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Sport Rügen Ostsee ’O’ lini, KiSS und SV Kandelin – Wenn der Kindersport aus allen Nähten platzt
Vorpommern Rügen Sport Rügen Ostsee ’O’ lini, KiSS und SV Kandelin – Wenn der Kindersport aus allen Nähten platzt
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09:40 05.04.2019
Manuela Reim, Stephan Rahn und Arndt Melms (v.l.) hoffen mit ihren Projekten auf den Nachwuchs-Preis. Quelle: privat/Wenke Büssow-Krämer
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Stralsund

In sechs Wochen werden außergewöhnliche Sportleistungen und -projekte des Landkreises Vorpommern-Rügen gewürdigt. Beim 1. Stralsunder Sportlerball am 17. Mai stehen die Aufsteigerleistung des Jahres, das beste Nachwuchskonzept, die beste Integrationsleistung und ein SWS Leuchtturm-Projekt im Fokus. Nun stehen die Nominierten der vier Kategorien fest, für die ab sofort online abgestimmt werden kann. Um das beste Nachwuchskonzept der Region streiten sich der Kinder- und Jugendcircus Ostsee ’O’ lini, der Fußballclub SV Kandelin und die Kindersportschule Stralsund (KiSS) des Vereins sport live.

Jan Böhmermann kündigt Stralsunder Kinderzirkus an

1992 gründete Manuela Reim den Ostsee ’O’ lini. Der Untergang der DDR war der Startschuss für das Jugendprojekt. „Frisch nach der Wende gab es plötzlich die Jugendarbeit der DDR nicht mehr. Als damalige AWO-Jugendkoordinatorin sollte ich irgendein Zeug mit Jugendlichen machen. Da eröffnete ich einen Jugendclub in einer Baracke in Klausdorf“, erinnert sich Reim an die Anfänge. Vorbild für den Zirkus war das Bremer Pendant Tohuwabohu, bei dem auch Jan Böhmermann mitgemacht hat. Der heutige Entertainer hielt auf dem Internationalen Kinder- und Jugendcircusfestival die Laudatio für den noch jungen Stralsunder Zirkus, die sich in das Gedächtnis von Reim eingebrannt hat: „Er sagte damals als Sieben- oder Achtjähriger: ’Und jetzt sehen sie Ostsee ’O’ lini in tollen Kostümen und nicht in Bikinis.’ So eine tolle Anmoderation haben wir nie wieder bekommen.“

Seitdem hat sich viel getan beim Ostsee ’O’ lini: Mit rund 15 Kindern startete das Projekt, mittlerweile zeigen 60 Artisten Akrobatik, Feuer- und Tanzshows. Immer häufiger werden die Gruppen von Manuela Reim angefragt. „Zirkus ist toll, es ist alles und nichts, profan. Du verpackst auf der Bühne einen Furz in einen Witz. So hat es angefangen. Heute ist unser Zirkus natürlich viel mehr als nur ein Furz“, veranschaulicht Reim.

Zirkus ist aber auch Krampf, wie die Gründerin bestätigt. Reim muss ständig um Hallenzeiten und Finanzmittel kämpfen, damit sie ihre Schützlinge zu Höchstleistungen antreiben kann.

Über die Nominierung bei Sportlerball freut sie sich, die Ehrung wäre für Reim „gesellschaftliche Anerkennung für das Projekt und für alle, die für die Geschichte ’Ostsee ’O’ lini’ brennen“.

Konzept aus Süddeutschland kommt auch am Sund an

Ähnlich wie Manuela Reim kämpft auch Arndt Melms um städtische Kapazitäten. Der Sport- und Bewegungstherapeut leitet mit Kollegen die Kindersportschule Stralsund unter dem Dach von sport live. 360 Kinder betreut er in unterschiedlichen Altersgruppen. Die Warteliste ist lang. „Wir könnten 500 Kinder stemmen, doch es fehlt an Sportstätten“, bemerkt Melms.

Melms sucht Turn- und Schwimmhallenzeiten, um Kinder in allgemeiner Motorik zu trainieren. „Das fehlt den meisten heute. Die Kinder jammern, dass die Rolle rückwärts nicht mehr funktioniert. Aber es übt ja keiner mehr“, weiß Melms. Deswegen hatte er 2009 das KiSS-Konzept aus Baden-Württemberg an den Sund gebracht – mit Erfolg. Mit 108 Kindern startete die KiSS Stralsund. Zehn Jahre später erlernen mehr als dreimal so viele Nachwuchssportler die sportlichen Grundlagen. „Die Kinder spezialisieren sich zu früh. Wir wollen, dass sie mit zehn, zwölf die körperlichen Voraussetzungen für jegliche Sportart haben“, erklärt Melms die KiSS-Philosophie.

Die Nominierung für den Sportlerball sei für Melms ein „Hype, der uns pusht“. Doch der Lehrer ist Sportler durch und durch: „Alle, die was im Nachwuchsbereich machen, sind toll. Die Nominierten haben gute Projekte. Sie bringen alle den Sport voran, deswegen freuen wir uns über jeden, der gewinnt.“

Dorfclub behauptet sich im Nachwuchsfußball

Gewinnen könnte auch der SV Kandelin. Die Fußballer des rund 400-Einwohner-Dorfes haben in den letzten Jahren ganze Arbeit geleistet. Der Club hat fast 200 Mitglieder und mittlerweile in jeder Altersklasse eine Mannschaft im Spielbetrieb. Nicht selbstverständlich, wenn „nebenan“ große Vereine in Grimmen und Greifswald auf Spieler- und Punktejagd gehen. „Unser Einzugsgebiet ist breitgefächert. Das geht von Loitz bis nördlich von Grimmen – ein ziemlich hoher Fahraufwand für die Eltern“, meint Stephan Rahn vom SVK.

2008 meldete Kandelin zwei Jugendteams. „Dann hat sich das so hinentwickelt. Heute haben wir bei den Bambinis 20 Spieler“, ist Rahn über den Zuwachs selbst erstaunt. Durch die Mehrzahl an Teams hat der SVK sogar einen dritten Trainingsplatz angelegt. „Das Schwerste ist aber die Trainerakquise“, gesteht Rahn. „Manchmal haben wir Glück und ein Spielervater erklärt sich bereit, die Mannschaft zu betreuen.“

Wo die Punktspielreise des Kandeliner Nachwuchses künftig hingeht – ob künftig dauerhaft auf Kreis- oder Landesebene gespielt wird – wird sich zeigen, für Rahn steht aber jetzt schon fest: „Die Jugend macht uns mächtig stolz!“

Bis zum 16. Mai kann unter stralsunder.de/aktionen/sportlerwahl für die Nominierten abgestimmt werden.

Horst Schreiber

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