsatz. Schnell entpuppte sich dieser Einsatz aber als groß angelegte Übung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Fast 100 Menschen nahmen an dieser Übung teil.

Mit dabei waren die beiden Seenotrettungskreuzer „Harro Koebke“ aus Sassnitz und „Berthold Beitz“ von der Greifswalder Oie. Begleitet wurden sie von den fünf Seenotrettungsbooten „Casper Otten“ (Lauterbach), „Hertha Jeep“ (Stralsund), „Stralsund“ (Prerow), „Gerhard ten Doornkaat“ (Ueckermünde) und „Manfred Hessdörfer“ (Breege). Alle Boote lagen bereits am Donnerstag im Lauterbacher Hafen und waren bereit zum Einsatz.

„Das Übungsszenario wurde den Seenotrettern an Bord erst unmittelbar vor dem Einsatz mitgeteilt. Damit konnten wir eine realistische Situation erzeugen“, sagt Pressesprecher Christian Stipeldey. Ein Kleinflugzeug mit sechs Leuten an Bord wollte auf Rügen den Flughafen Güttin ansteuern. Der Pilot musste aber wegen technischer Probleme abdrehen und wollte in Greifswald notlanden. Das Flugzeug stützte aber in den Greifswalder Bodden. Ein blau-weißer Rumpf soll aus dem Wasser ragen und die Piloten und Passagiere würden sich treibend auf dem Wasser befinden. Mit diesen Informationen wurden die Seenotretter zum Einsatz geschickt.

Zehn Seemeilen südlich der Insel Vilm

Sechs Metallstangen, Gewichte und Rettungswesten: So sahen die Dummys aus, die die verletzten Personen imitiert haben. Dirk Neumann, er ist 2. Vormann der „Harro Koebke“, war mit seiner Besatzung als erstes am Unfallort – circa zehn Seemeilen südlich der Insel Vilm im Greifswalder Bodden. Sein Schiff wurde von der Leitstelle in Bremen als On Scene Koordinator (OSC) ausgewählt. Hier liefen die Fäden für diesen Rettungseinsatz zusammen.

100 Menschen im Einsatz

Mehr als 100 Menschen waren bei den Übungsszenarien auf See beteiligt. Dazu gehören 30 Seenotretter und 20 Leute der DGzRS, die als Beobachter fungierten. Weiterhin waren unter anderem Mitglieder der Gruppe „RUND“ (Realistische Unfall- und Notfalldarstellung) der DLRG sowie Feuerwehrleute und eine Hubschrauberbesatzung im Einsatz.

Beim zweiten Szenario am Freitag mussten Menschen aus dem Wasser gerettet werden. In diesem Szenario kollidierte ein Fischkutter mit einem kleinen Boot, das anschließend sank. Der Kutter war nicht mehr manövrierfähig. Die Anzahl der verletzten Menschen war hier nicht bekannt. OSC war hier die Wasserschutzpolizei mit dem Küstenstreifenboot „Damerow“.

„Wir mussten unverzüglich mit der Suche beginnen, die Leute bergen und sie danach schnellstmöglich medizinisch betreuen“, berichtet Dirk Neumann. Er gab den einzelnen Booten Aufträge, in welchen Bereichen sie suchen sollten. Doch kurz nach 9 Uhr zu Beginn der Übung regnete es. „Dadurch wurde die Sicht verschlechtert. Wir mussten unverzüglich reagieren und den Suchmodus für die Boote verändern“, sagt er.

Lob vom Beobachter

Viel Lob bekamen er und seine Mannschaft von Rolf Detlefsen. Er ist Leiter eines Schiffsimulators in Bremen und beobachtete das Geschehen an Bord der „Harro Koebke“. „Dies war eine sehr souveräne Leistung. Dirk Neumann hat gut koordiniert und das Team brachte sich intensiv ein“, sagt er.

DGzRS übte mit rund 100 Menschen verschiedene Einsatzszenarien auf See

Bemerkenswert fand Detlefsen die schnelle Reaktionszeit des Vormanns. Denn innerhalb von zehn Minuten hatte er dem ersten Boot einen Auftrag erteilt. „Nach 15 Minuten waren es schon drei Boote. Dabei muss man berücksichtigen, dass Dirk Neumann Dinge wie Wind, Wetter und das große Suchgebiet berücksichtigen muss“, so Rolf Detlefsen.

Zwei Anläufe für Rettung

Andreas Keimling gehörte zu den Seenotrettern, die einen Suchauftrag von Dirk Neumann erhielten. Er ist Besatzungsmitglied der „Hertha Jeep“. „Durch das Fernglas haben wir anfangs gleich mehrere Objekte ausgemacht. Als wir dichter herangefahren sind, haben die sich aber schnell als Bojen oder festgemachte kleine Boote entpuppt. Als der OSC den Suchmodus geändert hatte und wir ein neues Gebiet angefahren haben, entdeckten wir schließlich eine der gesuchten Personen“, sagt er.

Zwei Anläufe hatte es benötigt, um zum Verletzten zu gelangen, zu hoch waren die Wellen und zu stark die Strömung. „Wir haben die Bergeforte geöffnet. Der Vorteil dabei: Wenn sie geöffnet wird, befindet sich das Deck auf Höhe der Wasserlinie. Somit konnten wir die verletzte Person an Bord ziehen“, sagt er.

Nach dem Einsatz machten alle Seenotrettungsboote im Lauterbacher Hafen fest. Hier folgte eine kurze Manöverkritik. Danach ging es für die Beteiligten wieder aufs Wasser. Am Nachmittag stand die zweite Übungseinheit an.

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Von Mathias Otto