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Rügen Videos: Wolfgang Lippert begeistert mit DDR-Hits bei Störtebeker auf Rügen
Vorpommern Rügen Videos: Wolfgang Lippert begeistert mit DDR-Hits bei Störtebeker auf Rügen
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21:00 16.08.2019
Wolfgang Lippert singt bei den Störtebeker Festspielen drei DDR-Rock-Hits. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Ralswiek

Zu den Lieblingen der Störtebeker Festspiele gehört er schon immer – in diesem Jahr fokussiert sich das Interesse der Fans auf Wolfgang Lippert als Balladensänger allerdings so stark wie vermutlich noch nie. Grund: Drei der vier von ihm vorgetragenen Lieder stammen aus dem Fundus der DDR-Rock-Geschichte.

„Es war Annas Idee“, sagt Wolfgang Lippert – den Anhänger und Kollegen nur Lippi nennen – und meint Mitgeschäftsführerin Anna-Theresa Hick. „Ich war anfangs gar nicht begeistert davon. Nehmen wir zum Beispiel ,Nie zuvor’ von Electra – da habe ich gleich unangenehme Assoziationen zu bestimmten Personen.“ Damit spielt Lippi auf den damaligen Electra-Sänger Manuel von Senden an, dem eine IM-Tätigkeit bei der Staatssicherheit vorgeworfen wird. „Anna ging da aber ganz unbedarft ran, da sie den Background nicht hatte. Und sie hatte ja Recht: Das sind nun mal schöne Lieder.“

Unterfordert gefühlt

Auch der musikalische Leiter der Festspiele, Rainer Oleak (einst Mitglied der DDR-Gruppen Neue Generation, Neumis Rock Circus und Datzu), soll nicht gerade angetan gewesen sein, als Anna-Theresa Hick ihre Überlegungen zu den neuen Songs des diesjährigen Stücks „Schwur der Gerechten“ vortrug. „Er hat sonst ja alle Lieder selbst geschrieben“, sagt Hick. „Vermutlich fühlte er sich unterfordert, lediglich passende Arrangements zu kreieren.“ Oleak habe am Ende aber eine „wunderbare Balance“ zwischen der Erinnerung an das Original und den Anforderungen an eine mittelalterliche Theatergeschichte gefunden.

In diesem Jahr singt Lippi drei DDR-Hits + Impressionen aus vorangegangenen Jahren

„Ich habe im Internet nach passenden Texten gesucht“, erzählt Anna-Theresa Hick über ihre Vorgehensweise. „Es war jedesmal zuerst der Inhalt da, bevor ich überhaupt das Lied gehört hatte.“ So stieß sie zum Beispiel auch auf „Schattenkreuze“ von Karussell – ein Text über Liebe voll Melancholie mit maritimen Bezügen. „Allerdings hat der Song einen Calypso-Rhythmus, was für unser Theaterstück überhaupt nicht funktionierte.“ Lippi habe zwar eine sehr schöne Version aufgenommen, in den mittelalterlichen Ostseeraum passte das Ganze aber nicht.

Die drei Lieder

„Nie zuvor“ umrahmt in der diesjährigen Aufführung jenen Moment, als Goedeke Michels (Alexander Hanfland) und Smilla (Greta Galisch de Palma) sich finden und gegenseitig ihre Zuneigung gestehen. „In dem Lied geht es nicht nur um Liebe, sondern auch um Trennung. Und die schwingt bereits mit, als Goedeke und Smilla zusammenkommen“, sagt Anna-Theresa Hick. Lippi zu den Song: „Es stand damals, 1983 als es erschien, für Paare, wo junge Männer zur Armee mussten. Oder es aus anderen Gründen eine lange währende Trennung gab... Es ist so voller Sehnsucht.“

„Albatros“, im Original ein monumentales Werk der Gruppe Karat aus dem Jahr 1979, gehört bereits zu den Oldies der Festspiele. „Als Lippi das Lied ein Jahr mal nicht sang, bestürmten uns die Fans“, sagt Hick. „Jetzt ist es nicht mehr wegzudejnken.“ Die Geschäftsführerin hatte das Lied im Auto ihres Vaters, Intendant Peter Hick, gehört. „Er besaß ein Mixtape, auf dem sich auch alte DDR-Hits befanden. Beim ,Albatros’ wurde ich sofort hellhörig.“ Als das Lied dann schließlich erstmals von Wolfgang Lippert in Ralswiek gesungen wurde, sei sogar eine Abordnung der Gruppe Karat gekommen, um sich die Version anzuhören. Die Bandmitglieder seien begeistert gewesen, erinnert sich Anna-Theresa Hick. In diesem Jahr leitet „Albatros“ den zweiten Teil der Aufführung nach der Pause ein.

„Der Himmel schweigt“ ist wie „Nie zuvor“ bei den Festspielen zum ersten Mal zu hören. Das Original stammt von Petra Zieger & Smokings und wurde 1983 von der Sängerin gemeinsam mit ihren Keyboarder Andreas Schulte im Duett gesungen. „Das hat mich sehr berührt“, sagt Lippi. „Es wirkt besonders in der Gesamtheit der Szene: Goedeke ist Gefangener der Königin Margarete und steht gefesselt an einem Pfahl, Störtebeker kniet vor der ermordeten Smilla, Goedekes Freundin.“ Das sei ein emotional sehr starker Moment. „Ich bin in diesem Moment wie ein Mittler zwischen den Szenerien – Goedke hier, Smilla und Störtebeker dort.“

In den Publikumsreihen ist eine Reaktion zwischen Überraschung und Freude zu spüren. Spontan singen einige die Texte mit. „Die Leute in der DDR – und viele unserer Gäste kommen aus dem Osten – waren beim Hören von Musik sehr inhaltsorientiert“, weiß Anna-Theresa Hick mittlerweile über jene Zeit sagen zu können, die sie selbst nie miterlebte. „Da gab es diesen doppelten Boden in der Kommunikation, weshalb die Ostdeutschen sehr gut zuhörten. Das war eine absolute Stärke.“ Und das sei heute immer noch so, was der Atmosphäre in Ralswiek beim Vortragen der Lieder zugute komme. „Da ist auch dieses Gefühl, dass sich die Menschen an ihr gelebtes Leben erinnern wollen. Sie möchten einfach sagen können: Schön war’s.“

Impressionen aus dem Stück „Schwur der Gerechten“

Heimlich gut gefunden

„Ein Lieblingslied hat Wolfgang Lippert unter den drei Songs nicht. „Sie wirken zusätzlich durch die jeweilige Szene auf der Bühne – und die sind alle extrem stark“, sagt Lippi. Alle drei Songs gefielen ihm schon im Original sehr gut, sagt er. Allerdings habe man das szeneübergreifend nicht zugegeben. „Zwischen Jazzer, Rockmusiker, Pop- oder Schlagerinterpreten herrschte eine Art Funkstille“, erinnert sich der Künstler schmunzelnd. „Wir fanden uns alle gegenseitig mies. Und genau deshalb haben wir uns auch genauestens beobachtet – und heimlich gut gefunden.“

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