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Rügen Starker Nordwind trieb Wasser an Rügens Küsten
Vorpommern Rügen Starker Nordwind trieb Wasser an Rügens Küsten
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19:13 02.01.2019
Hochwasser am Baaber Bollwerk und in Sellin. Quelle: Picasa
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Rügen

Hatten Rügener Einsatzkräfte wegen des Sturms am Dienstag vor allem mit umgestürzten Bäumen zu tun, mussten sich am gestrigen Mittwoch die Krisenstäbe auf Schutz und Sicherung von Deichen und Eigentum vor anschwellendem Hochwasser einstellen. So waren am Vortag zwei Bäume auf die Oberleitung der Bahnstrecke zwischen Klementelvitz und Sassnitz gestürzt. Ein Dutzend Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr entfernten die Bäume und fuhren evakuierte Fahrgäste zum Bahnhof Sassnitz. Gestern entschied dann die Reederei Hiddensee, wegen Sturm und Hochwasser den Fährverkehr zwischen Rügen und Hiddensee einzustellen. Auf dem Mönchgut waren Helfer von Krisenstab und Feuerwehr im Einsatz, die in Alt Reddevitz ein Auto bergen und den Brand eines Elektrokastens löschen mussten, der unversehens im Wasser stand.

„In Klein Zicker sind die Kameraden noch dabei, ein Haus mit bis zu 130 Sandsäcken zu sichern“, sagte Arne Fründt, Leiter des Krisenstabs im Amtsbereich, am Nachmittag. Einige Straßen mussten gesperrt werden. So die Verbindungen vom Selliner Wasserwerk nach Altensien, von Thiessow nach Klein Zicker oder von Alt Reddevitz nach Mariendorf sowie die Zufahrten zum Wendehammer in Seedorf oder zum Baaber Bollwerk. Dort liegt auch das Solthus. „Unser Haus ist immer noch gut belegt und das Wasser steht eine Stufe hoch auf unserer Treppe, sodass die Gäste den Hintereingang benutzen müssen“, sagte Empfangsleiter Frank Gareis. „Wir mussten sie allerdings bitten, die Autos ein Stück weiter hinter den neuen Deich zu fahren.“

Wie in Baabe, Sellin, Sassnitz oder Altefähr trat nach den stürmischen Tagen zum Jahreswechsel vielerorts das Wasser über die Ufer. In Baabe wurde das Bollwerk überschwemmt, in Sellin der Hafen und in Altefähr stand ein Spielplatz unter Wasser.

„Ursache für die Sturmflut ist starker Nordwind, der das Wasser an die Küste drückt“, weiß Frank Stein, Leiter der Wetterstation Arkona. „In der zentralen Ostsee haben wir Windstärke 9 gemessen“, bestätigt Bärbel Weidig vom Wasserstandsvorhersagedienst Ostsee. Das habe Auswirkungen auf andere Bereiche der Ostsee. „Lag der Pegel am Mittag in Sassnitz noch bei 1,41, Meter über dem durchschnittlichen Wasserstand, war er am Nachmittag bereits um zehn Zentimeter abgesunken und bis zum Abend gehen wir davon aus, dass er einen Meter unterschreitet.“ „Der Höchststand ist erreicht“, unterstrich das Jürgen Holfort vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Warnemünde.

Wenn der Pegel einen Meter über dem durchschnittlichen Wert liegt, spricht das Amt von einer Sturmflut. „Die Stände von 1,50 Meter bis 1,160 Meter über dem durchschnittlichen Stand, wie wir sie derzeit an einigen Orten messen, definieren wir als schwere Sturmflut“. Selbst dann würden erfahrungsgemäß aber lediglich überflutete Straßen und Parkplätze drohen. Gleichwohl hatte das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt die zweite von vier Alarmstufen ausgerufen. „Wir sind gelassen“, sagte Amtsleiter Matthias Wolters. „Es wurden uns keine Schäden an Hochwasserschutzanlagen gemeldet und wir rechnen auch nicht damit.“ Wichtig sei zudem, dass so kurz nach Silvester die Strände von Glühwein-Buden, Ständen und Zelten befreit worden wären, damit die sich nicht in der Ostsee wiederfänden.

Für die 45 Helfer, die im Amtsbereich Mönchgut-Granitz im Einsatz waren, war kein Feierabend in Sicht. Kameraden der Feuerwehr kontrollierten die Deiche ständig auf etwaige Risse. Müssen die Ämter bei Alarmstufe eins lediglich eine Rufbereitschaft herstellen, sind sie bei Stufe zwei ständig zu besetzen. Um 11.45 Uhr war daher der Krisenstab des Amts zusammengetreten. „Während der Wasserspiegel in Sassnitz bereits wieder absank, erhielten wir gegen 15 Uhr die Mitteilung vom Bundesamt, dass er im Greifswalder Bodden immer noch steigt“, so Arne Fründt. „Deswegen fahren wir vorerst auch keine Maßnahmen runter.“ So schlimm wie vor genau einem Jahr, als das Sturmtief Axel über der Ostsee tobte, sei es diesmal allerdings längst nicht, erinnert sich Fründt.

Uwe Driest

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