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Rügen Streit zwischen Stralsund und Hiddensee: Brodkorb deutet Lösung an
Vorpommern Rügen Streit zwischen Stralsund und Hiddensee: Brodkorb deutet Lösung an
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18:11 31.03.2019
Denkmalgeschützte Weitläufigkeit: Die Wiesen in Neuendorf gehören der Stadt Stralsund und der Gemeinde Hiddensee je zur Hälfte. Quelle: Benjamin Fischer
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Stralsund/Neuendorf

In dem seit zehn Jahren festgefahrenen Grundstücksstreit zwischen der Stralsunder Stadtverwaltung und den Menschen in Neuendorf auf Hiddensee will Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) nun einen Vermittlungsversuch starten, um das Problem dauerhaft zu lösen. Dies kündigte Brodkorb während einer Diskussionsrunde mit den betroffenen Menschen in Neuendorf an. Bis auf wenige Einzelfälle sind das alle.

Sie sehen sich seit Jahren mit Forderungen und Klagen aus der Hansestadt überzogen, nachdem im Stralsunder Rathaus 2008 beschlossen worden war, die Pachtgebühren für die Wiesen, die sich zwischen den Häusern in Neuendorf befinden, auf einen Schlag um 1300 Prozent zu erhöhen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat es über die Jahre mehrfach abgelehnt, zwischen Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und den Neuendorfern zu vermitteln. Begründung: „Kommunale Selbstverwaltung.“ Die Antwort, die die Neuendorfer Interessengemeinschaft für Grundstücksfragen auf einen Brief dieser Art im Herbst 2018 ins Innenministerium zurückschickt, ist so unterzeichnet, wie es wütender kaum sein könnte: „Das gesamte Dorf“. Nun also Brodkorb.

Im Kern streiten die Insulaner und die Stralsunder Stadtverwaltung um die Erhöhung der Pachtgebühren für den Grund und Boden, der direkt an die Fundamente der zumeist alten Fischerhäuser grenzt. Er gehört der Hansestadt und der Gemeinde Hiddensee je zur Hälfte, während die Hauseigentümer fast immer nur das Land direkt unter ihren Fundamenten selbst besessen haben. Jahrzehntelang betrug der Pachtpreis für die Wiesen drumherum 26 Cent pro Quadratmeter, bis vor gut zehn Jahren erste Bescheide in den Briefkästen lagen, mit denen die Hansestadt die Gebühren auf etwas mehr als 3,60 Euro erhöhen wollte – und die Neuendorfer nach und nach mit knapp 100 Gerichtsverfahren überzog, von denen die Stadt den größeren Teil, aber eben nicht alle, gewonnen hat. Zuvor hatte das Amt Westrügen die alten Pachtverträge aller Eigentümer ohne Vorwarnung gekündigt. Auch, ob diese Kündigung überhaupt rechtens war, darüber stritten die Parteien lange miteinander.

Seit Juli 2018 liegt in der Sache nun ein neues Urteil des Landgerichtes Stralsund vor, das Badrow Recht gibt, dem die Neuendorfer aber nicht recht trauen wollen, unter anderem weil der Richter wie der OB ein CDU-Parteibuch haben soll. Das betonen sie in einem ihrer Briefe an Innenminister Caffier (ebenfalls CDU). Brodkorb schiebt die dazugehörige Vermutung während der Debatte im Neuendorfer Feuerwehrhaus ins Reich der Verschwörungstheorien und eine Warnung gleich hinterher: „Wenn wir anfangen, in Gegenwart von Herrn Dr. Badrow über die Integrität des Richters zu diskutieren, bin ich raus aus der Nummer.“ Ziel müsse es allein sein, zu einer Lösung zu kommen, „mit der dieses Thema endlich beerdigt wird“.

Die Neuendorfer müssten grundsätzlich akzeptieren, dass ein Grundstückseigentümer in Verhandlungen mehr auf der Hand habe, was die Sache aber nicht aussichtslos mache, sagt Brodkorb. „Ich habe mit Herrn Dr. Badrow telefoniert und ihn so verstanden, dass er zu Verhandlungen bereit ist.“ Grundlage sei eine Bewertung der Flächen mit 80 Euro pro Quadratmeter, die auch in dem auf Hiddensee viel gescholtenen Urteil des Landgerichtes als angemessen betrachtet wird. Zudem stehe, sagt Brodkorb, die Option im Raum, dass die Eigentümer die Wiesen um ihre Häuser herum nicht nur pachten, sondern zu diesem Preis kaufen könnten. Brodkorb: „Das ist für Sie ein Riesengeschäft.“

Kleiner Haken: Während ein Teil der Neuendorfer zu diesem Preis nur so viel Land kaufen will, wie wirklich gebraucht wird, soll Badrow das Ganze Brodkorb zufolge nur akzeptieren, wenn mit diesem Schritt wirklich alles verkauft wird, worauf in Neuendorf ein Grashalm wächst und die Hansestadt am Ende nicht auf einem Flickenteppich aus zu nichts nützlichen Flächen sitzen bleibt. Kaufen die Neuendorfer alles, würde der Erlös rund acht Millionen Euro betragen. Die Hälfte der Einnahmen stehen der Gemeinde Hiddensee zu. Insel-Bürgermeister Thomas Gens lässt vor der Diskussion mit Brodkorb durchblicken, dass der Konflikt unter Umständen auch entschärft werden könnte, wenn seine Gemeinde der Stadt Stralsund erlauben würde, in Neuendorf zu bauen, was dort, weil der ursprüngliche und weitläufige Charakter unter Denkmalschutz steht, wohl ein genauso schwieriges Kapitel wäre.

Im Herbst 2016 sah es schon einmal so aus, als könnte die Sache befriedet werden, nachdem die Hansestadt zuvor ein entscheidendes Gerichtsverfahren verloren und im Anschluss ein Mediationsverfahren angestrebt hatte. Der Versuch scheiterte. Die Neuendorfer bleiben vorerst weiter skeptisch. Holm Freyer treibt es dennoch einmal auf die Spitze: „Herr Brodkorb, wenn Sie das schaffen, baue ich Ihnen ein Denkmal.“ Dies könnte auch ein Ausdruck der Verzweiflung in Neuendorf sein.

Benjamin Fischer

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