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Rügen Streit mit Wehrführer: Kameraden der Altenkirchener Feuerwehr schmeißen hin
Vorpommern Rügen Streit mit Wehrführer: Kameraden der Altenkirchener Feuerwehr schmeißen hin
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19:14 17.09.2019
Die Mitglieder der Feuerwehr Altenkirchen beim Löschen eines Großbrandes auf einem Reiterhof im April 2017. Quelle: Jan Meinherz
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Altenkirchen

In der Altenkirchener Feuerwehr kracht es gewaltig. Sechs Männer haben im Juli und August ihren freiwilligen Dienst quittiert und sind gegangen. Diese Mitglieder kamen mit dem Führungsstil des Wehrführers nicht klar. Es gebe nur leere Versprechungen und keine vernünftige Ausbildung mehr. Die Stimmung in der Truppe soll unter der Leitung von Dirk Schröder leiden.

„Ich bin immer gerne zur Feuerwehr gegangen. Doch mittlerweile ist der Spaß weg. Ich habe meine Sachen genommen und habe mich verabschiedet. Das war der schwerste Schritt, den ich bisher getan habe“, sagt Gruppenführer Jan Meinherz (31). Auch Bruder Mirko (25) sowie Kai Brüdgam (42), Rico Krüger (39), André Wegner (30) und Philipp Jens (29) verließen die Wehr.

Feuerwehrleute mit Leidenschaft

Einige von ihnen haben sich seit mehr als zwei Jahrzehnten den Feuerwehrhelm aufgesetzt, drei von ihnen waren Kraftfahrer bei der Wehr. „Deshalb ist es besonders traurig. Jeder der sechs Kameraden ist seinem Hobby mit Leidenschaft nachgegangen“, sagt er.

Jan Meinherz berichtet, dass er damals eine gute Ausbildung genossen habe. „Doch dies ist aktuell nicht mehr der Fall. Wenn einer eine Weiterbildung machen möchte, muss er sich zum Teil allein darum kümmern. Unterstützung dafür gibt es vom Wehrführer nicht“, sagt er. Hinzu komme, dass die 14-tägigen Ausbildungstage an der Wache verschenkte Zeit seien. „Oft hieß es: ,Fegt die Halle.’ Dies ist für mich aber keine Ausbildung“, so André Wegner.

Leere Versprechungen

Der Wehrführer habe leere Versprechungen gegeben, wenn es um begehrte Ausbildungen wie die C-Führerscheine ging. „Wenn wir ihn darauf angesprochen haben, hat er alles abgestritten“, so Jan Meinherz. Und er geht noch weiter und behauptet, dass dem Wehrführer die notwendigen Voraussetzungen fehlen, um überhaupt eine Feuerwehr leiten zu können. „Dazu müssen Kurse zum Zugführer und Wehrführer absolviert worden sein. Diese hat er nicht“, sagt er.

Die Kameradschaft würde unter der Leitung von Dirk Schröder leiden. „Wir haben uns auch oft nach der Arbeit getroffen und beispielsweise Tischtennis gespielt oder Fußball geguckt. Doch diese Zeiten sind vorbei. Einen Zusammenhalt wie damals gibt es nicht mehr“, so Jan Meinherz.

Rücktritt gefordert

Einige Kameraden wollten eine Neuwahl des Wehrführers herbeiführen. Oder bewirken, dass er seinen Rücktritt anbietet. Es gab Gespräche mit der Bürgermeisterin, die anschließend eine Versammlung mit den Mitgliedern einberufen hatte. „Der Wehrführer sagte in dieser Sitzung nur, dass er sich keiner Schuld bewusst ist“, so Jan Meinherz.

Auf OZ-Anfrage reagierte der Altenkirchener Wehrführer zu den Anschuldigungen der ehemaligen Feuerwehrleute mit „Kein Kommentar“.

Das Amt Nord-Rügen wurde vom Wehrführer über die Rücktritte informiert. „Diese Nachricht ist keine schöne Nachricht“, so die Leitende Verwaltungsbeamtin Gabriela von der Aa. Sie bestätigt, dass es im Vorfeld Gespräche mit der Bürgermeisterin als Dienstherrin gegeben hat, in denen versucht wurde, den Unmut der Kameraden zu verstehen. „Diesen Schritt dennoch zu gehen, ist die eigene Entscheidung des jeweiligen Kameraden gewesen“, sagt sie.

Feuerwehrleute jetzt in anderen Wehren aktiv

Für die Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrleute seien Bürgermeister und Wehrführer verantwortlich. Das Amt überprüfe nicht, ob sie die notwendige Qualifikation besitzen. Das Amt sei nur unterstützend tätig. Genauso wie Kreis, Feuerwehrverbände sowie die Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz.

Unterstützung wird vom Kreisfeuerwehrverband angeboten. „Wir brauchen in allen Gemeinden schlagkräftige Feuerwehren. Wenn der Wunsch von beiden Seiten besteht, klärende Gespräche zu führen, sind wir gerne bereit zu helfen“, sagt Kreiswehrführer Florian Peters.

Nach OZ-Informationen soll die Altenkirchener Feuerwehr auch weiterhin personell gut aufgestellt sein. Einige der zurückgetretenen Feuerwehrleute sind mittlerweile woanders untergekommen. Drei Männer sind nun in der Feuerwehr Putgarten aktiv. „Ich war in Lohme bisher Zweitmitglied, weil ich dort arbeite. Hier werde ich auch bleiben“, sagt Jan Meinherz.

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Von Mathias Otto

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