Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Vorerst: Bäderbahn weiter auf Kurkarte
Vorpommern Rügen Vorerst: Bäderbahn weiter auf Kurkarte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:19 22.01.2019
Die Binzer Bäderbahn ist auch Zubringer zum Großbahnhof und Kleinbahnhof in Binz. Quelle: Robby Günther
Anzeige
Binz

Verwirrung um die Binzer Bäderbahn: Seit diesem Jahr soll für Gäste aus Sellin eine kostenfreie Fahrt mit der Bäderbahn auf ihre Kurkarte im Nachbarort nicht mehr möglich sein. Darüber hatte die Kurverwaltung Sellin ihre Vermieter kürzlich informiert – und den Verweis auf diese Leistung der Kurkarte von ihrer Internetseite genommen. Hintergrund sei, dass der Kommunale Eigenbetrieb Kurverwaltung (KEB) Binz den Vertrag über einen kurabgabefinanzierten Bäderbahnverkehr mit der Jagdschlossexpress- und Ausflugsfahrten GmbH gekündigt habe. „Uns wurde vom Unternehmen mitgeteilt, dass dann unsere Gäste auch nicht mehr mitfahren können“, erklärt Sellins Tourismusmanagerin Adriana Zawisza. Gäste hatten sich zuvor beschwert, dass sie nicht mitgenommen wurden.

„Über diese Information sind wir überrascht und verwirrt“, sagt Dietmar Zabel, Einsatzleiter bei der Jagdschloss-Express und Ausflugsfahrten GmbH, und dementiert. Nach wie vor können Binzer Gäste sowie auch die aus Sellin und Baabe auch in die Binzer Bäderbahn einsteigen und unentgeltlich mitfahren, wenn sie eine Kurkarte vorzeigen – aufgrund der gegenseitigen Anerkennung der Kurkarten in den Orten. „Die Fahrer haben keine andere Anweisung“, betont Zabel.

Anzeige

Zum Schloss und nach Prora kostenpflichtig

Aber sie hätten auch nicht die Aufgabe, den Gästen ständig genau zu erklären, was die jeweilige Kurkarte alles beinhaltet. Dazu gebe es einen Begleittext beim Aushändigen der Kurkarten. Offensichtlich haben Urlauber die Bahnen verwechselt, meint Zabel. Denn: In Binz fahren neben der kurtaxfinanzierten Orts-Bäderbahn, die vom Kleinbahnhof in Richtung Zentrum und zurück ihre Runden zieht noch weitere Wegebahnen des Unternehmens, für die die Fahrgäste zahlen müssen. Von der Seebrücke aus starten der Jagdschlossexpress und der Prora-Express. Die Fahrt zum Jagdschloss und die Prora-Rundfahrt (zum Naturerbe Zentrum Rügen und zum Koloss von Rügen) kosten für Erwachsene neun Euro und für Kinder (fünf bis elf Jahre) vier Euro. Für den Jagdschlossexpress vom Parkplatz Binz Ost zahlen Mitreisende fünf Euro (Erwachsene) beziehungsweise 2,50 Euro (Kinder). Wer die Binzer Bäderbahn ohne Kurkarte nutzt, bezahlt 2,85 Euro. Kinder in Begleitung ihrer Eltern (bis 17 Jahre) sind frei.

Neuer Vertrag für maximal fünf Jahre

Ursache der Missverständnisse ist zudem die bis letzte Woche noch unklare Situation, wie es mit der Bäderbahn in Binz weitergehen wird. Der Vertrag mit der Jagdschlossexpress- und Ausflugsfahrten GmbH war zum Ende des Jahres ausgelaufen. Auf ihrer Sitzung am vergangenen Dienstag hatten sich die Mitglieder des Betriebsausschusses Kurverwaltung nun darauf verständigt, dass der KEB eine „qualifizierte diskriminierungsfreie Angebotsabfrage zur elektro-mobilen Durchführung eines kurabgabefinanzierten Ortsrundfahrtverkehrs zwischen Binz und Prora mit Kleinwegebahnen“ auf den Weg bringen soll. Zuvor wurde der alte Gemeinderatsbeschluss vom 19. Juli 2017 zur diesbezüglichen Auschreibung und Vertragsvergabe aufgehoben.

