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Rügen Vor Rügen: Umweltschützer bergen Geisternetze
Vorpommern Rügen Vor Rügen: Umweltschützer bergen Geisternetze
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05:01 19.06.2019
Taucher haben Geisternetze mit einem Gewicht von rund 800 Kilogramm vom Meeresgrund der Ostsee geborgen. Quelle: Cor Kuyvenhoven
Sassnitz

Die „Mission Baltic 2019“ vor der Insel Rügen war ein voller Erfolg. Meereschützer haben in der Tromper Wiek zusammen mit zwei einheimischen Tauchern und einem Fischer alte Schleppnetze geborgen. Das Größte befand sich in 30 Metern Tiefe an einem gesunkenen Schiffswrack.

Hinter der Mission „German Baltic 2019“ stehen die Gesellschaft zur Rettung der Delphine und die niederländische Ghost Fishing Stiftung, die sich darauf spezialisiert haben, abgerissene Netze von Fischerbooten aufzuspüren, sie vom Meeresgrund zu entfernen und dann zu entsorgen.

800 Kilogramm Müll

In deutschen Gewässern waren Mitglieder der niederländischen Stiftung zum ersten Mal unterwegs. „Das Projekt ging über drei Tage. Das Wetter spielte zwar nicht an allen Tagen mit, diese Aktion war dennoch ein voller Erfolg“, berichtet Bas Poelmann von der Ghost Fishing Stiftung. Mit sechs Tauchern waren sie im Einsatz und haben insgesamt knapp 800 Kilogramm Müll vom Meeresboden an die Wasseroberfläche befördert. „Die Netze wurden mit einem Lkw nach Lettland gebracht und werden dort entsorgt“, sagt er.

Netze vom Meeresboden bergen

Hinter der Mission „German Baltic 2019“ stehen die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die niederländische Ghost Fishing Stiftung (GF). Zusammen mit anderen Partnern starten sie Meeresschutzprojekte, retten Delfine sowie andere Meerestiere und schützen ihre bedrohten Lebensräume. Dazu gehört auch das Aufspüren und Entsorgen von sogenannten Geisternetzen.

Ghost Fishing arbeitet weltweit mit technischen Tauchern und Bergungsunternehmen zusammen, um verloren gegangene Schleppnetze vom Meeresgrund zu bergen.

Unterstützung hatten die Meeresschützer von Einheimischen. Darunter der Taucher Frank Reile (59). Seit zwei Jahren unterstützt er sie ehrenamtlich, führt sie zu Stellen, an denen er Netze gesichtet hat und hilft beim Bergen. Sein Mitstreiter Wolfgang Frank (60) ist sogar noch länger in diesem Bereich aktiv. Beide tauchen gern, vor allem zu den versunken Schiffen, die vor der Insel Rügen verteilt liegen.

„Hier hängen jede Menge Netze von Fischerbooten dran, die man nicht ohne Weiteres an Land bringen kann. Deshalb sind wir froh, dass es solche Organisationen gibt, die sich dieser Sache annehmen“, sagt Frank Reile. Der aktuell größte Fund ist ein Netz, dass sich vermutlich vor Jahren an einem älteren Eisenwrack verhakt hatte und von Fischern aufgegeben wurde. Das Netz wurde also gekappt.

Kutter brachte Netze an Land

Bei der „Mission Baltic 2019“ waren die beiden Rüganer Teil der Bergungsaktion. Sie führten die Taucher etwa zu der Stelle, wo das Netz auf dem Grund lag. „Viele Muscheln hingen daran und auch Pilker von Anglern. Das Gewicht war so enorm, dass es mittels Auftriebskörper an die Oberfläche gebracht wurde“, sagt Frank Reile. Hier kam ein weiterer Unterstützer aus der Region zum Einsatz: der Karlshagener Fischer Kalle Neumann. „An Bord befindet sich ein Winde, ein sogenannter Netzaufholer. Damit konnten die Reste des Netzes sicher geborgen werden“, berichtet Krank Reile.

Insgesamt wurde zwei große Big Packs mit Ostseemüll ans Tageslicht befördert. „Die Entsorgung wird nicht einfach sein. Ähnlich wie bei Gardinen befinden sich in den Fischernetzen Bleileinen, hinzukommen noch Sachen wie Perlon und Nylon. Dies muss jetzt mühselig getrennt werden“, sagt er.

Taucher suchen Gleichgesinnte

Er und Wolfgang Frank haben 130 weitere Punkte mit Schiffswracks auf dem Meeresgrund ausfindig gemacht, die aktuell nach Geisternetzen untersucht werden sollen. „Die Chance ist groß, dass wir dort etwas finden werden“, sagt er. Die beiden Hobby-Taucher sind deshalb auch noch auf der Suche nach Gleichgesinnten, die mit ihnen zusammen zum Meeresgrund abtauchen. Voraussetzung ist die geforderte Qualifikation für das Wrack-Tauchen. Interessierte können sich unter folgenden Nummern melden: 0172/3 13 94 65 und 0172/3 83 51 81.

Nach Schätzung der Vereinten Nationen machen Geisternetze mittlerweile mit 640 000 Tonnen etwa zehn Prozent des Abfalls in den Weltmeeren aus. In der Ostsee sind insbesondere die auch vor Rügen vorkommenden Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde bedroht.

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