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Rügen Trent: Bürger begrüßen Minister Pegel mit schockierenden Bildern
Vorpommern Rügen Trent: Bürger begrüßen Minister Pegel mit schockierenden Bildern
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07:00 24.07.2019
Bürger aus Trent empfingen Minister Pegel mit schockierenden Kunstwerken.
Bürger aus Trent empfingen Minister Pegel mit schockierenden Kunstwerken. Quelle: Mathias Otto
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Schaprode

 Schockierende Bilder für Autofahrer, die am Dienstag zwischen den Ortschaften Trent und Silenz unterwegs waren. Im Straßengraben ragten Füße zwischen den Grashalmen hervor, daneben lag ein demoliertes Fahrrad. Mit dieser Aktion begrüßten die Trenter Bürger den Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD). Er weihte an diesem Tag den 5,5 Kilometer langen Asphaltweg zwischen Schaprode und Trent ein.

Warnende Schilder am Straßenrand

„Willst du zügig sterben? Nimm das Rad und fahr nach Bergen“, stand auf einem Schild am Straßenrand geschrieben. Aber auch: „Die Tücken mit den Radweg-Lücken!“ Oder: „Warten wir hierauf?“ Daneben haben die Initiatoren mit Filzstift drei schwarze Kreuze gemalt. Davor lag im knöchelhohen Gras ein Kinderfahrrad. Der Wimpel am Gepäckträger flatterte im Wind. Rot angemalte Stofffetzen lagen auf dem Rahmen. Auf den knapp vier Kilometer langen Abschnitt wurde an acht Stellen mit ähnlichen Installationen auf die Gefahr auf der Straße hingewiesen. Der Minister musste unweigerlich daran vorbeifahren, um zum Pressetermin nach Schaprode zu gelangen.

Dementsprechend herrschte eine gemischte Stimmung im Ort, kurz bevor mit einem symbolischen Akt das Band durchgeschnitten und damit die Strecke freigegeben wurde. „In erster Linie freuen wir uns, dass der Radweg zwischen den beiden Orten endlich fertig geworden ist. Das täuscht aber leider nicht hinweg, was noch alles gemacht werden muss“, sagt die Trenter Bürgermeisterin Kirsten Wiktor (parteilos).

Der etwa 5,5 Kilometer lange und mindestens zwei Meter breite Asphaltweg beginnt am Ortsausgang Schaprode und endet kurz vor der Ortschaft Trent. Er wurde in einer Bauzeit von zehn Monaten errichtet.

Radfahrer von Aktion begeistert

Bürger aus ihrer Gemeinde hatten diese Idee und legten am Vormittag die Räder und Puppen an den Straßenrand und stellten daneben die Schilder auf. Mit bunten Luftballons waren sie schon aus weiter Entfernung zu erkennen. „Jeden Tag fahren hier wahnsinnig viele Autos in Richtung Schaprode und wieder zurück. Es ist lebensgefährlich, mit dem Rad auf dieser Straße zu fahren. Ich habe Angst, wenn ich hier unterwegs bin“, sagt Mitinitiator Leen Edelmann (72). Knapp 15 Leute haben den Trenter unterstützt und im Vorfeld Schilder gebastelt. Susi Laubstein (56) schrieb ihr Statement auf einen Karton und befestigte diesen an ihrem Fahrrad. „Mehr Radwege für Rügen“, so ihre Forderung. „Radfahrer, die an uns vorbeigefahren sind, als wir die Schilder aufstellten, waren allesamt sehr begeistert. Sie fanden unsere Aktion gut“, sagt Leen Edelmann.

Christian Pegel betonte zwar, dass dieser Straßenabschnitt in der nächsten Förderperiode nicht die Priorität 1 bekommen hat, „aber dafür ist er der erste Platz auf der Ersatzliste“, sagt er. Und er gab den Trenter Bürgern Hoffnung, dass ein Radweg zwischen Trent und Silenz doch noch in den nächsten Jahren entstehen kann. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nicht jeder geplanter Radweg auch umgesetzt werden kann. Oft scheitert es an einzelnen Grundstücken“, so der Minister. Und in solch einem Fall rücke der Radweg auf der Insel sofort nach.

3,7 Millionen Euro

„Es ist trotzdem ein wunderschöner Tag für beide Gemeinden. Der Anfang ist gemacht“, sagt Kirsten Wiktor. Auch ihr Bürgermeister-Kollege aus Schaprode kam zum festlichen Akt und zerschnitt mit Freude das Band bei der Freigabe. „Für uns geht ein Wunschtraum in Erfüllung. Ich habe in den vergangenen Tagen schon viele Einwohner aus dem Ort gesehen, die den neuen Radweg getestet haben“, sagt Rüdiger Gau.

5,5 Kilometer lang und mindestens 2,5 Meter breit ist der neue Asphaltweg. Er wurde in einer Bauzeit von zehn Monaten errichtet. Bisher mussten Radfahrer dort die Fahrbahn der Landesstraße 302 nutzen, die als einzige Straßenverbindung zur Hiddenseefähre ab Schaprode ein hohes Verkehrsaufkommen aufweist, aber nur eine Fahrbahnbreite von sechs Metern hat. Die Kosten in Höhe von knapp 3,7 Millionen Euro werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und aus Landesmitteln finanziert.

„Diese touristische Strecke ist ein Nadelöhr. Die Sicherheit für Radfahrer wurde mit diesem Bau erhöht“, sagt Landrat Stefan Kerth (SPD). Er freue sich für die Einwohner, besonders für die Kinder beider Gemeinden, dass sie nicht mehr mit dem Fahrrad auf der Landstraße fahren müssen.  

Mathias Otto