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Rügen Mit der Baumkrone auf Augenhöhe
Vorpommern Rügen Mit der Baumkrone auf Augenhöhe
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15:34 29.01.2019
Mit Skiern und seiner Kamera war Hans-Peter Woywod im Schneewinter 1978/79 gerne in Sassnitz und Umgebung unterwegs. Quelle: Hans-Peter Woywod
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Sassnitz

Hans-Peter Woywod erinnert sich an die Ferien im Winter 1978/79. Nach den ersten Schneeflocken begab er sich von Sassnitz aus mit seinem damals 14-jährigen Sohn Jan mit Skiern auf Erkundungstour. „Es muss der 29. Dezember gewesen sein. Schnell wurde der Wind kräftiger und es gab Eisregen. Dann reichten Glätte und Wind aus, um uns bis nach Sagard treiben zu lassen“, sagt der 77-Jährige. Als sie dort ankamen hatte der Schneefall eine unerwartete Stärke erreicht. Schnell lag so viel Schnee, dass im Straßen- und Bahnverkehr bereits nichts mehr ging.

Dem Duo wurde klar, dass sich der Rückweg schwierig gestalten könnte. „Wir sind dann direkt auf der Bahnstrecke entlang. Die liegt schließlich tiefer und Züge fuhren nicht mehr“, so Hans-Peter Woywod. Bei Klementelvitz hörten sie wieder die ersten Verkehrsgeräusche, wo eine Raupe im Einsatz war Durchfahrt zu ermöglichen. „Wir haben zugeschaut und sind dabei einem kleinen Hügel rauf. Plötzlich habe ich eine Glasscheibe unter mir bemerkt und erkannt, dass ich auf dem Dach eines Autos stand“, sagt der Senior.

Innerhalb weniger Stunden sah nichts mehr so aus wie am Morgen. Vater und Sohn erreichten glücklich ihr Zuhause. „Der Schnee stach wie Nadeln im Gesicht bis wir wieder angekommen waren. Das tat richtig weh. Zum Glück waren wir beide sehr sportlich und gewohnt uns durchzukämpfen.“

Am nächsten Tag verschaffte sich die ganze Familie bei einem Spaziergang durch Sassnitz einen Überblick. Der damalige Parkplatz zwischen Seemannsheim und Rügenhotel war bereits mit vielen Lastwagen zugestellt, die mit der Fähre ankamen und nicht weiter konnten. Hans-Peter Woywod erinnert sich auch daran, wie sich in Windeseile herumsprach, dass die Verkaufsstellen mit frischem Brot der russischen Garnision beliefert wurde. „Dann war Schlangestehen angesagt – schätzungsweise eine Stunde. Mit der Familie hat man sich abgewechselt oder wurde mit Grog versorgt. Damals kannten sich alle und alle verstanden sich. Da wurde gut geklönt dabei“, erzählt Hans-Peter Woywod.

Eigentlich wollte die Familie bei der Silvesterfeier im Sozialgebäude des Fischkombinats dabei sein. Doch die fiel aus. Die Musiker erreichten ihr Ziel nicht und auch die Versorgung der Gäste konnte nicht gewährleistet werden. „So hat von unserem Kreis Jeder was mitgebracht und wir haben bei uns zu Haus gefeiert. Auch sind alle heil wieder nach Hause gekommen“, so Woywod. Das Erwachen am nächsten Morgen war unangenehmer. Die Wohnung war kalt und auch Wasser und Strom waren ausgefallen. „Das dreckige Geschirr von der Feier haben wir auf den Balkon gestellt und sind wieder ins Bett.“

Zum Glück gab es noch reichlich Speisereste von der Silvesterpartie, die die Familie vorerst versorgte. Propankocher und -flaschen wurden aus dem Keller geholt und kamen statt beim Segeln nun auch im Winter zum Einsatz. Auch der Schnee vom Balkon wurde genutzt. „Brauchwasser war draußen in fester Form genügend da. Der Schnee wurde so für die Toilettenspülung einfach aufgetaut.“

Dieser Zustand war glücklicherweise nicht von Dauer. Bald waren Vater und Sohn wieder auf Skiern von Lancken nach Mukran unterwegs. „Da war irgendwo in Höhe der Baumkronen, als wäre es Gebüsch“, erinnert sich Hans-Peter Woywod. Vor Augen hat er auch noch die Panzer, die später dem Konvoi den Weg gebahnt hatten. Die wichtigsten Fahrzeuge sollten so nach Bergen durchkommen. Er selbst hat zu diesem Zeitpunkt als Lehrmeister am Polytechnischen Zentrum in Bergen gearbeitet. „Wir kamen aber nicht zur Arbeit. Stattdessen sollte man sich bei der Stadt melden um dort zu unterstützen. Doch hier war schon alles erledigt. Die Straßen innerhalb der Stadt waren frei.“

Die freie Zeit nutzte Hans-Peter Woywod dazu, mit der Kamera möglichst viel Geschehen festzuhalten. „Aus den Erfahrungen von damals würde ich jedoch sagen, würde der Winter heute so zurückkommen, wäre hier Chaos.“

Wenke Büssow-Krämer

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