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Rügen Umstritten: Grünes Licht für Wohngebiet am Stabenweg
Vorpommern Rügen Umstritten: Grünes Licht für Wohngebiet am Stabenweg
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08:00 24.03.2018
Auf dem jetzigen Acker am Stabenweg soll das neue Wohngebiet entstehen. Quelle: Herold Gerit
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Göhren

Die Entscheidung ist gefallen: Das umstrittene Wohngebiet am Stabenweg kommt. Dem Satzungsbeschluss für den gleichlautenden Bebauungsplan hat die Mehrheit der Gemeindevertreter auf der letzten Sitzung zugestimmt. Die Bürgerinitiative Lebenswertes Göhren (BILG) hatte im Vorfeld der Sitzung Bürgermeister Wolfgang Pester schriftlich aufgefordert, das „Aufstellungsverfahren bezüglich des B-Planes Nr. 23“ auszusetzen. Diesen Einwohnerantrag hätten über 100 wahlberechtigte Göhrener unterzeichnet, erklärte Sprecher Bernd Elgeti. Über 2000 Urlauber und Rüganer hätten zudem ihrer Unterschrift unter den Aufruf der BILG „gegen die Zersiedlung des Außenbereichs von Göhren“ gesetzt. Das Wohngebiet soll auf eine Ackerfläche an der Kreuzung Alte Förderei/Am Törf entstehen. Eine gleichlautende Pedition an die Gemeindevertreter im Internet hätte bis zur Sizung bundesweit 25773 Unterschriften erreicht.

Bürgermeister Wolfgang Pester verwies darauf, dass für den Einwohnerantrag die Frist nicht eingehalten wurde. Und betonte gleichzeitig: „Wir haben Wohnungsuchende und keinen Leerstand. Der Stabenweg ist nicht die günstigste Lage, aber wir haben im Innenbereich nichts. Jeder Ort hat an der Peripherie gebaut. Warum hat Göhren nicht das Recht?“ Um junge Familien und Arbeitskräfte im Ort zu halten oder sie anzulocken, würde dringend Wohnraum und Grundstücke für Häuslebauer benötigt. 500 Beschäftite würden täglich pendeln. Am Stabenweg will die Akzent Waldhotel Göhren GmbH 33 Parzellen für Eigenheime und Mehrfamilienhäuser (70 WE) schaffen. Investor Wilfried Horst hatte betont, dass Grundstücke für Ärzte und Fachpersonal eine vertraglich vereinbarte Voraussetzung mit dem Betreiber der geplanten Klinik am Südstrand seien. Die Einrichtung baut und verpachtet das Waldhotel. Ein anderer Investor will eine Augenklinik dort ansiedeln (die OZ berichtete).

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Die BILG argumentiert, dass der Bedarf mit den vorhandenen B-Plänen im Ort (am Hövt, alte Schweinemastanlage) sowie im Innenbereich (Umwandlung von Gästeunterkünften in Wohnungen) gedeckt werden könnte. „Wir haben aber bisher nichts auf dem Tisch außer drei Wohnungen“, so Pester.

Der Bebauungsplan für den Stanebweg war bereits im Jahre 2014 aufgestellt worden, dann aber von der Raumordnungsbehörde gestoppt worden. Die Gemeinde sollte einen Nachweis über den Wonhraumbedarf erbringen und ließ letzten Jahr ein „Wohnungsbauentwicklungskonzept“ für Göhren bis 2030 erarbeiten. Laut Gutachten werden rund 120 Wohneinheiten in den nächsten Jahren benötigt. Befragt wurden auch die größten Arbeitgeber im Ort. Das neue Wohngebiet wäre der schnellste Schritt, um den Bedarf zu decken. Den Plänen für das neue Wohngebiet habe die Raumordnungsbehörde jetzt zugestimt, informierte Planerin Gudrun Trautmann vor der Abstimmung.

„Die Vernunft hat gesiegt“, kommentierte Wilfried Horst die Entscheidung im Gemeinderat gegenüber der OZ. 15 Grundstücke für Eigenheime seien bereits von den Klinikbertreibern reserviert. Zudem gebe es 12 Interessenten aus Göhren. „Wer den Zuschlag bekommt, entscheidet die Gemeinde“, verweist Horst auf den städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde. Die Akzent Waldhotel GmbH habe sich zudem verpflichtet, ein Haus mit zehn Wohneinheiten zu bauen. Die Kaltmieten sollen unter 5 Euro pro Quadratmeter kosten. Auch hier entscheide die Kommune, wer die Quartiere beziehen könne. Wilfried Horst geht fest davon aus, dass das Bauen am Stabenweg in diesem Jahr losgeht.

Die Gegner zeigen sich dennoch kämpferisch: „Die BILG geht alle demokratischen Wege, um diesen B-Plan nicht wirksam werden zu lassen“, so Bernd Elgeti. Weder die Petition mit inzwischen 35000 Unterzeichnern noch die Bürger-Einwände im B-Planverfahren seien bisher berücksichtigt worden.

Herold Gerit

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