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Rügen Tragischer Tod am Heimatstrand
Vorpommern Rügen Tragischer Tod am Heimatstrand
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20:00 23.05.2017
Erwin Mandelkow vor fünf Jahren an der Steilküste von Klein Zicker (Archivbild).
Erwin Mandelkow vor fünf Jahren an der Steilküste von Klein Zicker (Archivbild). Quelle: Udo Burwitz
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Klein Zicker

Er liebte seine Insel, liebte das Land, auf dem er lebte, und er war mit Leib und Seele Rüganer: Erwin Mandelkow starb vor ein paar Tagen infolge eines tragischen Unfalls an der Steilküste von Klein Zicker, als er unterhalb des Kliffs bei Bauarbeiten zugesehen hatte. Ein Lehmklotz hatte sich aus der Steilwand gelöst, war auf ihn herabgestürzt und hatte ihn schwer verletzt. Im Greifswalder Klinikum erlag der 92-Jährige seinen Verletzungen (die OZ berichtete).

„Als ich die Todesnachricht erhielt, war mein erster Gedanke ein böser“, sagt seine Witwe, Margot Mandelkow (83). „Das Land, das er so sehr liebte, hat ihn erschlagen.“ Später habe sie versöhnlichere Überlegungen angestellt. Zum Beispiel, dass es vielleicht sein Schicksal sein sollte, so zu sterben. Und dass es ihn unter Umständen davor bewahrt habe, eines Tages als Pflegefall dahinzusiechen. „Das wär für ihn das Schlimmste gewesen, denn er war immer sehr vital.“

Bei Facebook kursierten schlimme Pietätlosigkeiten

Margot Mandelkow redet sich ihren Schmerz über den Verlust ihres Mannes von der Seele, wenn sie Erinnerungen hervorkramt. Vom Schmerz, dass sein Name seit der Nachricht über den Unfall an der Steilküste von Klein Zicker Schmähungen ausgesetzt ist, kann sie sich nicht so ohne Weiteres befreien. „,Selbst Schuld’, haben einige gesagt“, erzählt die 83-Jährige. „,Was klettert der alte Mann da herum.’“ Bei Facebook kursierten gar schlimmere Pietätlosigkeiten, die vor Respektlosigkeit kaum zu überbieten waren.

„Vor 92 Jahren war mein Mann im letzten Haus am Wasser geboren worden“, erzählt Margot Mandelkow. „Teile des Geländes, über die die Baggerarbeiten überhaupt erst in die Wege geleitet werden konnten, waren sein Eigentum. Hier hatten uns mehr als 30 Jahre Gebäude einer russischen Radarstation die Sicht auf die See versperrt.“ Ende der 90er Jahre seien diese Bauten abgerissen worden, Kabel, Fahrbahnplatten und Mauerwerk verschandelten die Gegend aber weiterhin. „Er hat sich so sehr gefreut, dass nach jahrelanger Antragstellung die Restlasten endlich beräumt wurden“, erzählt die Witwe weiter. „Da musste er einfach dabei sein.“

Es zog ihn immer an die See – sein Leben lang

Nicht Neugier habe ihn ans Ufer unterhalb der Steilküste getrieben, vielmehr sei es der Drang gewesen, ganz nah dabei zu sein, wenn alles wieder seine Ordnung erhalten sollte. Dann dieses tragische Ereignis: Dem Lehmklotz hatte Erwin Mandelkow nicht mehr ausweichen können, obwohl Bauarbeiter ihm Warnungen zugerufen haben sollen. Mit voller Wucht traf ihn der mächtige Brocken, schleuderte ihn zur Seite – die Hüfte war zweimal gebrochen, schwere innere Verletzungen ließen ihn nahezu verbluten.

Im Krankenhaus sei alles unternommen worden, das Leben des Rentners zu retten, sagt Margot Mandelkow. Allerdings hätten die Ärzte schon bald festgestellt, dass dem Mann nicht mehr zu helfen war.

Die Witwe wünscht sich, dass man ihren Mann als jenen naturverbundenen Menschen in Erinnerung behält, der er gewesen ist. Und als jenen 92-Jährigen, der bis ins hohe Alter fit blieb, weil er sich immer im Freien aufhielt, mit viel Bewegung. Dabei zog es ihn bevorzugt an und auf die See – sein Leben lang.

Jens-Uwe Berndt

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