Die Ausschreibungsmodalitäten für den neuen Beschluss sollen jetzt in den politischen Gremien diskutiert werden. „Mit der Ausschreibung werden Fahrzeiten, Route, Taktung und nachhaltige Beförderung weiter optimiert“, informiert Kurdirektor Kai Gardeja. Die neue Ausschreibung beziehungsweise Vertragsvergabe soll dann für drei Jahre, optional zwei Jahre (also insgesamt maximal fünf Jahre) beschlossen werden. Bis zur Vertragsvergabe an einen Anbieter im Ergebnis der Ausschreibung gelte der alte Vertrag mit der Bäderbahn. „Bis dahin fährt die Bahn fährt nach bestehendem und unverändertem Fahrplan und auf unveränderter Routenführung“, so Gardeja. Diese Interimslösung sei zum 31. März vorgesehen. Liege dann noch kein Ergebnis vor, werde sie um einen Monat verlängert. Der Ausschuss sprach sich für ein offenes Verfahren aus. „Wir brauchen eine rechtlich saubere Lösung. Notwendig ist eine Abgrenzung zwischen Linienverkehr und Gelegenheitsverkehr“, so Gardeja.

Streit: Bus oder Bahn?

Rückblick: Im letzten Jahr war in Binz ein Streit um die Frage „Bus oder Bahn?“ entbrannt, als die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) ankündigte, die Linien 27 (Ortsbus) und 28 (Jagdschloss) einzuführen. Viele Einheimische und Gäste sprachen sich dagegen aus, statt der Wegebahnen nun Dieselbusse fahren zu lassen – und diese sogar kurtaxfinanziert. Und Roger Pieniak, Inhaber der Jagdschlossexpress und Ausflugsfahrten GmbH, sah sich in seiner Existenz bedroht. Das Biosphärenreservat sprach in Hinblick auf die angestrebte E-Mobilität auf der Insel von einer „Rolle rückwärts“.

Ein Jahr zuvor hatte Kurdirektor Kai Gardeja die Erhöhung der Kurtaxe auf 2,85 Euro unter anderem noch damit begründet, dass die Kurkarteninhaber die kostenfreie Binzer Bäderbahn ab 2018 auch mit Anbindung von Prora, Naturerbe Zentrum und Jagdschloss nutzen können. Geplant war dies langfristig mit einem elektrifizierten touristischen Bäderbahnbedarfsverkehr. Bei der besagten Ausschreibung der Kurverwaltung erhielt Pieniak die Zusage für das wirtschaftlichste Angebot. Er ging daraufhin in Vorleistung in Millionenhöhe und schob die Anschaffung von zwei E-Bahnen an. Diese baut die Firma Sightseeing-Trains Rügen GmbH, ein Jagdschlossexpress-Tochterunternehmen. Die Rügener Kleinwegebahnen mit 400 Volt Elektroantrieb fahren auf Rügen und werden weltweit vertrieben.

Dann musste Binz die Zusage zurückziehen, weil ein Privatunternehmen die Tarife des öffentlichen Personenverkehrs nicht unterlaufen dürfe und eine europaweite Ausschreibung vorgenommen werden müsse. Seinerzeit wurde bereits angekündigt, dass die Ausschreibung wiederholt werde.

Die für den 1. Juni letzten Jahres angekündigte Jagdschloss-Buslinie kam dann doch nicht. Ende Mai nahm die VVR die Linie 28 wieder aus dem Fahrplan. Die Verkehrsbehörde des Landkreises hatte diese aus straßenverkehrsrechtlicher Sicht nicht befürwortet, weil die Verkehrssicherheit aufgrund der Enge der Trasse nicht gegeben sei.

Gerit Herold

Rügen Jahrhundertwinter 1978/79 - Schneefall trennte Mutter und Baby
22.01.2019
Rügen Neues Wählerbündnis - Mit Los ging's los in Gingst
21.01.2019