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Rügen Straßensperrungen: Händler sehen Existenz bedroht
Vorpommern Rügen Straßensperrungen: Händler sehen Existenz bedroht
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08:15 06.10.2018
So nah und doch so fern: Nur ein Steinwurf trennt die Bergener Stadteile an Bahnhofstraße und Gingster Chaussee voneinander. Quelle: Uwe Driest
Bergen

„Es geht um meine Existenz. Wenn das so weiter geht, kann ich Ende des Jahres schließen“, klagt Regina Pfeifer. Ein Drittel weniger Umsatz habe sie durch die Baustellen, von denen sie umgeben ist. Vor allem seit der Sperrung der Ringstraße sei der Umsatz eingebrochen. Ihr Problem trug sie in der Bürgerfragestunde der Sitzung der Bergener Stadtvertretung vor und fragte, ob sich nicht der ehemalige Bahnübergang an der Bahnhofstraße für die Zeit der Baustelle öffnen ließe.Regina Pfeifer die von allen nur „Pfeifi“ genannt wird, betreibt seit zwölf Jahren ihr Bistro an der Industriestraße. Das „Handwerkerfrühstück“ aus zwei halben Brötchen und einer Tasse Kaffee verkauft sie zwischen acht und neun Uhr für 2,40 Euro. „Die Ringstraße ist doch die Hauptverkehrsader in Bergen“, sagt einer ihrer Kunden im Blaumann. Die Baustelle an der Graskammer wäre gesperrt und die Decke abgefräst worden. „Danach ist wie in Strüssendorf nichts mehr passiert“, glaubt er zu wissen.Vor allem am Anfang, als die Autofahrer sich noch nicht an die Umleitung der Umleitung gewöhnt hatten, seien die Straßen rund um den Kreisel an der Gingster Chaussee regelmäßig verstopft gewesen. „Ich muss nicht nur die doppelte Strecke zurücklegen, sondern brauche bis zu meiner Wohnung in der Breitsprecherstraße oft eine Stunde“, sagt Regina Pfeifer.

Seit die B96 wieder gesperrt ist, lässt die Nachfrage weiter nach

Etwa hundert Meter weiter betreibt Ilona Kuhnke ihren Imbiss. Vor der Sperrung habe sie immer um die 180 Brötchen verkauft, jetzt seien es noch 130. „Dass es überhaupt noch so viele sind, liegt daran, dass morgens viele Handwerker vorbeikommen, die Material in den umliegenden Betrieben abholen.“ Aber das Mittagsgeschäft sei sehr schleppend geworden, weil niemand Lust habe, um ganz Bergen herumzufahren. Weder über am Storchennest vorbei noch über die B96 käme noch nennenswert Kundschaft. „Seit die Straße bei Strüssendorf wieder gesperrt ist, ist es noch schlimmer geworden. Nächstes Jahr habe ich 20-jähriges Jubiläum, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Es macht keinen Spaß mehr“, sagt Ilona Kuhnke.

Einbußen verzeichnen auch andere Gewerbetreibende in jenem Bereich. Beim Burger King sank die Nachfrage um gefühlte 20 Prozent und im Real konzentriere sich die Nachfrage auf den Freitag, sagen Angestellte. „Manche Kunden rufen an, bevor sie zu uns kommen, um sich unnötige Wege zu ersparen“, heißt es auch im Dänischen Bettenlager. Die noch kommen, haben eine feste Kaufabsicht, „Sehleute“ gibt es weniger. Die Verkäuferin eines Blumenladens fand immerhin eine eigene Lösung, um sich den langen Arbeitsweg zu ersparen. Sie parkt nun am Bahnhof und geht über die Fußgängerbrücke zur Arbeit.

Öffnung des Bahnübergangs offenbar nicht möglich

Eben dort könnte nach Ansicht der meisten Betroffenen die Lösung liegen. Ein Steinwurf nur trennt die beiden Stadtteile diesseits und jenseits des Übergangs voneinander. Ließe sich der Übergang öffnen, könnte der Verkehr fließen. Zumal ja wegen der Reparaturarbeiten am Rügendamm und den Bahnarbeiten anderswo auf Rügen sechs Wochen lang keine Züge fahren. Gerüchteweise werden Summen zwischen 170 000 und 1,5 Millionen Euro gehandelt, die eine Öffnung die Bahn kosten würde. Bergens Bürgermeisterin kann nicht mit Bestimmtheit sagen, woran eine Öffnung scheitert. Diskussionen darüber wurden vor meiner Amtszeit geführt. So weit ich es erinnere, hatte seinerzeit die Bahn eine Beteiligung der Stadt in Größenordnungen geltend gemacht“, sagt Anja Ratzke.

Eine Öffnung sei heute nicht einmal mehr theoretisch denkbar, sagt Bahnsprecher Gisbert Gahler: „Der Bahnübergang wurde nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz aufgelassen. Eine Öffnung käme einer neuen Kreuzung gleich. Neue Kreuzungen von Eisenbahnen und Straßen, die nach der Beschaffenheit ihrer Fahrbahn geeignet und dazu bestimmt sind, einen allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr aufzunehmen, sind als Überführungen herzustellen.“

Driest Uwe

Auch wenn sie von vielen gar nicht wahrgenommen werden – nahezu täglich sind Videowagen auf Vorpommerns Straßen unterwegs, um schwere Verstöße gegen die Regeln zu ahnden.

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