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Rügen Für den Ferienjob von Sibirien nach Rügen
Vorpommern Rügen Für den Ferienjob von Sibirien nach Rügen
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16:01 29.08.2019
Anastasia Maslowa (li., 20) und Viessa Stepankin (22) sind Studentinnen aus der sibirischen Stadt Tschita. Sie haben in den Ferien in Polchow auf Rügen in einem russischen Lokal gearbeitet und eröffnen jetzt in ihrer Heimat eine Vermittlungsagentur für Ferienjobber aus Russland, die in Deutschland Auslandserfahrungen sammeln wollen. Quelle: Maik Trettin
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Polchow

„Sibirische Mädchen sind kernig!“ Irina Chulkowa muss es wissen. Nicht nur, weil die Polchower Gastwirtin selbst aus dem fernen, russischen Osten stammt. Seit drei Jahren arbeiten in der Saison Studenten der Universität aus dem sibirischen Tschita in ihrem Café „Samowar“. Zwei der jungen Frauen haben jetzt eine kleine Firma gegründet, die sie neben ihrem Studium betreiben wollen: Anastasia Maslowa (20) und Viessa Stepankin (22) vermitteln ihren russischen Kommilitonen Ferienjobs in Deutschland.

Beide studieren in Tschita Pädagogik. Sie wollen Lehrerinnen werden –für Englisch und Deutsch. Unsere Muttersprache ist im fernen Transbaikalien gar nicht so exotisch wie man meinen könnte. Während Englisch in der Regel als erste Fremdsprache unterrichtet wird, wählen nicht wenige Schüler Deutsch als zweite. Noch beliebter ist nur Chinesisch. Kein Wunder, meint Irina Chulkowa. Von Tschita bis zur chinesischen Grenze sind es nur 450 Kilometer –ein Katzensprung in den Weiten Sibiriens und immer noch dichter als bis zum 900 Kilometer entfernten Baikalsee. Französisch, sagen die Frauen, spiele als Fremdsprache weder an den Schulen noch an den Universitäten der Region eine Rolle.

Kaum Gelegenheit, Deutschkenntnisse anzuwenden

Während die Sibirier ihre Chinesisch-Kenntnisse noch bei Einkaufsfahrten oder Ausflügen ins Reich der Mitte testen können, haben sie so gut wie keine Möglichkeit, Deutsch mit Muttersprachlern zu sprechen. Viessa Stepankin ist da eine Ausnahme. „Meine Muttersprache ist Deutsch“, sagt sie lachend. Schließlich sei ihre Mutter eine Deutsche, eine Ostfriesin. „Eine Sprache kann man nicht mit dem Lehrbuch vor der Nase erlernen. Die muss man sprechen“, sagt Chulkowa. Und das könne man nun mal am besten vor Ort, wo man sich täglich unter Muttersprachlern bewege.

„Sehenswürdigkeit“ ist ein Zungenbrecher

Projektleiterin Anastasia Maslowa lernt erst Deutsch, seit sie an der Universität ist. Beim Servieren im Café habe sie sich trotzdem fast immer mit den Gästen verständigen können. „Die Leute haben immer versucht, mich zu verstehen“, freut sie sich und berichtet, dass sie von den Gästen immer sehr freundlich behandelt worden wäre. Sobald sie feststellten, dass sie aus Russland komme, seien sie besonders höflich gewesen. „Gutherzig“ –so charakterisiert die 20-Jährige die Deutschen, die sie während ihrer Arbeit auf Rügen kennengelernt hat. Gibt es ein deutsches Wort, das nur schwer über die russische Zunge geht? „Sehenswürdigkeit“, sagt die junge Studentin nach kurzer Bedenkzeit und lächelt fast verschämt. Das sei schwer auszusprechen. Aber den Deutschen gehe es mit dem russischen Wort dafür ja ähnlich, hat sie erfahren. „Dostoprimetschatjelnosti“ ist hierzulande ein klassischer russischer Zungenbrecher.

Viele Ausflüge in der Freizeit

Gesehen haben die jungen Frauen deutlich mehr als ihre Arbeitsstätte. Mit Ljuba, einer auf Rügen lebenden Russin, die sie hier kennenlernten, haben sie viel unternommen. Ausflüge nach Schweden und Dänemark standen ebenso auf dem Freizeit-Programm wie ein Besuch bei den Hafentagen oder im Ozeaneum. Und es gab natürlich Partys. „Wir hatten hier wirklich viel Zeit für uns“, sagten die jungen Frauen, die sich morgen auf den Weg nach Hause machen.

Motiviert trotz vieler Hürden

9000 Kilometer sind es bis in ihre sibirische Heimat. Doch nicht allein die Entfernung hindert die Mehrzahl ihrer Kommilitonen an einem Deutschland-Besuch. Es gibt bürokratische Hürden, um die sich die frischgebackenen Job-Vermittlerinnen kümmern wollen –und finanzielle. Viessa und Anastasia mussten erst ins 3000 Kilometer entfernte Nowosibirsk fliegen, um ein Visum zu bekommen. Das dauerte rund eine Woche und kostete etwa 300 Euro. Dann geht es per Flugzeug weiter nach Berlin und mit dem Bus bis nach Rügen. „Wer das auf sich nimmt, ist motiviert“, weiß Irina Chulkowa. Reich werden die Ferienjobber nicht. Ein Teil des Geldes geht für die Reise drauf, den Rest verwenden die meisten für ihr Studium. Das müssen Studenten in Russland nämlich weitgehend selbst finanzieren. „So gesehen ist das eine Win-Win-Situation für die deutschen Arbeitgeber und die sibirischen Ferienjobber“, sagt die Unternehmerin aus Polchow.

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Von Maik Trettin

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