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Rügen Kasatschok, Kalinka und Väterchen Frost
Vorpommern Rügen Kasatschok, Kalinka und Väterchen Frost
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16:56 22.11.2019
Ivushka, die russische Weihnachtsrevue, gab gleich zwei Vorstellungen am Theater Putbus. Quelle: Uwe Driest
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Putbus

Einen märchenhaften, rasanten und akrobatischen Abend erlebten die Besucher der russischen Weihnachtsrevue „Ivushka“ am Donnerstag im Theater Putbus. Die 40 Musiker, Sänger, Tänzer und Akrobaten des Ensembles hielten ihr Publikum mehr als zwei Stunden lang in Atem. Und das, obwohl sie bereits den zweiten Auftritt am selben Tag absolvierten.

Überaus lebhaft mit sichtbarer Freude am Auftritt wechseln sich temperamentvolle Gruppentänze mit melancholischem Männergesang oder einer Sängerin ab, die in tiefem Alt von der „Babuschka“ singt. Thema ist neben Weihnachten und dem Winter auch immer wieder das Werben um die Gunst des anderen Geschlechts nach den Regeln tradierter Geschlechterrollen aus der „guten alten Zeit“. Alles jedoch stets mit viel Humor versehen. So stellt ein Musiker mit Quetschkommode im Entengang einer mit ihrem Rock verführerisch wedelnden Frau nach. Ein anderer junger Mann möchte der Angebeteten seine Fertigkeit beim Spiel mit der Ziehharmonika unter Beweis stellen und übersieht dabei, dass die Dame seines Begehrens bereits romantische Gefühle hegt und zum Kuss bereit scheint. Als er es bemerkt, ist es zu spät. Auch der Tanz mit den Stühlen sprüht vor Witz und Temperament.

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Beim Kasatschok brennen die Oberschenkel

Chor, Ballett und Orchester der Tambover Hochschule für Tanz und Musik studieren jedes Jahr abwechslungsreiche Choreographien und Lieder für ihre Deutschlandtourneen ein. Die kulturelle Reise durch das alte Russland findet auf einer Bühne statt, die sich in eine märchenhafte Winterlandschaft verwandelte. Das Bühnenbild ziert eine Troika aus drei kräftigen Schimmeln, die einen großen Schlitten in schneller Fahrt durch die dick verschneite russische Landschaft ziehen. Tänzerinnen und Tänzer schlüpfen in stets neue farbenfrohe Kostüme, die in den eigenen Werkstätten nach Originalvorlagen in Handarbeit hergestellt werden. So erhält jede Szene ihr eigenes Gesicht, beispielsweise, wenn Wolf und Ziege miteinander tanzen. Das Orchester aus Balalaika, Ziehharmonika, Flöten und Schlagwerk lässt die Epoche der Zarenzeit auferstehen.

Immer wieder bieten die Künstler akrobatische Sternstunden, die viel Kraft und Körperbeherrschung verlangen. Beispielsweise, wenn ein Tänzer beim Spagatsprung die Beine waagerecht vom Körper streckt oder ein anderer in schnellem Tempo rhythmisch über gleich zwei Seile springt. Nach einem wahren Kasatschok-Battle kommentiert ein Zuschauer zur Pause: „Da brennen einem die Oberschenkel vom Zusehen.“

Russische Weihnacht und rheinischer Karneval

Kathi Kiparr, die einen Pflegedienst in der Nähe von Grimmen führt, war mit Ehemann Norman und Tochter Jasmin (8) sowie Mitarbeiterin Kristine Pade in Putbus, der sie die Eintrittskarte zum Geburtstag schenkte. Sie betonen ihre Verbindung zu Russland. „Unsere Tochter tanzt zu Hause Kasatschok zu Kalinka“, sagt Kathi Kiparr und Kristine Pade züchtet Russische Schwarze Terrier.

Natascha Kaczmarek bekam zur Veranstaltung Besuch von ihrer Mutter aus Köln. Sie gingen mit Holger Mielke und Flammenmeer-Künstler Stephan Droese (li.) ins Theater. „Diese Lebensfreude erinnert mich an die Stimmung in unserem Karneval“, sagt die Rheinländerin. Tatsächlich hält die Volksfeststimmung russischer Weihnachten dem Vergleich stand. Die Feiern beginnen bereits mit dem Neujahrsfest am 31. Dezember. In der russisch-orthodoxen Tradition gilt noch heute der julianische Kalender, nach dem am 6. Januar Heiligabend ist. Dann wird in den Dörfern auf den Straßen getanzt und gesungen.

Michaela Ballschuh ist mit den menschlichen Mitgliedern der Besuchshundestaffel des Rügener DRK im Theater. „Wir gönnen uns das als gemeinsame Weihnachtsfeier nach einem anstrengenden Jahr“. Als dann noch der Meisterchor das deutsche Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ sang, brummte mancher im Publikum mit.

Ivushka

Das Ensemble Ivushka (deutsch: Weidenbäumchen) aus Tambow ist Botschafter der Sitten und Bräuche des alten Russlands. Das staatlich akademische Ensemble für Tanz und Gesang wurde 1968 in der Region Tambov gegründet. 2014 und 2015 nahm Ivushka als einziges Ensemble Russlands als kultureller Botschafter an dem UNESCO Festival „Tanz und Musik der Welt“ in Europa teil.

Impressionen von der russischen Weihnachtsrevue

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Von Uwe Driest

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