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Rügen Hotels klagen über fehlende Taxen
Vorpommern Rügen Hotels klagen über fehlende Taxen
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14:30 24.10.2018
Während an einem Ort auf Rügen Taxen benötigt werden, warten sie an anderen auf Fahraufträge.
Während an einem Ort auf Rügen Taxen benötigt werden, warten sie an anderen auf Fahraufträge. Quelle: Uwe Driest
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Rügen

In der Bude am Bergener Bahnhof können sich die Taxifahrer nicht mehr aufwärmen. Seit die Taxiunternehmer der Stadt zu Jahresbeginn die Rügener Genossenschaft verließen, ist Sparkurs angesagt und die Bude gehört nun zum Döner-Grill von nebenan. „Das ist natürlich vor allem im Winter schlecht“, sagt einer der Fahrer. Den Motor dürfe man ja nicht laufen lassen und die Standheizung hielte nicht lange durch.

Das müsste sie auch gar nicht, wenn es nach Birte Löhr ginge. Die Direktorin des Binzer Arkona-Strandhotel beklagt, dass es zu bestimmten Zeiten schwer sei, ein Taxi für ihre Gäste zu rufen. Dabei wären jene durchaus bereit, 50 Euro für eine Fahrt zum Stralsunder Bahnhof zu bezahlen. Nur gäbe es eben zu wenig Droschken im Ostseebad. Die Zahl der Konzessionen bemisst sich nämlich an der Einwohnerzahl eines Ortes. Auch in einem Tourismus-Schwerpunkt wie Binz. Da erscheint es naheliegend, die Zahl der Droschken anzupassen. „Aber was sollen die dann im Winter machen?“, fragt Petra Schwabe, die mit ihrer Familie ein Taxiunternehmen mit fünf Autos in Garz betreibt. Ihr Vorschlag ist daher, dass die Aufsichtsbehörde Mischkonzessionen zulassen könnte, die es Mietwagen erlauben, im Sommer als Taxi in der Personenbeförderung unterwegs zu sein.

Taxi fährt leer von Sassnitz nach Glowe

Auch diese Lösung würde allerdings nichts daran ändern, dass sich die Taxifahrer der verschiedenen Orte der Insel in Spitzenzeiten gegenseitig nicht unterstützen dürfen. Eine Angebotslücke verzeichnen schließlich nicht allein die Badeorte. Mal endet eine Großveranstaltung im Raum Bergen, mal legt eine Fähre in Mukran an. Dass die gesamte Insel für alle Rügener Taxen laut Taxi-Ordnung ein sogenanntes „Pflichtfahrgebiet“ ist, bedeutet lediglich, dass sie Fahrgäste zu allen Orten der Insel befördern müssen. Bereitstellen dürfen sie sich hingegen allein an den Orten, für die sie über eine Konzession verfügen. Im Fall von Familie Schwabe sind das Bergen, Garz und Putbus. „Ich kann nicht verstehen, dass der Landkreis die Insel nicht freigibt. Dann könnten wir uns überall hinstellen und alle Probleme wären gelöst“, glaubt Petra Schwabe.

Denn weite Anfahrten im ländlichen Raum würden es ihnen zusätzlich erschweren, in wenig nachgefragten Zeiten ihre Taxen bereitzustellen, klagen Unternehmer. „Wenn eine Familie innerhalb von Glowe befördert werden möchte, muss ein Taxi von Sassnitz 16 Kilometer nach Glowe fahren, sie dort zwei Kilometer transportieren und dieselbe Strecke leer zurückfahren“, schildert Toralf Keiler vom Landesverband der Taxiunternehmen. Keiler hat selber einen Taxi-Betrieb unter dem Dach der Schweriner Zentrale, die auch die Binzer Taxen vermittelt, seit sich die Rügener Genossenschaft in Liquidation befindet.

Zahl der Krankenfahrten nimmt zu

Dass die Genossenschaft nach der Kündigung der Bergener auseinanderbrach, macht die Koordination der 42 Droschken auf der Insel nicht einfacher. Während die Binzer Taxen aus Schwerin vermittelt werden, entschieden sich die Bergener für das automatische Fahrtenvermittlungssystem Taxikomm. Dabei wird der Anruf des Kunden erst an Taxikomm und von dort an jenes Taxi vermittelt, das dem Kunden am nächsten ist. Der Taxifahrer wird direkt mit dem Kunden verbunden, um alle Details für die Fahrt zu besprechen. Damit immer ausreichend Taxen auf den Bergener Straßen unterwegs sind, erstellt Petra Schwabe Schichtpläne für die neun Betriebe der Stadt.

Die Taxi- und Tarifordnung wäre seinerzeit gemeinsam mit dem Gewerbe erstellt worden, sagt Landkreis-Sprecher Olaf Manzke. Gleichwohl sei man bereit, in neue Gespräche einzusteigen, wenn die Realitäten sich verändert hätten. Möglicherweise könne die Erstellung von Dienstplänen geprüft werden, wie es sie für Apotheken gäbe. Die Verpflichtung zur Bereitstellung ihrer Taxen könnte die Unternehmer dabei vor ein weiteres Problem stellen. Nach Einführung des Mindestlohns müssten sie dem Fahrer auch jene Zeiten vergüten, die er ohne Einnahme an einem Halteplatz verbringt. Zunehmend sind die Droschken ohnehin tagsüber damit beschäftigt, Schüler oder Patienten zu befördern. Der klassische Gelegenheitsverkehr verliert an Bedeutung. „Früher hatten wir 80 Prozent Barzahler und 20 Prozent Krankenfahrten, heute ist es umgekehrt“, sagt ein Bergener Fahrer.

Uwe Driest