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Rügen Umstritten: Teil Hiddensees künftig kutschfreie Zone?
Vorpommern Rügen Umstritten: Teil Hiddensees künftig kutschfreie Zone?
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19:33 25.04.2015
Jürgen Münzner ist mit seiner Kutsche im Zentrum von Kloster unterwegs. Wie lange darf er das noch?
Jürgen Münzner ist mit seiner Kutsche im Zentrum von Kloster unterwegs. Wie lange darf er das noch? Quelle: Chris-Marco Herold
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Kloster

Auf Rügens Schwesterinsel droht Ungemach. Über die „Einziehungsabsicht von öffentlichen Straßen“ in Kloster wird ab der nächsten Woche in den Ausschüssen der Gemeindevertretung diskutiert. Das ist nicht nur Amtsdeutsch in höchster Ausfertigung – Matthias Neubauer läuft auch noch die Galle über. „Wenn das durchgeht wie geplant, dann fährt keine Pferdekutsche mehr mitten durch Kloster“, macht der Mann vom Fuhrmannshof Neubauer deutlich.

In der Anlage zur Beschlussvorlage wird deutlich, worum es geht: Alle Straßen und Wege in Kloster sollen künftig nur noch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden können. Für Fuhrwerke bliebe nur noch der Weg außen rum. „Dann können wir unsere Ausflugsfahrten, die natürlich auch durch Kloster vorbei an der Kirche und am Hauptmannhaus gleich einstellen. Das ist ein Unding“, sagt Neubauer. Er vermutet den Gemeindekirchenrat hinter dem Angriff auf die Fuhrbetriebe.

„Ja, es gibt eine Beschwerde von der Kirchengemeinde“, sagt Bürgermeister Thomas Gens (Hiddenseepartei). Und auch Konrad Glöckner hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. „Uns ist vor allem der Kutschenwendeplatz ein Dorn im Auge. Der grenzt genau an die Kirche. Zudem haben wir da auch noch zwei Freizeitheime. Unsere Gäste, in der Saison täglich an die 40, fühlen sich belästigt von diesem Fäkalienplatz, der permanent vor sich hinduftet“, sagt der Pastor. Er wünsche sich, dass ein anderer Warteplatz für Kutschen und Pferde gefunden würde. Zudem werde Kloster in der Saison von Touristenströmen heimgesucht. „Und mittendrin die Fuhrwerke, das ist ein Sicherheitsrisiko. Die Pferde können ja mal durchgehen“, sagt Glöckner. Und ergänzt: „Die Touristen werden an den Sehenswürdigkeiten von Kloster nur vorbeigefahren. Besuchen tun sie die jedenfalls kaum."

„In all den Jahren haben wir noch nicht einen Menschen angefahren“, entgegnet Matthias Neubauer und redet von den Konsequenzen, die ein Kutschenverbot innerhalb von Kloster nach sich ziehen würde: „Den Vermietern und Gaststättenbetreibern könnten wir die Gäste nicht mehr direkt bis vor die Tür fahren oder sie von dort abholen. Und bei einer kirchlichen Trauung müsste das Paar künftig auch zu Fuß gehen und könnte nicht mehr mit einer Hochzeitskutsche vorfahren“, nennt Neubauer einige Beispiele.



Chris-Marco Herold