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Rügen Streit um Graböffnung: Sassnitz lehnt Einmischung ab
Vorpommern Rügen Streit um Graböffnung: Sassnitz lehnt Einmischung ab
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00:00 22.02.2018
Mit Kerzen und Transparenten demonstrierten Besucher vor dem Rathaus ihre Verbundenheit mit Christa Steenvoorden. Quelle: Foto: Maik Trettin
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Sassnitz

Transparente, Kerzen und viel Wut – zahlreiche Besucher erwarteten am Dienstag Abend von den Sassnitzer Stadtvertretern Antworten und neue Erkenntnisse im Streit um die Exhumierung von Juliane Kube. Sie wurden enttäuscht. Er werde sich zu dem laufenden Gerichtsverfahren nicht weiter öffentlich äußern, sagte Bürgermeister Frank Kracht in der Einwohnerfragestunde. Auch ein Antrag der SPD-Fraktion, der genau das zum Ziel hatte, wurde mit deutlicher Mehrheit von den Stadtvertretern abgelehnt.

Christa Steenvoorden reagierte mit Tränen auf die Entscheidung. „Ich hatte schon damit gerechnet“, sagte sie im Anschluss. Ihre Tochter Juliane soll im Dezember 1973 in der Badewanne der Großeltern ertrunken sein. Die Mutter zweifelt heute am Tod ihres Kindes, sieht Ungereimtheiten und erhofft sich nähere Erkenntnisse durch eine Öffnung der früheren Grabstätte auf dem städtischen Friedhof (die OZ berichtete). An der Stelle befinden sich mittlerweile aber die Urnen einer anderen Familie. Aus diesem Grunde gelte dort die Totenruhe, argumentierte die Stadtverwaltung und lehnte das Ansinnen von Christa Steenvoorden ab.

Diese Entscheidung sei unmenschlich, riefen aufgebrachte Einwohner während der Sitzung. Sassnitz werde „vom KGB regiert“, erboste sich ein Redner und forderte den Rücktritt des Bürgermeisters und des Stadtpräsidenten. Christa Steenvoorden übergab Norbert Thomas im Anschluss an die Sitzung den Ausdruck einer Online-Petition, mit der rund 700 Menschen ihr Anliegen unterstützt hatten.

Kritik kam von den Sozialdemokraten. „Für uns als SPD-Fraktion ist das Verwaltungshandeln trotz der umfangreichen Erläuterungen (. . . ) nicht nachvollziehbar“, heißt es in der Begründung zu dem erwähnten Antrag. Die Verwaltung habe die Spielräume vermutlich nicht ausreichend ausgeschöpft, um im Sinne von Christa Steenvoorden zu entscheiden. Der Aufforderung des Verwaltungsgerichts, bei dem der Streit landete, „den Fall neu zu bescheiden“, sei die Stadt nicht nachgekommen. Bürgermeister Frank Kracht hatte bisher erklärt, dass das Verwaltungsgericht in keiner Weise erklärt habe, wie das berechtigte Interesse der Mutter gegen das Gebot der Totenruhe abzuwägen sei. „Unserer Meinung nach wäre eine frühzeitige Beteiligung der Stadtvertretung schon weit vor der erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung vonnöten gewesen“, findet die SPD-Fraktion.

Das sieht die Mehrheit der Stadtvertreter anders. Gegen eine Information zu den bisherigen Kosten des Verfahrens für die Kommune sei nichts zu sagen, so Günter Mach (Die Linke). Alle weitergehenden Forderungen seien nicht Sache der Kommunalpolitik, die damit unzulässigerweise in das Verwaltungshandeln eingreifen würde. Ähnlich äußerten sich auch Stadtpräsident Norbert Thomas und Stefan Grunau (beide CDU). Für den SPD-Antrag stimmten lediglich vier Stadtvertreter, 13 votierten dagegen, zwei enthielten sich. Kommentiert wurde das von Teilen des Publikums mit lautstarken Unmutsäußerungen.

„Pfui!“, schrie eine Besucherin mehrfach und kündigte an, die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ einzuschalten.

Maik Trettin

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