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Rügen Umweltbericht für Greifswalder Bodden vorgestellt
Vorpommern Rügen Umweltbericht für Greifswalder Bodden vorgestellt
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10:45 24.04.2019
Angelboote dürfen die unter Naturschutz stehende Schoritzer Wiek ausschließlich auf direktem Weg durchqueren. Das Bild zeigt im Hintergrund die Vogelinsel Ruschbrink I. Quelle: Thomas Heinicke
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Putbus

Verstöße von Anglern und Sportlern gegen Schutzgebote für Fauna und Flora nahmen 2018 gegenüber dem Vorjahr noch einmal zu. Auch der Druck von Beutegreifern auf Vögel steigt weiter an, deren Brut-Möglichkeiten sich zusehends verringern. Das ist das Resultat des Monitorings zum Greifswalder Bodden, das Naturschützer nun der Öffentlichkeit vorstellten. Im Auftrag des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) hatte Schutzgebietsbetreuer Florian Hoffmann sowohl Vertreter von Unterer Naturschutzbehörde, Wasserschutzpolizei und Fischereiaufsicht als auch ehrenamtliche Naturschutzwarte und Nutzer wie Angler und Wassersportler nach Lauterbach geladen. Die beteiligten Gruppen hatten sich innerhalb einer Freiwilligen Vereinbarung auf bestimmte Verhaltensmaßnahmen und Schutzziele verständigt.

Mehr Verstöße denn je

Dennoch seien im vergangenen Jahr die meisten Verstöße seit Beginn des Monitorings erfasst worden, so der Biologe des WWF. Insgesamt wurden 2018 mit 25 Prozent die meisten Verstöße seit Beginn des Monitorings erfasst. Das heißt, jeder vierte Angler hielt sich nicht an gesetzliche Regelungen oder die getroffene Vereinbarung. Spitzenreiter sind die Schoritzer Wiek (mit 88%) und die Puddeminer Wiek (43%). „Ein wesentlicher Grund für die Zunahme der Verstöße zum Vorjahr ist wahrscheinlich, dass die Saison 2018 ein Jahr mit überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden, hohen Temperaturen und geringem Niederschlag war“, erklärte er. Daher wären mehr Menschen länger an den Küsten geblieben.

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Die meisten Verstöße seien durch Angler begangen worden. Kanuten und Motorbootfahrer folgen mit Abstand. Obwohl das Angeln innerhalb der Grenzen des Naturschutzgebietes der Schoritzer Wiek nicht gestattet ist, wurden gut 90 Prozent der erfassten Angler innerhalb des Naturschutzgebietes angetroffen. „Immer wieder fuhren Boote zum Angeln in das Gebiet hinein, und häufig standen Angler in Wathosen sogar direkt an der Fahrrinne“, so Hoffmann. „Das stetige Angeln, insbesondere im Herbst, stellt eine ständige Störung für die rastenden Wasservögel in diesem hochsensiblen Gebiet dar.“ Im schlimmsten Fall würde es Kitesurfer oder motorisierte Jet-Ski-Fahrer in die Schutzgebiete verschlagen.

„Weil die Verstöße im Kernbereich des Naturschutzgebietes Schoritzer Wiek deutlich zugenommen haben, sehen wir Nachsteuerungsbedarf“, sagt Thomas Heinicke vom Verein Naturschutzgesellschaft Vorpommern. „Das Thema ist seit Jahren ein Dauerbrenner, und es ändert sich nichts.“ Damit sei fraglich, ob eine freiwillige Vereinbarung noch ausreiche oder ob es verbindlicher Regeln bedürfe. „Möglicherweise erreichen wir die falschen Leute. Einheimische Angler kennen die Vereinbarung und halten sich überwiegend daran. Mein Eindruck ist, dass die Verstöße überwiegend von Urlaubern begangen werden“, so Heinicke.

Auch Folgen des Klimawandels berücksichtigen

Florian Hoffmann hält eine Freiwillige Vereinbarung grundsätzlich für ein gutes Mittel, „aber es wird zu wenig kontrolliert“. Im laufenden Jahr sollten weitere Bootskontrollen und Halterermittlungen durch die Behörden durchgeführt werden. Zudem sei geplant, am Ufer der Schoritzer Wiek Schilder mit der Naturschutz-Eule aufzustellen, damit die Grenze des Naturschutzgebietes besser vom Wasser aus zu erkennen ist. Im laufenden Jahr wollen sich Hoffmann und seine Mitstreiter vor allem dem Prädatoren-Management sowie Nestschutz-Maßnahmen widmen. Weil es nur wenig alte Bäume mit Höhlen gibt, sollen weitere Nistkästen für Gänsesäger aufgehängt werden. Auch der noch seltenere Mittelsäger sei gesichtet worden. „Andere Watvögel leben dort schon seit Mitte der 90er-Jahre nicht mehr.“ Auf der anderen Seite sollen Wege gefunden werden, die Vögel vom zunehmenden Druck durch Marderhund, Waschbär und – dem verstärkten Maisanbau geschuldet – immer öfter auch durch Wildschweine zu entlasten.

Letztlich seien auch die Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen. „Dadurch, dass der Bodden nicht mehr vereist, zieht und laicht der Hering früher.“ Damit verlagere sich auch der Angeltourismus in die frühere Jahreszeit. Daher sollte beispielsweise auch die Schonfrist für Hecht auf Januar und Februar ausgeweitet werden. Bernd Dickau vom Landesanglerverband habe bereits vorgeschlagen, eine Umfrage zu dem Thema unter Anglern zu starten, weiß Florian Hoffmann.

Tiefste Stelle hat 13,50 Meter

514 Quadratkilometer umfasst die Fläche des Greifswalder Boddens. Das Gewässer ist mit einer durchschnittlichen Tiefe von 5,60 Metern relativ flach. An der tiefsten Stelle misst er 13,50 Meter.

An weiten Küstenabschnitten und in vielen Buchten gilt ein Fahr- und Anlegeverbot, zum Teil auch ganzjährig. Eine Übersicht über die verschiedenen Lebensräume finden Wassersportler und andere Nutzer der Region auf Tafeln, die der WWF im Auftrag des Staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt an verschiedenen Küstenbereichen des Greifswalder Boddens aufgestellt hat. Dort gibt es Hinweise zu den Befahrensregeln des jeweiligen Gewässerbereichs.

Weitere Informationen sind auch im Internet unter www.wwf.de/greifswalder-bodden zu finden.

Uwe Driest

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