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Rügen Sassnitz müsste eigentlich Crampas heißen
Vorpommern Rügen Sassnitz müsste eigentlich Crampas heißen
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16:40 17.09.2019
Das Sassnitzer Hafenamt in Crampas um 1896. Quelle: Stadtarchiv Sassnitz
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Sassnitz

Geht es um die Sassnitzer Stadtgeschichte, bleiben Stadtarchivar Frank Biederstaedt und seine Kollegin Birgit Garbuzinski nur selten eine Antwort schuldig. Doch wenn es den Namen ihrer Heimatstadt betrifft, zucken beide mitunter ratlos die Schultern. Biederstaedt beugt sich über eine Karte mit den alten Gemarkungsgrenzen. „Sassnitz“ steht über einem kleinen Flecken am Rande der Ostsee. Fast alles andere ringsum gehört zum einstigen Gemeindegebiet des benachbarten Dorfes Crampas: der Hafen, die Kreidebrüche, die Villen, die im Zuge des Fremdenverkehrs entstanden, die Eisenbahnlinie. „Eigentlich hätte unser heutiges Sassnitz Crampas heißen müssen“, sagt der Archivar. Warum die Crampasser – die zudem in der Überzahl waren – bei der Gemeindefusion mit Sassnitz nicht wenigstens auf einen Doppelnamen für die neue Kommune bestanden, wissen die Heimatgeschichtsforscher bis heute nicht. „Vermutlich war Sassnitz als damaliges Ostseebad über die Grenzen der Insel hinaus einfach bekannter als Crampas.“

Hausgeist-Projekt erinnert an Geschichte

Im Laufe der Jahrzehnte ist der Name des einstigen Nachbarorts fast gänzlich aus dem Sassnitzer Gedächtnis verschwunden. Es gibt noch die Crampasser Straße, das Gasthaus Crampas und natürlich die literarische Gestalt des Majors in Fontanes Roman „Effi Briest“ - und seit dem vergangenen Jahr einen historischen Rundweg. Im Zuge des Hausgeist-Projekts wurden Schilder an wichtigen Orten des früheren Dorfes aufgestellt, auf denen über die Geschichte erzählt wird und historische Fotos gezeigt werden.

Sassnitz blieb in der Liete eingezwängt

In den überlieferten Unterlagen von Crampas zu stöbern, bereitet Frank Biederstaedt ein besonderes Vergnügen. „Die Entwicklung dieses Teils von Sassnitz ist nämlich ganz besonders spannend und im Vergleich zu der von Sassnitz vielfältiger“, findet er. Wegen ihrer idyllischen Lage im Steinbachtal mauserten sich die Fischerkaten von Alt Sassnitz zwar nach und nach zu Gasthäusern und Villen, die die Urlauber anlockten. Viel mehr passierte dort aber auch nicht. Konnte ja auch nicht, weiß Frank Biederstaedt. „Alt Sassnitz hatte schlicht und einfach keine räumlichen Möglichkeiten zu wachsen.“ Die meisten Sassnitzer Fischer hatten ihre Äcker längst an Industrielle oder an Bauherren verkauft, die darauf Pensionen und Hotels errichten wollten. Im Westen lag Crampas. „Und im Osten ihres Dorfes, also in Richtung Wedding, gehörte ein Großteil der Ländereien einem Kreidefabrikanten, der gar kein Interesse hatte, Grund und Boden zu verkaufen.“

