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Rügen VVR möchte nicht länger auf Einnahmen verzichten
Vorpommern Rügen VVR möchte nicht länger auf Einnahmen verzichten
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07:42 31.03.2018
Die elektrische Wegebahn soll nach dem Willen der Binzer auch künftig allein durch das Ostseebad fahren.
Die elektrische Wegebahn soll nach dem Willen der Binzer auch künftig allein durch das Ostseebad fahren. Quelle: Noatnick, Claudia
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Binz

Bahnt sich eine Auseinandersetzung um Pfründe in der Personenbeförderung der Insel an? Roger Pieniak Inhaber der Wegebahnenmanufaktur „Sightseeing Trains Rügen“, einer Ausgründung der auf der Insel bekannteren Firma „Jagdschlossexpress“mit Sitz in Prora, befürchtet Konkurrenz durch die Verkehrsgesellschaft Vorpommern Rügen (VVR). Das teilte der Unternehmer auf einer Sitzung des Regionalausschusses Vorpommern der IHK mit. Das Unternehmen im Eigentum des Landkreises plant nach dem Einsatz von Ortsbussen in Bergen, Sassnitz und Sellin nun auch einen solchen in Binz. In dem Ostseebad verkehren schon jetzt die Linien 20 (Zicker-Königsstuhl) und 28 (Binz-Bergen). „Für den Sommer haben wir die neue Linie 27 eingeplant, die zwischen Binz und Prora verkehren soll“, bestätigt VVR-Sprecher Michael Lang. Die Genehmigungen dafür lägen vor.

Um die Binzer Bevölkerung zu informieren und Akzeptanz für die neue Linie zu schaffen, bat die VVR örtliche Einrichtung um Stellungnahmen. „Wir lehnen das ab“, sagt Helga Holtz (CDU) vom Binzer Seniorenbeirat. „Wir sind als Erholungsort für Verkehrsberuhigung und möglichst emissionsfreien Verkehr.“ Ein großer Diesel-Bus solle nicht mitten durch den Ort über die Schillerstraße zum Klünderberg fahren und dabei die Kreuzung an der Hauptstraße passieren, findet sie. „Da kommt man schon mit dem Pkw nicht durch.“

Zehn Bahnen wurden schon auf Rügen hergestellt

Den innerörtlichen Verkehr leistet bisher die elektrische Kleinwegebahn von Pieniak, der ab Mitte April auch die Strecke vom Jagdschloss Granitz zum Naturerbezentrum Rügen bedienen möchte und zudem kürzlich gefragt worden sei, „ob wir als Subunternehmer für den VVR auf Hiddensee fahren wollen“, so Pieniak.

Für dessen Unternehmen lief bisher alles bestens. Seine Manufaktur produzierte bereits zehn Wegebahnen, darunter „die längste der Welt“, die bis zu 165 Fahrgäste zum Kap Arkona bringt. Weitere fahren in Binz, Baabe, Sellin und transportieren Besucher auch zu den Störtebeker-Festspielen, Zusammen etwa 1,4 Millionen Fahrgäste jährlich.

ÖPNV soll besser werden

Einnahmen, die dem Öffentlichen Personennahverkehr entgehen, kritisiert Wilfried Kramer. Auf rund eine Million Euro beziffert der Experte vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) überschlägig den so entstehenden Verlust der VVR. Auch deswegen sei die Einrichtung einer Ortsbuslinie in Binz längst überfällig. Gemeinden und VVR seien gefordert, die Beförderung nicht nur der Wegebahn, sondern auch des ÖPNV mittels Kurkarte zu ermöglichen. Der Einsatz einer Wegebahn sei indes im Nahverkehrsplan des Landkreises nicht vorgesehen und könne allenfalls ein zusätzliches Angebot darstellen. „Für den Transport von Gepäck oder beispielsweise Rollstühlen eignen sich die Kleinbahnen aber nicht.“

So ein zusätzliches Angebot würde Marc Ehlers gern wahrnehmen. „Es würde sich natürlich gut machen, wenn unsere Besucher vom Parkplatz Hagen aus emissionsfrei zu uns gelangen könnten“, so der Geschäftsführer des Infozentrums am Königsstuhl. Diese Linie 19 gilt als die am besten frequentierte des Landkreises Vorpommern-Rügen. „Am besten aber wäre es, wenn schon die Anreise mit der Bahn erfolgen würde.“ Das sieht auch VCD-Mann Kramer so. „Die Insel braucht ein harmonisiertes Verkehrskonzept mit durchgehenden Mobilitätsketten, damit die Menschen von vornherein vom Auto auf den ÖPNV umsteigen.“

Driest Uwe