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Rügen Trotz erhöhtem Konsum: „Keine Lobby für den Hafer“
Vorpommern Rügen Trotz erhöhtem Konsum: „Keine Lobby für den Hafer“
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07:00 01.09.2018
Saatzuchtverarbeiterin Jana Fritz (24) arbeitet für das Unternehmen Nordsaat Saatzucht GmbH Granskevitz. Quelle: Mathias Otto
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Granskevitz

„Hafer hat keine Lobby in der Politik und in der Wissenschaft. Der Absatz ist schwierig. Haferverarbeiter importieren in großem Umfang aus dem Ausland.“ Dies sind Fakten, die Saatzuchtleiter Dr. Steffen Beuch von der Nordsaat Saatzucht GmbH Granskevitz vortrug. Er war am Freitag im Gespräch mit Claudia Müller (Grüne), die während ihrer Sommertour nach Granskevitz kam, und berichtete über die Haferzucht, aber auch dass dieses Getreide anfällig für Krankheiten ist. Vor allem wollte er sich Gehör bei der Bundespolitikerin über die Wichtigkeit dieses Getreides verschaffen. Denn für weitere Forschungen in der Zucht werden auch künftig Fördermittel benötigt.

„Der Saat-Hafer wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2017 von der Uni Würzburg gekürt. Das zeigt, welch wichtigen Wert dieses Getreide hat“, sagt Steffen Beuch. Es werde vermehrt als Kulturpflanze und als gesundes Nahrungsmittel angesehen. Deshalb hofft der Saatzuchtleiter, dass in den kommenden Jahren wieder vermehrt Hafer in Deutschland angebaut wird.

Die Zahlen sagen aber etwas ganz anderes. Die Landwirte haben den Haferanbau in Deutschland im Zeitraum von 2000 bis heute um insgesamt 47 Prozent eingeschränkt. Gleichzeitig wuchs aber die Verarbeitungsmenge von Hafer um 150 Prozent, erklärt Steffen Beuch. Nur auf knapp einem Prozent der deutschen Ackerflächen werde der Hafer angebaut. Ein entscheidender Punkt für das Getreide: Verbraucher erhöhen den Konsum von Lebensmitteln auf Haferbasis. Vor allem für Diabetiker und Allergiker spielt Hafer eine immer größere Rolle. „Für diese Fruchtart ist deshalb eine Chance da“, erklärt der Fachmann.

Deshalb forschen Mitarbeiter der Saatzucht Granskevitz zusammen mit dem Julius-Kühn-Institut und der Georg-August-Universität Göttingen seit 2015 am Resistenzprojekt zur Fusariumanfälligkeit von Hafer. „Der Hintergrund: Diese Pflanzen werden von Krankheiten befallen, beispielsweise vom Fusarium-Pilz. Dieser ist besonders hartnäckig“, sagt der Saatzuchtleiter. Einige dieser Pilze können eine toxische Wirkung haben, was zu Erkrankungen des Magen-Darm- Traktes führen kann. Allerdings sei ein Vorkommen der Fusarium-Pilze in der Natur völlig normal. Man dürfe laut Beuch deshalb keine Panik verbreiten. Die Lebensmittelüberwachung in Deutschland sei vorbildlich. Die Europäische Union hatte vor einigen Jahren die Mitgliedsstaaten aufgefordert, gezielt in diesen Bereichen zu forschen. „So kamen wir ins Spiel. Wir versuchen in unserem Forschungsprojekt herauszufinden, ob es Sorten gibt, die resistenter gegen Fusarium-Pilze sind“, sagt er.

Wie lange die Forschung nur eines Produktes dauern kann, erklärte an der Sorte „Canyon“. 1980 haben die Versuche angefangen. Vor allem auf Resistenzen wurde getestet. Abgeschlossen wurde diese Reihe 2007. Dieses Getreide ist hochresistent gegenüber Schädlingen und bringt hohe Erträge. „Wenn man Grundlagenforschung betreibt, kann man auch erfolgreich züchten. Und wenn eine Pflanze doppelt so viel produziert, ist dies nachhaltig und gut für die Umwelt“, sagt er.27 Jahre werde es bei den aktuellen Forschungen zur Fusariumanfälligkeit nicht dauern. Aber das erste dreijährige Projekt zu diesem Thema läuft im September aus. „Wir werden im nächsten Monat ein Forscher-Treffen in Göttingen haben, dort unsere Ergebnisse auswerten und beraten, wie wir weiter forschen wollen“, sagt Steffen Beuch. Aber auch dafür werden Fördermittel benötigt.

OZ

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