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Rügen Ummanzer Winterdienst ohne Salz
Vorpommern Rügen Ummanzer Winterdienst ohne Salz
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00:00 27.02.2018
Für den aktutellen Wintereinbruch gerüstet: Der für ein Jahr geliehene Traktor mit Spezialausrüstung soll der Gemeinde Ummanz den Winterdienst erleichtern. Innenminister Lorenz Caffier begutachtete gemeinsam mit dem Ummanzer Bürgermeister Holger Kliewe die neue Technik. Quelle: Foto: Anne Ziebarth
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Lieschow

Angesichts eines nagelneuen, kapitalen Traktors wird auch ein Innenminister wieder zum Kind. Der gelernte Land- und Forstwirtschaftsingenieur Lorenz Caffier (CDU) nutzte den Ortstermin in der Gemeinde Ummanz, um selber mit dem schweren Gefährt eine Runde über den Parkplatz zu drehen. Der Traktor, der mit einem variablen Schiebeschild ausgestattet ist, soll die Gemeinde Ummanz in ihren Bestrebungen unterstützen, beim Winterdienst auf Streusalz zu verzichten. Und dies hat er angesichts des aktuellen Wintereinbruchs auf Rügen und Ummanz inzwischen auch schon getan.

„In der Gemeinde sind wir dem Alleenschutz verpflichtet“, erzählt Bürgermeister Holger Kliewe (CDU). „Vor drei Jahren haben wir vereinbart, möglichst viel für unseren alten Baumbestand zu tun. Der Verzicht auf Streusalz ist ein Teil davon.“ In einem Pilotprojekt mit dem Umweltministerium hat sich die Gemeinde verpflichtet, für zehn Jahre auf Streusalz zu verzichten, es wird ausschließlich Sand gestreut und geräumt. Die Auswirkungen, die der Verzicht von Streusalz hat, werden wissenschaftlich untersucht.

Da das Schippen und Schaufeln der Straßen im Ort vor allem personell aufwendig – und somit auch teuer – ist, haben die Ummanzer sich jetzt einen speziell ausgerüsteten Räumtraktor geliehen. Möglich machte das eine Förderung in Höhe von 30000 Euro aus dem Strategiefonds der Landesregierung. „In der Verfassung des Landes ist der Alleenschutz verankert“, begründete Lorenz Caffier (CDU). „Man muss aber auch die technischen Möglichkeiten schaffen, damit die Gemeinden diese Ziele umsetzen können. Zum Beispiel mit diesem Traktor.“ Holger Kliewe spricht beim Fahrzeug von einem Teilerfolg.

„Eigentlich wollten wir so ein Fahrzeug kaufen und nicht leihen“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf seinen Parteikollegen Caffier. „Aber diese Förderung aus dem Alleenfonds haben wir nicht bekommen. Wir werden es aber weiter versuchen.“ Mit dem Geld aus dem Strategiefonds wird das Gerät nun für die kommenden zwölf Monate geliehen.

Die Auswirkungen, die der Verzicht von Streusalz auf die Alleebäume hat, werden wissenschaftlich ausgewertet. Dr. Dietmar Bilz aus Dresden ist von Anfang an als wissenschaftlicher Berater mit im Boot und großer Fan des Projektes. „Der Verzicht auf Streusalz ist eine der wichtigsten Forderungen im Alleenschutz“, sagt Bilz. „Das sich eine Gemeinde das so auf die Fahne geschrieben hat, ist bundesweit einmalig. Das Projekt findet in ganz Deutschland Beachtung.“

Im Boden ließen sich bereits große Unterschiede in den Messwerten zwischen einer Kreisstraße, die im Winterdienst gesalzen wird, und beispielsweise der Allee nach Lieschow in der Gemeinde Ummanz erkennen. „Die älteren Alleebäume reagieren etwas langsam, wie Tanker, eine optische Veränderung kann man äußerlich wohl erst in einigen Jahren ausmachen.“ Doch der Bürgermeister ist bereits jetzt überzeugt. „Ich finde schon, dass man im Sommer sehen kann, das es den Bäumen an den Gemeindestraßen besser geht als an den Kreisstraßen“, sagt er.

Doch Salz sei nicht das Einzige Problem der Alleebäume. „Als die Alleen vor einigen hundert Jahren angelegt wurden, waren das noch mehr oder minder befestigte Wege“, erklärt Kliewe. „Später wurden die Straßen gepflastert, heute sind die meisten Straßen asphaltiert. Das verschlechtert die Wasserversorgung der Bäume.“ Doch auch ein anderes erstaunliches Problem förderten die Bodenproben zutage:

Nährstoffmangel. „Den Alleebäumen fehlt es vor allem an Kalium und Phosphor“, so Bilz. „In der Landwirtschaft wird mehr mit Stickstoff gedüngt.“ Als die Bauern noch mit Pferdefuhrwerken unterwegs waren, erledigte sich dieses Problem quasi im Vorbeifahren, heute fällt für die Bäume kein natürlicher Dünger mehr ab. Heute wirkt die Gemeinde dem Problem entgegen. „Wir bringen seit 2014 mit dem Ziel der Revitalisierung Stallmist auf einer Alleenlänge von sechs Kilometern aus“, erzählt Kliewe. „Außerdem bewässern wir die Bäume.“

Diese Maßnahmen lässt sich die Gemeinde einiges kosten: Zwischen 5000 und 10000 Euro aus dem Gemeindehaushalt fließen jährlich in den Alleenschutz. „Einige Anschaffungen stehen noch aus“, so Kliewe. „Zum Beispiel ein Anhänger, ein Wasserfass oder eine Kehrvorrichtung für den Traktor, um den Streusand im Frühjahr wieder aufzunehmen.“

Investitionen in den Alleenschutz, von denen auch der Innenminister überzeugt ist. Natürlich sei es nicht immer einfach, die Belange der Bevölkerung und der Umwelt unter einen Hut zu bekommen. „Aber gerade die jüngere Generation ist umweltbewusster, macht sich Gedanken um die Natur und Nachhaltigkeit“, sagt Lorenz Caffier. „Durch die wissenschaftliche Begleitung können wir Ergebnisse präsentieren, die vielleicht auch in anderen Gemeinden dazu führen, dass man auf Streusalz verzichtet und umsteuert.“

Anne Ziebarth

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