Verschlafenes Dorf boomte plötzlich

Gewiss nicht ohne Neid mussten sie zusehen, wie das verschlafene benachbarte Crampas förmlich boomte. Ursprünglich lebten dort hauptsächlich Bauern und vielleicht ein, zwei Fischer. Mit der sich entwickelnden Kreideindustrie entstanden Wohnhäuser für die Arbeiter – in Crampas. Mit Magnus Küster, Besitzer von „Küsters Hotel“, dem späteren „Sassnitzer Hof“, hatten die Sassnitzer einen der besten Steuerzahler direkt vor ihrer Nase – aber dennoch auf Crampasser Gebiet. Selbst das Sassnitzer Hafenamt entsteht im benachbarten Crampas, wo 1868 auch ein Herren und ein Damenbad im Bereich des heutigen Stadthafens eröffnet werden. Die Sassnitzer hatten zu der Zeit ihre eigenen Badeanstalten. Beinahe hätte Crampas den Nachbarort auch touristisch überflügelt. „Ein Stralsunder Konsortium wollte ab 1873 das Ostseebad Crampas entwickeln“, erzählt der Stadtarchivar. Ganze fünf Häuser ließen die Herren errichten, bevor sie das ehrgeizige Projekt zu den Akten legten.

Das Seemannsheim in Crampas um 1900. Die Initiative zur Gründung ging von Adeline Gräfin von Schimmelmann aus. Quelle: Stadtarchiv Sassnitz

Beim Rundgang mit den „Hausgeistern“ erfahren die Sassnitzer und ihre Gäste heute, dass es in Crampas zwei Seemannsheime gab. Unter dieser Bezeichnung dürften viele noch das heutige Kurhotel kennen. Doch schon weit vor dessen Bau gründete Adeline Gräfin von Schimmelmann eine solche Einrichtung in Crampas. Daran erinnert eine Tafel vor dem 1891 gebauten Haus in der Seestraße 21, das von einem Verein betrieben wurde. Allerdings nicht zur Zufriedenheit der Gräfin, wie die Archivare den Unterlagen entnehmen. Das Haus sei in „ein schönes Hotel für Badegäste“ umgewandelt worden, klagt sie in einer Publikation. „Da wird was dran gewesen sein“, kann sich Frank Biederstadt vorstellen. Er hält eine Postkarte aus der Zeit um 1900 in den Händen. Vor dem „Seemannsheim“ haben sich herausgeputzte Menschen in Pose geworfen – Seemänner sind das ganz sicher nicht. Die lebten wohl eher am Rande des Logierhauses: „Eingang Fischer und sonstige Seeleute“ steht auf einem unscheinbaren Schild am Giebel des Hauses.

Getrennte Sitzbänke in der Kirche

Apropos Schild: „Crampass – Sassnitz“ hieß anfangs die Bahnstation. Dass der Name ihres Ortes, auf dessen Gelände der Bahnhof errichtet worden war, später später völlig vom Schild getilgt wurde, muss die Crampasser doch gewurmt haben, rätselt Frank Biederstaedt? Denn eines ist sicher: Sassnitzer und Crampasser waren sich nicht grün. Überliefert ist, dass die Kirchenbesucher aus Crampas immer im Westteil, also der ihrem Dorf näheren Seite saßen, während die Sassnitzer ausschließlich die Kirchenbänke im Ostteil besetzten. Die Kirche selbst stand gewissermaßen auf neutralem Boden: Das Land, auf dem sie auf Initiative von Touristen errichtet worden war, gehörte weder zu Crampas noch zu Sassnitz, sondern zum preußischen Forstbesitz. Selbst auf See bewachten beide Seiten ihre „Grenzen“. Max Koch berichtet in seinem 1934 erschienenen Buch „Zur Geschichte von Sassnitz“ von einem Schiff, das vor Sassnitz in Seenot geriet. Der Sturm trieb es auf die Küste zu, wo die Sassnitzer das Strandgut schon sehnsüchtig erwarteten. Als das Schiff in Richtung des Crampasser Ufers driftete, banden sie ihrem besten Schwimmer kurzerhand ein Seil um den Leib, das er an dem Havaristen befestigte. Mit vereinter Kraft zog man das Schiff samt Ladung an das Sassnitzer Ufer. Die Crampasser hatten das Nachsehen.

Von Maik Trettin

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