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Rügen Starrer verrosteter Stahl, Blätter und Schilfrohre
Vorpommern Rügen Starrer verrosteter Stahl, Blätter und Schilfrohre
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10:36 22.07.2019
Bernard Misgajski steht neben einer seiner Kunstobjekte, die in der Ausstellung zu sehen sind. Quelle: Mathias Otto
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Wreechen

„Korrodierter Stahl hat eine Seele.“ Bernard Misgajski ist Künstler. Überall auf seinem Grundstück stehen Werke, die aus seiner Hand geschaffen wurden. „Mein Vater hat damals Schiffe gebaut. Deshalb habe auch ich eine besondere Nähe zu diesem Material“, sagt er. Beeindruckt ist der 69-Jährige von Gefäßen, die er in allen Varianten bearbeitet. Dazu hat er passend dazu das Buch „GEFÄSSE“ herausgebracht. Aus diesem Anlass wird am Sonnabend, 20. Juli, um 17 Uhr eine Ausstellung am Kunstort Alte Wassermühle in Wreechen eröffnet. Zu sehen sind ebenfalls Werke zweier Künstler aus Dänemark.

Natur und Stahl

Für ihn ist ein Gefäß nicht nur ein Behältnis, in dem Stoffe aufbewahrt werden. „In der Dingwelt des Menschen steht der Begriff Gefäß für all die Behältnisse, die sich anfassen, tragen, hinstellen und natürlich befüllen lassen. Dagegen gelten Getreidesilos oder Geldbeutel zwar als Behältnisse, aber wenige kommen auf den Gedanken, sie als Gefäße zu bezeichnen“, sagt er. So steht etwa in seinem Garten ein verrosteter Teil einer ausgedienten Pipeline mit Öffnung in der Mitte. Hier ragen Eschenwurzeln heraus. Im Atelier des 69-Jährigen liegen zwei geborgene Stahlträger aufeinander, in der Mitte liegen Schilfrohre. Es scheint, als würden sie die beiden verrosteten Stücke zusammenhalten.

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„Das ist Teil meiner Arbeit, eine Kombination zwischen Natur und den schweren starren Stahl-Gebilden zu schaffen“, sagt der Künstler. Die Materialien, die er dafür benötigt, findet er oft auf Schrottplätzen oder bei den Werften. Bei den Naturmaterialien achtet er darauf, dass sie nur im trockenen oder vertrockneten Zustand mit den Stahlelementen verbunden werden. „In diesem Zustand haben sie meist die schönsten Formen“, so Bernard Misgajski. Mal sind es Maisblätter, die aus Löchern im Stahl sozusagen wachsen, mal sind es Grashalme, Wurzeln oder Schwemmhölzer.

Zusammenarbeit mit dänischen Künstlern

„Ganz gleich, ob die Gefäße schwer auf der Erde stehen oder leicht und durchscheinend auf Podesten thronen, es sind Objekte mit feinen Schwingungen, geheimnisvoller Spannung und stiller Klarheit, die etwas fassen und dabei selbst gefasst werden können“, sagt der Künstler. Seine schlichten Skulpturen sollen an Schalen, Boote oder Kanister erinnern, aber trotzdem vom gängigen Schema abweichen. „Ihre ursprünglichen Proportionen sind soweit verändert, dass sich neue Bezüge ergeben. Dabei sind die bekannten Muster des Nützlichen aufgehoben, wenn auch noch lesbar. In der Form des Gefäßes ist der Übergang zur neuen Gestalt konserviert“, beschreibt er seine Kunst.

Die Arbeiten von dänischen Künstlern sollen seine Ausstellung komplettieren. Heidi Hentze und Hans-Henning Pedersen kommen von der Insel Bornholm. Sie hat sich auf Objekte aus Keramik spezialisiert, er auf Holz. „Die filigrane Arbeit von Heidi Hentze passt zum gleichen Thema, ihre Arbeit findet sich aber in einem anderen Genre wieder“, sagt Bernard Misgajski. Sie stellt zum Beispiel Objekte mit hauchdünnen Wänden her. Ebenso verhält es sich bei den Arbeiten von Hans-Henning Pedersen. Er arbeitet mit vielen verschiedenen Holzarten, unter anderem mit diversen Obstbäumen.

Die ausgestellten Stücke dieser drei Künstler sind am Kunstort Alte Wassermühle in Wreechen bis zum 31. Oktober zu sehen. Die Ausstellung ist von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Mathias Otto

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