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Rügen Volker Zack: Kleiner Punk, schräger Typ, großer Schauspieler
Vorpommern Rügen Volker Zack: Kleiner Punk, schräger Typ, großer Schauspieler
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18:15 05.07.2019
Volker Zack (r.) spielt bei den Störtebeker Festspielen den „Kleenen“ Quelle: Jens-Uwe Berndt
Ralswiek

Klein, quirlig, vorlaut – Volker Zack ist als Der Kleene bei den Störtebeker Festspielen der personifizierte Gag: Ein bisschen Luis de Funès, im Verbund mit Charles Lemming (Siggi) ein wenig Pat und Patachon, und eine Note Till Eulenspiegel kommt hinzu, wenn er Klartext redet. In diesem Jahr dürfen die beiden komischsten Figuren in „Schwur der Gerechten“ die Handlung sogar vorantreiben, wenn sie einen unterirdischen Gang zwischen der umzingelten Festung Stockholm und dem Camp der Belagerer unter dem Kommando von Dänen-Königin Margarete (Krista Birkner) entdecken.

Ein bockiger Teenager

Als er zu DDR-Zeiten begann, in seiner Geburtsstadt Dresden erste Spuren zu hinterlassen, war Volker Zack noch Jablinski (später Michalowski). Wie die meisten Jungs in der Pubertät rebellierte der 1,56-Meter-Bengel. „Ich war ein bockiger Teenager“, sagt Zack zu seiner Weigerung, in die Jugendorganisation der DDR, die Freie Deutsch Jugend (FDJ), einzutreten. „Und ich hatte Glück, dass meine Eltern fanden, dass das meine Sache sei. Andere hätten vielleicht gesagt: Du musst da rein, damit wir nicht anecken.“ Passend dazu seine Mitgliedschaft in der Punkband Fehlschicht. Ostrock an sich mochte er allerdings weniger. „Außer Feeling B und A.G. Geige aus Leipzig.“

Natürlich habe er mit seinem Kleinwuchs Probleme gehabt, sagt Zack unumwunden. Und wie die meisten zu kurz geratenen Jungs, habe auch er diesen Fakt zu kompensieren versucht. „Manche tun das mit Gewalt, ich habe mich für die Variante Klassen-Clown entschieden“, sagt der Sachse. Am meisten haderte er mit seiner Körpergröße immer dann, wenn ihm Mädchen, denen er zugetan war, ihre Freundschaft anboten. Natürlich mochten sie den „kleinen Volker“, mit ihm ausgehen wollten sie aber nicht. „Mit der ersten Freundin löste sich der innere Konflikt aber auf“, lächelt Zack.

Die Zeit für schräge Typen

Und was der Dresdner einst zu kompensieren versuchte, ist heute seine Marke. Bis er diese allerdings etablieren konnte, machte Volker Zack noch den Umweg über den Versuch, Rockstar zu werden. „1993 bin ich wegen der Musik nach Hamburg gegangen“, sagt er. „So richtig hat das mit der Musikkarriere nicht geklappt. Stattdessen habe ich dort als Model gearbeitet.“ Die 90er seien jene Zeit gewesen, als schräge Typen gefragt waren. Und das nicht nur in der Model-Branche. Auch Kino und TV hielten Ausschau danach.

Volker Zack spielt den ulkigen Sachsen, der sich Der Kleene nennt.

Über den Dozenten eines von Zack belegten Kurses an der Filmakademie Baden-Württemberg wurde der angehende Schauspieler zu einer Berliner TV-Produktion vermittelt, wo der unbeleckte Mann nach nur vier Drehtagen eine eigene Comedy-Show bei Sat. 1 angeboten bekam: „Zack! Comedy nach Maß“. 2003 wurde die Pilot-Sendung gedreht, 2004 ging die Show auf Sendung und schaffte es am Ende auf fünf Staffeln. „Mein Glück war es, im gleichen Jahr im Film ,Das Leben der Anderen’ mitgespielt zu haben, der sogar Oskar-prämiert wurde. Damit war ich nicht auf die Rolle des Comedian festgelegt und bekam weitere Rollenangebote wie für ,Inglorious Basterds’ von Quentin Tarantino“, sagt Volker Zack, der seinen Spitznamen übrigens schon seit Kindertagen führt. „Mein Musiklehrer rief mich nach einer Figur aus ,Hoffmanns Erzählungen’ , kleiner Zack’. Das ist irgendwie geblieben.“

Geschichte hat Tempo

In Ralswiek ist der Der Kleene ein Publikumsfavorit. Nicht schwer, findet Zack: „Die Leute, die zu den Festspielen kommen, wollen lachen. Sie haben Urlaub, suchen Unterhaltung und Entspannung.“ In diesem Jahr sei das Stück besonders gelungen. „Es hat Tempo, ohne zu schnell zu sein, und einen einfach gestrickten Plot“, sagt der Mime. „Nach den Aufführungen haben wir Darsteller selbst manchmal das Gefühl: Oh, schon zu Ende? Das ist ein gutes Zeichen.“ Der Sachse mag zwar vor allem, dass er und Lemming nicht etwa am Rande der Geschichte Possen reißen, sondern mittendrin sind. Gimmicks gehörten aber dazu. Zum Beispiel, wenn Der Kleene im Lager der Dänen versehentlich eine Kanone abfeuert, deren Kugel scheinbar in der Toilette hinter den Publikumsreihen einschlägt und ein Statist schreiend und qualmend durch die Versorgungsstände rennt. „Es ist immer gefährlich, die vierte Wand zu durchbrechen“, sagt Zack. „Sowas kann den Besuchern die Illusion der Geschichte rauben. Hier funktioniert der Gag aber sehr gut.“

Jens-Uwe Berndt

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