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Theater Vorpommern Wunsch nach mehr Piratinnen
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00:00 08.07.2017
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Ralswiek

Ob es die wackelnden Lanzen sind, die sich bei der frivolen Gärtnergeschichte des kalauernden Sachsen im Rhythmus des Gegackers zweier alter „Landknechte“

bewegen, ob es der schusselige Soldat in Turnschuhen ist oder der direkt vorm Auftritt kackende Esel: Die beiden neuen Spielleiterinnen der Störtebeker Festspiele, Lisa-Marie Hobusch (26) und Kristin Wehrkamp zu Höne (33), haben hinter und neben der Bühne eine Menge zu lachen. Die Atmosphäre ist gelöst, Schauspieler, Festival-Crew und Laiendarsteller gehen kameradschaftlich miteinander um. Beide betrachten diesen Umstand als Glücksfall, denn auf den Schultern der Spielleitung lastet ein gerüttelt Maß an Verantwortung. Und die trägt man leichter, wenn das Drumherum stimmt.

Lisa-Marie Hobusch stammt aus Anklam und war unmittelbar vor ihrem Wechsel nach Ralswiek in der Berliner Schaubühne als Regieassistentin tätig. „Ich war bereits einiges an Umfang gewöhnt“, sagt sie.

„Das hier hat aber noch ein zusätzliches Volumen und ist im Freilichttheaterbereich ganz gewiss die Königsklasse.“ Ihre im Artland nahe Osnabrück aufgewachsene Mitstreiterin mit dem klangvollen Namen, die ebenfalls an der Schaubühne arbeitete und direkt von einem dreimonatigem Australientrip nach Rügen kam, freut sich besonders darüber, an der Ostsee arbeiten zu können. „Den ganzen Sommer auf einer Urlaubsinsel – was kann einem Besseres passieren“, sagt Wehrkamp zu Höne.

Beide Frauen sind von dem aktuellen Störtebeker-Stück „Im Schatten des Todes“ angetan. Während Hobusch die Figur des skurrilen Hinnak und dessen Humor besonders mag, bevorzugt Wehrkamp zu Höne den kurzen Auftritt des gescheckten Esels Mikosch. „Den führen zwei Mädchen in einer Szene in Marienhafe an der Leine, das ist ein schöner Gimmick.“ Einig sind sich die beiden Spielleiterinnen allerdings darin, dass es unter den Piraten ruhig ein paar Frauen mehr geben könnte. „Ich habe kürzlich ein Buch über Piratinnen gelesen“, sagt Wehrkamp zu Höne. „Es gab viele davon. Demnach ist es gar nicht so falsch, wenn da zwischen den Piraten auch Frauen mitreiten.“ Dass diesmal – ob Seeräuber oder Landknechte – auch ein paar Frauen auf den Pferden sitzen, ist der Tatsache geschuldet, dass die Festspiele unter einem Männermangel leiden. „Jungs und alte Männer haben wir ausreichend“, sagt die Niedersächsin. „In der Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren fehlt das starke Geschlecht allerdings an allen Ecken und Enden.“

Die Aufgaben der Spielleitung sind umfangreich. Bei den Proben geht es um die Requisitenbereitstellung, den strukturellen Szenenaufbau oder darum, die richtigen Kleindarsteller für die passenden Momente auszuwählen. Im Spielbetrieb besetzen die zwei Frauen jeweils eins der Bühnentore, um im richtigen Augenblick Kutschen, Pferde, Statisten in die Szenen laufen zu lassen. „Dabei geht es manchmal auch darum, zu organisieren, dass im nächsten Bild jemand ein Schwert aufhebt, dass einem anderen vorher heruntergefallen ist“, sagt Lisa-Marie Hobusch.

Dass der neue Job der Zwei nur eine Saison dauert, ist üblich in ihrer Branche, und vertragliche Optionen für eine erneute Mitarbeit im nächsten Jahr gibt es nicht. Das sei auch nicht ausschlaggebend: Spaß an der Arbeit rangiert ganz oben. Und den haben sie reichlich.

Jens-Uwe Berndt

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