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Rügen Starker Auftakt ins Arndt-Jahr auf der Insel Rügen
Vorpommern Rügen Starker Auftakt ins Arndt-Jahr auf der Insel Rügen
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11:05 25.02.2019
Das Studententheater Greifswald brachte die Diskussion um Ernst Moritz Arndt auf die Bühne. Quelle: Uwe Driest
Groß Schoritz

Nein, eine eigene Haltung zur Frage der Namensgebung ihrer Universität nahmen die sieben Darstellerinnen und Darsteller des Studenten-Theaters Greifswald nicht ein. Vielmehr versuchten sie, die enge öffentliche Debatte um die Person von Namensgeber Ernst Moritz Arndt um einige Kenntnisse zu erweitern. Ein am Ende begeistertes Publikum der Aufführung am Sonnabend in Groß Schoritz auf der Insel Rügen zeigte, dass das durchaus auch künstlerisch gelang. Ansinnen der „Zeitreise zum Mann der vielen Eigenschaften“ ist es, durch eine dokumentarische Darstellung von Stationen aus Arndts Leben zu einem tieferen Verständnis von dessen Denken und Fühlen im historischem Kontext zu führen. „Als dieser Mann geboren wurde, war Pommern noch schwedisch verwaltet, als dieser Mann auf die Franzosen schimpfte, litt die halbe Welt unter Napoleon Bonaparte und als dieser Mann von Deutschland sprach, gab es diese Nation noch gar nicht“, sagt Klara Noack, die das Drehbuch für das Stück erarbeitete und auch selber mitspielt. Deutschland bestand aus einem Flickenteppich von Fürstentümern und Arndt war leidenschaftlicher Verfechter einer einheitlichen Nation. „Damals konnte niemand ahnen, wie die Menschen 200 Jahre später darüber denken würden“, so Noack. Im Lauf der Geschichte wurde Arndt sowohl von Nazis als auch vom DDR-Regime vereinnahmt, das seine Haltung gegen Tyrannei ebenso wie die Kritik der Leibeigenschaft und die Nähe zum – vormals zaristischen - Russland betonte. Um diese noch heute vertretenen Positionen zu veranschaulichen, marschierten „besorgte Bürger“ über die Bühne und schwangen schwarz-rot-goldene Fahnen – die Farben der Republik.

Das Studententheater bringt zum 250. Geburtstag das Leben und Leiden von Ernst Moritz Arndt auf die Bühne.

Komplexer Stoff künstlerisch gelungen erzählt

Überhaupt gelang es dem jungen Ensemble, durch dramaturgische Kunstgriffe das Interesse ihrer Zuschauer an dem komplexen Stoff jederzeit aufrechtzuerhalten. Ein Erzähler führte durch die Biographie und half dem Publikum, indem er Ort und Zeit der jeweiligen Handlung auf einer historischen Landkarte des Staates Preußen markierte. Schließlich galt es, das Leben Arndts von dessen Geburt im Jahr 1769 bis zum 90. Geburtstag darzustellen. Noack überraschte ihr etwa hundertköpfiges Publikum im Geburtshaus des Dichters und Politikers eingangs mit der Mitteilung, dass der Tag der Premiere zugleich der Hochzeitstag von Arndt und seiner geliebten Lotte ist. Das Schicksal nahm ihm die Ehefrau ebenso wie zwei seiner Söhne und zeitweilig seine Lebensgrundlage. Arndt fiel der Zensur zum Opfer, von der auch Georg Büchner, Karl Marx und Friedrich Ludwig Jahn betroffen waren. Der „Turnvater“ war für die Zuschauer leicht erkennbar, weil er „frisch, fromm, fröhlich, frei“ auf der Bühne unablässig Kniebeugen oder Liegestütze ausübte.

Direktor vom Theater Putbus begeistert

Das Publikum dankte dem Ensemble mit lang anhaltendem Applaus. Lob gab es auch aus berufenem Munde. Peter Gestwa, Direktor des Theaters Putbus, war von den collagen-artigen Szenen beeindruckt. „Die Rollentausche auch zwischen den Geschlechtern waren sehr gut geeignet, die Darbietung interessanter zu machen“, so Gestwa. „Die jungen Leute spielen gut, fallen nicht aus der Rolle, wenn sie keinen Text zu sprechen haben und zeigen Emotionen dort, wo sie sein sollen“, meinte auch Theaterpädagogin Sabine Lowien.

Programm der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft

Mit der Premiere des Stücks gab die Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft den Startschuss für zum Arndt-Jahr 2019, in welchem ihr Namensgeber seinen 250. Geburtstag begangen hätte. Am 25. Mai findet ein Werkstattgespräch zur Entstehung und Rezeption des Theaterstücks mit Klara Noack statt. Im kommenden Monat stellt sich die Bürgerinitiative „Arndt bleibt“ vor, die eine landesweite Volksinitiative für den Erhalt des Namens durchführt. Eine Vertreterin des Zentrums für Antisemitismusforschung wird sich auf eine „Spurensuche zur Judenfeindlichkeit im Kreise der Romantiker“ begeben. Im Oktober findet eine Veranstaltung zum für Arndt wichtigen Thema der „Pressefreiheit“ statt, an der auch OZ-Chefredakteur Andreas Ebel teilnimmt und im Dezember lädt das Theater Putbus zu einer Podiumsdiskussion mit dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zum Thema „Streitbarkeit und Demokratie“. Das vollständige Programm ist auf der Internetseite www.ernst-moritz-arndt-gesellschaft.de zu sehen.

Mehr dazu:

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Uwe Driest

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