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Rügen Tödliches Bootsunglück vor Binz: Opfer war Betreuer eines Rollstuhlfahrers
Vorpommern Rügen Tödliches Bootsunglück vor Binz: Opfer war Betreuer eines Rollstuhlfahrers
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07:59 25.08.2019
Am Dünenübergang 28, in Sichtweite des Wachturm 4, geschah das Unglück. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Binz

Am Tag nach dem Unglück, läuft der Badebetrieb vor dem Wachturm 4 wie gewohnt weiter. Nichts erinnert mehr daran, dass hier am Freitag ein Badegast in dem für den Einsatz von Booten abgegrenzten Bereich schwimmen ging und dabei von einem Motorboot erfasst wurde. Er starb an den Folgen.

Kein Baden in der Bootsschneise

Am Dünenübergang 28, vor dem Wachturm 4, ist der Strandbereich extra für die Einsatzboote der Rettungsschwimmer und für den Betrieb des Wassersport Binz gesperrt. Das Baden ist in dem mit roten Bojen gekennzeichneten Bereich daher verboten. In diesem Gebiet startete gegen 15.30 Uhr das Motorboot des Wassersports, das eine Banane hinter sich herzog. Ob die zum Unfallzeitpunkt besetzt war, ist nicht bekannt. Der Führer des Bootes übersah den Schwimmer, bemerkte den Unfall nach der Kollision jedoch sofort und reagierte umgehend. Innerhalb von Sekunden hatten auch die gleichzeitig zu einer Kontrollfahrt mit ihrem Einsatzboot gestarteten Rettungsschwimmer den Unfallort erreicht und holten den Verunglückten an Bord. Kurz darauf konnte dieser an Land gebracht und mit der Reanimation begonnen werden.

Einen Tag nach dem schweren Unfall zwischen einem Motorboot und einem Schwimmer am 23. August, ist der Strand bei bestem Sommerwetter wieder gut gefüllt. Ein Schild weist darauf hin, dass das Baden im markierten Bereich aufgrund von Motorbootverkehr verboten ist. Quelle: Wenke Büssow-Krämer

Ein Dutzend Ersthelfer im Einsatz

„Er wurde schnell versorgt. Auch eine Ärztin unter den Badegästen kam sofort dazu. Das lief auf jeden Fall alles sehr professionell ab“, berichtet Wachführer Bastian Bernhardt, der hier in den letzten zwei Wochen die Leitung über die sieben Rettungstürme an dem drei Kilometer langen Strandabschnitt hatte. Auch er gehörte zu den ersten Rettungskräften, die den Verunglückten versorgten. „Wir waren anfangs mit sechs Leuten bei dem Mann, kurze Zeit später waren es zwölf –auch um den Patienten abschirmen zu können.“

Doch auch wenn die sofort eingeleiteten Rettungsmaßnahmen anfangs Hoffnung versprachen, verstarb der Badegast, noch bevor der am Sportplatz zum Transport ins Klinikum bereitstehende Hubschrauber abheben konnte. Am Strand übernahmen inzwischen Seelsorger die Betreuung des geschockten Bootsführers und seines Beifahrers und kümmerten sich auch um die Ersthelfer.

Ein Badegast übersah den abgegrenzten Strandabschnitt für den Einsatz der Boote. Er wurde in der Ostsee vor Binz von einem Motorboot beim Schwimmen erfasst und starb an den Folgen.

„Natürlich ist das ein belastendes Ereignis. Viele unserer Rettungsschwimmer sind aber auch Sanitäter und somit auf solche Situationen vorbereitet. Das wird dann auch gemeinsam nachbereitet, damit der Schock verdaut werden kann“, sagt der 25-jährige Wachführer, der seit acht Jahren als Rettungsschwimmer aktiv ist. In der Ausbildung wird auch stets von allen ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert. „Notarzteinsätze kommen durchaus regelmäßig am Strand vor, etwa bei Herzinfarkten oder Krampfanfällen. So etwas Schwerwiegendes ist da selten.“ In den letzten beiden Dienstwochen seines Teams blieb es da eher beim Pflaster kleben und der Versorgung von Bienenstichen.

Der nächste Schreck folgte allerdings nach Beendigung der Rettungsmaßnahmen, als sich ein Rollstuhlfahrer, der sich allein auf dem mit Matten befestigten Strandabgang befand, auf der Suche nach seinem Betreuer an die Rettungsschwimmer wendete. Offenbar handelte es sich bei dem Verunglückten um den Betreuer des Rollstuhlfahrers, der daraufhin auch Seelsorgern betreut wurde.

Einen Tag nach dem schweren Unfall zwischen einem Motorboot und einem Schwimmer am 23. August, ist der Strand bei bestem Sommerwetter wieder gut gefüllt und die Rettungsschwimmer hoffen auf einen ruhigen Badetag. Wachführer Bastian Bernhardt besetzt mit Jakob Schnapp, Leonie Schütz und Lio Riesner auch am Tag danach wieder den Turm 4. Quelle: Wenke Büssow-Krämer

Der Badebetrieb läuft weiter

Einige Sonnenanbeter, die am Wochenende am Binzer Strand den verlängerten Sommer genossen, hatten von dem Unglück nichts mitbekommen. „Wir haben auf der Promenade die Polizeiwagen bemerkt“, sagt Christine Klebus. „Und bei unserer Unterkunft am Sportplatz haben wir auch den Hubschrauber gesehen, der dort eine Weile stand.“ Von den Hintergründen ahnte das Rentnerehepaar aus Düsseldorf zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Urlauberin Michaela Bauer hat von dem Unfall gehört. „Da die Schuld zu suchen ist sicher schwierig. Die Frage ist, wie man es hätte vermeiden können“, meint die Freiburgerin. „Für den Mann, der das Motorboot gefahren hat, ist es sicher schwierig, egal wer die Schuld hat. Es muss schlimm sein für den jungen Mann. Es ist unglaublich traurig. Auch weil es zeigt, wie schnell es vorbei sein kann“, sagt die Touristin, die mit ihrer Familie erneut ihren Urlaub hier verbringt.

Der Betreiber des Wassersport Binz wollte sich nach dem tragischen Unglücksfall noch nicht äußern. Der weitere Einsatz des Motorbootes mit der Banane ist in dieser Saison jedoch wahrscheinlich nicht mehr geplant.

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Von Wenke Büssow-Krämer

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