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Rügen Tierschützer retten Seeadler im Pansevitzer Wald
Vorpommern Rügen Tierschützer retten Seeadler im Pansevitzer Wald
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08:00 21.02.2019
Das Tier saß auf einem Baumstumpf und konnte nicht wegfliegen.
Das Tier saß auf einem Baumstumpf und konnte nicht wegfliegen. Quelle: Bürgerinitiative Gingst „Für eine intakte Natur – ohne Windgiganten“
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Pansevitz

Engagierte Tierschützer aus Dreschvitz retten Seeadler im Pansevitzer Wald: Dieser verletzte Vogel wurde am Sonntag von der ehrenamtlichen Tierschützerin Astrid-Birgit Brugger gefunden. Das Tier saß auf einem Baumstumpf und konnte nicht wegfliegen. Es ließ keine Nähe zu. Nachdem sich die Tierschützer bei einem Adlerexperten aus der Auffangstation für verletzte Wildvögel in Papendorf rückversichert und informiert hatten, konnte das verletzte und verstörte Tier eingefangen und in den Stralsunder Zoo gebracht werden.

„Er lebt noch. Wir können jetzt nichts weiter machen, als abzuwarten“, sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative Gingst „Für eine intakte Natur – ohne Windgiganten“ Siebert Geitz. Er war beim Einfangen des Vogels dabei. „Die Ursache seines krankhaften Zustandes ist noch unklar“. Ein Fremdverschulden sei nicht ausgeschlossen. Nach Auskunft des Tierarztes scheint der Gesundheitszustand des Seeadlers so zu sein, dass er gerettet ist und bald wieder in sein ursprüngliches Gebiet gebracht werden kann.

Derzeit wird das Tier von Spezialisten vom Stralsunder Zoo genau untersucht, betreut und beobachtet. Im Fokus geriet dabei nicht nur sein gesundheitlicher Zustand, sondern auch sein Verhalten und Appetit. Die Spezialisten konnten nur feststellen, dass die Verletzungen auf dem Körper des Vogels nicht erkennbar sind. Es gibt aber einen Verdacht, dass er im schlimmsten Fall unter einer Bleivergiftung leidet. „Dabei kann diese Diagnose heute weder bestätigt noch ausgeschlossen werden“, erklärt der Pressesprecher der Hansestadt Stralsund Peter Koslik. „Dazu muss der Seeadler bei einem Tierarzt untersucht werden, das passiert in Kürze“.

Unterdessen warnt der Naturschutzbund Mecklenburg-Vorpommern (Nabu), dass die Bleivergiftung einer den häufigen Todesgründen für die Seeadler und andere Vögel, die einen Bleischrot mit der Nahrung aufnehmen, ist. Bei dieser Art der Vergiftung sterben sie überaus qualvoll. „Der Kampf gegen ,die Jäger von gestern’ läuft bis heute. Die Leute, die den veralteten Traditionen folgen und für die bleifreie Munition nicht entscheiden wollen, sind nicht verschwunden“, so Nabu-Seeadlerbetreuer Jochen Kleinke. „Selbstverständlich, wenn die Seeadler ein Jagdgeschoss fressen und damit einen Bleipartikel aufnehmen, bekommen sie eine starke Vergiftung, die meistens zum Tod führt“. Er behauptete, dass in seiner 40-jährigen Praxis die häufigste Todesursache für die Seeadler eine Konkurrenz zwischen den Männchen geworden ist. „Noch drei bis vier Seeadler wurden vom Zug überfahren“, ergänzt er.

Die Tierschützer sind trotz allem optimistisch gesonnen. „Falls der Seeadler überlebt, möchten wir ihn besendern lassen, damit immer klar sei, wo der Seeadler sich aufhält“, sagt Siebert Geitz. Und weiter: „Wir hoffen, dass er sich mit dem zweiten Seeadler hier bei uns im Pansevitzer Wald wie im letzten Jahr bald fortpflanzt.“

Laut der Statistik von World Wide Fund for Nature Deutschland (WWF) ist die Anzahl der Seeadler in den vergangenen Jahren gestiegen. Momentan leben circa 580 Paare in Deutschland und knapp 12 000 Paare weltweit. In den 1960er Jahren war diese Vogelart im Bundesgebiet vom Aussterben bedroht. Aufgrund dieses dramatischen Artenschwundes begründeten 1968 der WWF und der Deutsche Jagdschutzverband das Projekt: „Rettet die letzten Seeadler in Deutschland“. In Deutschland kaufte der WWF in ausgewählten Gebieten Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs Wald- und Wasserflächen zum Schutz der Seeadler an. Dort werden bis heute in enger Kooperation mit Grundeigentümern, Förstern, Jägern und Naturschutzbehörden sowie ehrenamtlichen Gebietsbetreuern weitreichende Vorkehrungen zu deren Schutz getroffen. Hierzu gehören unter anderem die Einrichtung von Schutzzonen um ihre Horste und die Lenkung des Besucherverkehrs.

Heute sei die Situation nicht mehr so dramatisch. Aber der Seeadler steht nach wie vor auf der Liste der EU-Vogelschutzrichtlinie, in der Tiere mit besonderen Schutzmaßnahmen aufgeführt sind.

Ekaterina Ragozina

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