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Rügen Einzigartiger Tanz in Klassenzimmern
Vorpommern Rügen Einzigartiger Tanz in Klassenzimmern
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12:01 26.03.2019
Quelle: Das Projekt „Augenhöhe“ thematisierte den Umgang mit behinderten Menschen.Ekaterina Ragozina
Bergen

„To be connected!“, ruft der Choreograph Stefan Hahn den beiden Tänzerinnen zu, die vor den Achtklässler der Bergener Schule „Am Grünen Berg“ auftraten. Eine davon, Magali Saby (32), kam aus Paris und spricht nur ihre Muttersprache und Englisch, deshalb kommunizieren alle in einem Englisch-Deutsch-Kauderwelsch miteinander. Trotz allem verstehen sie einander gut, denn die Sprache des Tanzes lässt es zu, echte Freundschaftsbande zu knüpfen. Und es spielt auch keine Rolle, dass Magali an den Rollstuhl gefesselt ist: das Team agiert auf Augenhöhe miteinander.

Tanzen seit der Kindheit

Genau diesen Name trägt die Tanzaufführung, die sie fürs junge Publikum in den Schulen von Mecklenburg-Vorpommern einstudierten: „Augenhöhe“. Für dieses Projekt haben sich das Theater Vorpommern, die Jugendkunstschule Vorpommern-Rügen mit der Perform(d)ance-Compagnie und das Schloss Bröllin zusammengetan. Es ist das erste so genannte Klassenzimmerstück deutschlandweit, das sich ausschließlich mit dem Thema Tanz beschäftigt. „Augenhöhe“ steht dabei als Metapher der Gleichheit zwischen den Menschen, unabhängig davon, ob sie physischen Einschränkungen haben oder nicht. „Ich habe noch nie mit dem Partner im Rollstuhl getanzt, für uns beide ist das eine sehr interessante Erfahrung“, erzählt die Tänzerin Dajana Voß (34) aus Stralsund. „Ungeachtet dessen passten wir und einander ganz schnell an und verstanden, wie wir uns bewegen müssen.“ Die beiden beschäftigen sich mit dem Tanzen seit ihrer Kindheit: Dajana war vier Jahre alt, als sie zu tanzen begann, Magali war sechs. Sie leidet unter der angeborenen Zerebralparese und trotz allem entschied sich für den Tanz. „Das führt dazu, dass ich mich nicht vordergründig als behinderter Mensch fühle“, sagt die Französin. „Ich bin nicht mehr Magali im Rollstuhl, sondern die Tänzerin.“ Drei Monate – solange die Produktion der Aufführung und die Tour durch die verschiedenen Städte dauern –wird sie in Deutschland bleiben. Zusammen mit ihr kam ihre Mutter hierher. Sie hilft ihrer Tochter, die täglichen Barrieren und die Müdigkeit nach den Proben und Auftritten zu bewältigen.

Eine ganz einfache Geschichte

„Augenhöhe“ ist durchaus nicht allein eine Vorstellung zur reinen Unterhaltung: Das Team gibt den jungen Zuschauer Anlass, sich Gedanken über die wichtigen Fragen des Lebens zu machen – über die echte Freundschaft und gegenseitige Unterstützung, über die unumgänglichen Schwierigkeiten, auf die die Behinderten alltäglich stoßen, und über die Grenzen der Toleranz. Magali spielt ja sich selbst – ohne das aufdringliche Bestreben, Mitleid hervorzurufen. Und das macht sowohl einen erschreckenden als auch rührenden Eindruck. Die Geschichte, die erzählt wird, ist klar und nah an den kleinen Zuschauern: Es geht um die Altersgenossen, die zusammen an einer Schulbank sitzen. Der Kernunterschied zwischen ihnen offenbart sich nur dann, wenn das eine der Mädchen nicht vom Tisch aufstehen, um ihrer Freundin nachzulaufen. In diesem Moment erscheint der Rollstuhl „auf der Bühne“ – wie ein weiterer vollwertiger Teilnehmer der Aufführung. Die übrige Auftrittszeit ist der Suche nach der verlorenen Verbindung gewidmet – das ist der harte Weg zur jener „Augenhöhe“, auf dem sich die beiden Mädchen richtig Mühe geben müssen.

Tourabschluss auf Konferenz

Für das bessere Verständnis der Geschichte dient die unkonventionelle Umgebung der Aufführung. Da sind interaktive Momente, wenn die Tänzerinnen ganz deutlich „in den persönliche Raum“ der Zuschauer einbrechen, die Videozusätze und sogar die Tatsache, dass die Kinder beim Auftritt unmittelbar auf dem Boden sitzen. „Das lässt zu, sich in Magalis Lage hineinzufühlen“, sagt Stefan Hahn. „Grob gesagt, müssen die Kinder die Behinderung spüren – genauso wie Magali sie täglich und lebenslang in ihrem Rollstuhl spürt“.

Das Klassenzimmerstück „Augenhöhe“ wurde innerhalb der sechs Wochen nach der Premiere am 20. Februar in vielen Schulen des Landes aufgeführt, so Stefan Hahn. Tourabschluss wird am morgigen Donnerstag auf der Kulturkonferenz in Stralsund.

Ekaterina Ragozina

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