Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Umstrittenes Mega-Projekt B 96n: Endspurt für die Rügen-Autobahn
Vorpommern Rügen Umstrittenes Mega-Projekt B 96n: Endspurt für die Rügen-Autobahn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 13.02.2019
Samtens: Mit Baumaschinen wird eine Asphaltdecke auf dem Baufeld der Bundesstraße 96n (B 96n) auftragen. Quelle: dpa-Zentralbild
Anzeige
Bergen

Auf der umstrittenen Rügen-Autobahn heißt es bald „freie Fahrt“: Die Bauarbeiten an der B 96n von Altefähr nach Bergen sind fast abgeschlossen. In der nächsten Woche sollen auf dem zweiten und letzten Teilstück zwischen Samtens und Bergen die ersten Autos rollen – wenn auch zunächst noch übergangsweise, während an der alten B 96 gebaut wird. Kritiker der dreispurigen Trasse sehen ihre ursprünglichen Befürchtungen sogar noch übertroffen, Befürworter glauben weiter an ihren Nutzen.

Insgesamt 150 Millionen Euro

Der rund sieben Kilometer lange Abschnitt soll wie geplant im Sommer nach dreijähriger Bauzeit eröffnet werden. Die Kosten werden laut der zuständigen Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) wie vorgesehen bei 55,6 Millionen Euro liegen. Bereits 2015 war die 14 Kilometer lange Strecke von Altefähr nach Samtens eröffnet worden, sie kostete 96,5 Millionen Euro.

Stefan Hahn von der „Rügener Initiative ohne B 96n“ ist angesichts der Ausmaße entsetzt: „Wenn ich an der Straße entlang fahre, kommt mir das Grauen.“ Die tatsächlichen Dimensionen würden erst jetzt sichtbar. „Es wurden riesige Erdmassen verschoben, Flächen versiegelt, Brücken und Tunnel gebaut – ein gigantischer Wahnsinn, der da durchgeprügelt wurde. Das macht die Insel kaputt.“

Alternative Verkehrskonzepte fehlen

Und das eigentliche Ziel der B 96n, die Urlauberströme besser zu lenken, werde damit nicht erreicht, prognostiziert Hahn: „Die Staus werden nur vom Festland auf die Insel verlagert.“ Statt die Straße zu bauen, hätte man lieber auf alternative Verkehrskonzepte mit Bus, Bahn oder Park & Ride-Angebote setzen sollen, wie es auch in anderen Urlaubsregionen funktioniere. „Stattdessen wird nur auf das Auto gesetzt, das ist nicht zukunftsfähig’“, so der Kritiker.

Marlies Preller vom Naturschutzbund Nabu trauert der verloren gegangenen Natur nach: „Der Wald, der für die Trasse gefällt wurde, war sehr hochwertig und hatte einen großen Wildtierbestand.“ Dabei seien noch mehr Flächen gerodet worden als zunächst befürchtet, zuletzt 2500 Bäume am Abschnitt zwischen Zirkow-Hof und Teschenhagen (die OZ berichtete). Auch Moore würden verschwinden. „Überall auf der Insel wird gerodet und Natur zerstört, das kann nicht gut für Rügens Zukunft sein.“ Statt einer Natur-Insel gebe es auf Rügen bald nur noch kleine Inseln von Natur, fürchtet Preller. Viele Bürger hätten ihr gesagt, dass sie sich das in diesem Ausmaß nicht hätten vorstellen können. „Wie sollen wir das Klima schützen, wenn wir immer mehr Straßen und Autos auf die Insel holen?“

Gut für Tourismus und Wirtschaft

Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD) bleibt aber dabei: „Mit der Fertigstellung der Arbeiten an der B 96n wird das regionale und überregionale Straßennetz spürbar optimiert.“ Mit dem Anschluss an die A 20 würden zudem die Anbindungen an das nationale und transeuropäische Verkehrsnetz verbessert. „Das dient nicht nur den Einheimischen und den Touristen, sondern auch den Unternehmen auf der Insel“, sagt der Minister. Das gelte etwa für den Fährhafen Sassnitz, der durch die B 96n seinen Umschlag steigern und so, aufgrund der kürzesten See-Entfernung nach Skandinavien und ins Baltikum, sein vorhandenes Potenzial besser ausschöpfen könne.

Jens Rademacher, Hauptgeschäftsführer der Industrie.– und Handelskammer (IHK) Rostock, meint: „Die B 96n steht auf der Prioritätenliste der IHK ganz oben. Wenn sie fertig wird, ist das eine gute Nachricht für die Urlaubs- und Wirtschaftsregion Rügen.“ Nervige Staus könnten dann vermieden werden. Der Präsident des Landestourismusverbandes, Wolfgang Waldmüller, stimmt zu: „Nach der Fertigstellung können sich Gäste auf einen flüssigeren Verkehr auf der Insel freuen.“

Restarbeiten bis Sommer

Ab kommenden Montag wird der Verkehr provisorisch auf den neuen Streckenabschnitt umgeleitet, weil im Bereich der alten B 96 unter anderem Entwässerungsarbeiten nötig sind, teilte Deges mit. An der B 96n müssen unter anderem noch Markierungen, Schilder und Schutzplanken angebracht werden, die Straßendecke ist zudem noch nicht überall fertig. Auch die Arbeiten an einer Wildbrücke und an Böschungen dauern noch an. Und schließlich müssen die Umleitungen, die während der Bauzeit eingerichtet wurden, zurückgebaut werden.

Axel Büssem

Zweckverband bereitet auf der Insel Rügen Ausschreibung für Netz-Ausbau im sechsten Insel-Abschnitt vor. Kalkuliert wird mit rund 16 Millionen Euro Fördergeld.

13.02.2019

Ab dem 18. Februar soll der Verkehr zwischen Samtens und Bergen auf der Insel Rügen teilweise auf die neue Bundesstraße 96n verlegt werden. Hier sind in den kommenden Wochen provisorische Verkehrsführungen vorgesehen.

13.02.2019
Rügen Sassnitz: Ex-Bürgermeister rechnet mit dem Großkreis ab - Dieter Holtz zieht sich aus Politik zurück

Mit Dieter Holtz verschwindet eines der bekanntesten Gesichter der Linken von der kommunalpolitischen Bühne. Der Kreistags-Koalition aus CDU und SPD gehe es nur um Machterhalt, nicht um Sachfragen.

13.02.2019