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Rügen Schätze aus dem Schweinekoben
Vorpommern Rügen Schätze aus dem Schweinekoben
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07:17 28.12.2018
Birgit Garbuzinski und Frank Biederstaedt kümmern sich im Sassnitzer Archiv um die Stadtgeschichte. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

Es gab kein Tamtam, keine Festschriften, keine Ansprachen. Ganz still und unauffällig – wie es dem Klischee solcher Einrichtungen nun mal entspricht – hat das Sassnitzer Stadtarchiv Geburtstag gefeiert. Vor 60 Jahren wurde es offiziell gegründet. Unterlagen zur Geschichte der Stadt beziehungsweise der früheren Orte Crampas, Sassnitz oder Lancken und ihrer Bewohner wurden aber schon viel früher gesammelt.

„Einst hat das ausschließlich die Kirche erledigt“, sagt Frank Biederstaedt. Er ist Leiter der Einrichtung, die in der Alten Post gleich neben dem Rathaus untergebracht ist. Hier sortieren Birgit Garbuzinski und er gemeinsam Dokumente aus längst vergangenen Zeiten oder der Gegenwart. Systematisch wurden solche Daten bis 1874 in Deutschland ausschließlich in den Kirchenbüchern gesammelt. Erst mit der folgenden Gründung der Standesämter kam die Registrierung von Ehen, Geburts- und Sterbedaten in staatliche Obhut. In diesen Unterlagen blättern Frank Biederstaedt und Garbuzinski am häufigsten. „Die meisten Anfragen, die an uns gerichtet werden, haben mit der Ahnenforschung zu tun“, sagt der Leiter der zweiköpfigen Archivmannschaft. Die einen wollen einfach mehr über ihre Vorfahren wissen, in anderen Fällen geht es darum, Erben zu ermitteln. Wenn sie in ihrer Familiengeschichte blättern, werden die meisten Menschen sehr emotional. „Da fließen öfter mal Tränen“, sagt Biederstaedt. Die Namen längst verstorbener Familienmitglieder auf dem Papier zu lesen, wecke Erinnerungen. Besonders traurig seien die Momente, in denen jemand mehr über das Schicksal von Verwandten und Bekannten erfährt, die bei dem Fliegerangriff im März 1945 in Sassnitz ums Leben kamen.

Baubeschreibungen fast aller Sassnitzer Villen

Mit dem Namen Sassnitzer Familien ist oft auch die Geschichte vieler Häuser in der Stadt verbunden. Birgit Garbuzinski und Frank Biederstaedt werden immer wieder um Unterstützung bei Nachforschungen zur Historie von Gebäuden gebeten. Die Besitzer oder Bewohner sind neugierig, wie ihr Zuhause früher einmal aussah. Im Stadtarchiv finden sie jede Menge historischer Fotos – und sogar alte Bauzeichnungen. Einen besonderen Moment wird Frank Biederstaedt nicht vergessen: Ein Besucher brachte ganze Stapel alter Papiere, die teils in einem sehr schlechten Zustand waren. „Die lagen in einem Schweinekoben.“ Doch bald erkannten die Archivmitarbeiter, was für einen Schatz sie da in den Händen hielten: „Es waren sämtliche Bauunterlagen der Gemeinden Crampas und Sassnitz aus den Jahren 1874 bis 1900“, schwärmt der Archivar. Der in dieser Zeit aufblühende Tourismus bescherte den beiden Kommunen einen Bauboom. „Durch den Fund haben wir die Baubeschreibungen nahezu aller Villen im heutigen Sassnitz in unserem Bestand!“ Außerdem können Garbuzinski und Biederstaedt mit einer alten Straßenkartei arbeiten, die für einen kurzen historischen Zeitraum sämtliche Häuser und deren Bewohner auflistet.

Strafdienst im Keller oder Erforschung der Heimatgeschichte

Die Sassnitzer Einrichtung gilt auch als Anlaufstelle für die Regionalgeschichte der gesamten Halbinsel Jasmund. Dass man ausgerechnet in der jüngsten Stadt der Insel am aktivsten ist, wenn es um die Erforschung der Geschichte geht, mag paradox erscheinen. Die Menschen identifizieren sich hier stark mit ihrem Ort, mit der Region, sagt der Archiv-Leiter. Und es hänge immer viel vom Engagement der Stadtväter ab. So sei das Archiv seit 1994 wieder stärker in den Fokus gerückt. Damals hatte Dieter Holtz das Amt des Bürgermeisters angetreten. „Ihm lag und liegt viel an der Heimatgeschichte“, sagt Biederstaedt. Es sei eben die Frage, wie man sein Archiv begreife: als reine Sammlung von Verwaltungsdokumenten oder als eine Anlaufstelle für alle, die sich für Stadtgeschichte interessieren. Die Arbeit im Archiv galt (und gilt) anderswo als Strafdienst, der im Keller verrichtet wird. „Das geht auch anders“, wissen Birgit Garbuzinski und Frank Biederstaedt.

Maik Trettin

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