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Rügen Turnhalle und Schule verfallen: In Wiek schrillen die Alarmglocken
Vorpommern Rügen Turnhalle und Schule verfallen: In Wiek schrillen die Alarmglocken
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07:15 09.08.2019
Anita Trillhaase (v. l.) und Birgit Bonau von der Schulleitung, Bürgermeisterin Petra Harder sowie die Mitbegründer vom Schulförderverein Reno Stach und Christin Kieck stehen vor der Grundschule im Ort. Quelle: Mathias Otto
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Wiek

Birgit Bonau freut sich, dass das neue Schuljahr wieder beginnt. Am Sonnabend werden zwei Klassen eingeschult, und ab Montag toben 111 Mädchen und Jungen auf dem Schulhof der „Grundschule Wiek auf Rügen“. Doch wenn die Leiterin einen Blick ins Gebäude und in die Turnhalle wirft, vergeht ihr der Spaß. Beide Gebäude verfallen zusehends, die letzten notdürftigen Arbeiten am Dach und an den Fenstern liegen fast zehn Jahre zurück. Unter dem Motto „Vorhang auf – wir gehen auf die Straße“ machen sich die Wieker Bürger für eine Sanierung ihrer Schule stark.

Beim Rundgang zeigt die Schulleiterin, wo überall der Schuh drückt. Die Räume sind zum Teil viel zu klein. So wurden die beiden Computerräume zusammengelegt, um Platz für eine Klasse zu schaffen. Auf wenigen Quadratmetern sitzen die Grundschüler jetzt dicht an dicht. Kleine Treppen führen von Flur zu Flur, Schwellen sind zwischen den Türen verbaut. „Kinder brauchen Bewegung, sie dürfen nicht stolpern. Aber hier gibt es mehr als genug Stolperfallen“, sagt Bürgermeisterin Petra Harder (CDU).

Hier kommen viele Erinnerungen hoch, wie Gebäude zu DDR-Zeiten von innen ausgesehen haben: Die Türen und die Türzargen aus Holz, die Rohre, die entlang der Wände verlaufen. Sogar einige Holzstühle aus damaliger Zeit befinden sich in dem Haus. „Wir gehen achtsam mit den Dingen um, die wir für die Schule haben. Deshalb sind die Stühle auch heute noch intakt“, so die Schulleiterin. Sieben Klassenräume hat sie für die Kinder zur Verfügung. Der Platz reicht gerade so aus.

Toiletten außerhalb der Schule

Muss ein Kind auf die Toilette gehen, muss es die Schule verlassen und das Toilettenhaus auf dem Schulhof benutzen. „Die Lehrer haben die Wahl: Entweder lassen sie das Kind allein hingehen oder dementsprechend die Klasse für eine gewisse Zeit alleine im Raum. Mit einer Toilette im Gebäude wäre vieles einfacher“, so die Schulleiterin.

Die Küchenzeile in einem Raum, in der die Grundschüler zusammen mit den Lehrern oft gesundes Frühstück vorbereitet haben, musste entfernt werden. Der Platz wurde für einen PsmA-Lehrer, also eines Personals mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung, geschaffen. Die Fliesen an der Wand erinnern noch immer an die Küchenzeile. Statt Arbeitsplatte stehen jetzt ein Tisch und ein Stuhl im Raum. Dies ist jetzt ein provisorisches Arbeitszimmer. Birgit Bonau möchte aber weiterhin mit den Kindern Gemüse schnippeln und Gurken schälen. Eine gebrauchte Einbauküche hat sie schon bekommen. Dafür wird jetzt ein Raum um unteren Bereich des Gebäudes eingerichtet.

Die ersten Förderanträge wurden 2013 gestellt

Ein paar Meter weiter steht die Turnhalle. Birgit Bonau zählt auf, wo es hier hakt. „Sie ist schlecht isoliert, das heißt, im Winter ist es oft viel zu kalt in der Halle“, sagt sie. Die Fenster sind zum Teil defekt. Auch die sanitären Einrichtungen müssen dringend saniert werden. „Die Turnhalle ist nicht mehr sanierungswürdig, sie muss ersetzt werden“, so Petra Harder.

Die Gemeindevertreter und die Bürgermeisterin diskutieren schon lange darüber, wie und woher sie das notwendige Geld für eine Sanierung oder einen Neubau bekommen. „2013 haben wir verschiedene Förderanträge gestellt. Ich war seitdem sieben oder acht Mal in Schwerin, um über die Schulsanierung zu sprechen“, sagt die Bürgermeisterin. Doch bisher ohne Erfolg. Das größte Problem für die Gemeinde: Sie wäre mit einem Eigenanteil von 30 bis 40 Prozent an den Kosten beteiligt. Doch Ausgaben in Millionenhöhe gibt der Haushaltssäckel nicht her. Aus Sicht des Landkreises ist Wiek dauerhaft nicht leistungsfähig.

Architekt empfiehlt Neubau

2,55 Millionen Euro würde eine Sanierung des Schulgebäudes kosten, weitere 2,6 Millionen Euro für die Turnhalle. Vom beratenden Architekten der Gemeinde sei aber ein Neubau empfohlen worden. Dieser würde für die Schule 2,85 Millionen Euro betragen, für die Halle zwei Millionen Euro. „Wir wollen kein Luxus. Was wir möchten, sind normale Bedingungen für die Grundschüler auf Wittow schaffen“, so Petra Harder.

Auch die Einwohner beschäftigt die derzeitige Situation. Christin Kieck, Mutter von zwei zukünftigen Grundschülern, und Reno Stach, Vater von zwei ehemaligen Grundschülern und einem zukünftigen, setzen sich dafür ein, damit ihre Kinder unter vernünftigen Bedingungen zur Schule gehen können. Sie haben zusammen mit zehn weiteren Einwohnern den „Schulverein der Grundschule Wiek“ gegründet.

Zirkusvorführung läutet Fest ein

Ihre erste Aktion: Ein Straßenfest in der Gerhart-Hauptmann-Straße am 31. August. Unter dem Motto „Vorhang auf – wir gehen auf die Straße“ wollen sie auf das Problem aufmerksam machen. Grundschüler werden in einer Projektwoche eine Zirkusvorführung einstudieren, die an diesem Tag aufgeführt werden soll. Sie ist gleichzeitig der Beginn des Festes.

Es wird es unter anderem ein Markttreiben geben, viel Musik, eine Versteigerung und eine Neptuntaufe. „Um für die Sanierung der Schule die volle Unterstützung vom Land zu bekommen, gehen wir sprichwörtlich auf die Straße“, so Christin Kieck. Der Verein hat auch den Landrat eingeladen, damit er sich einen Blick vom Gebäude und von der Turnhalle verschaffen kann.

Von Mathias Otto

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