Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Wenn Lehrer auf der Insel fehlen
Vorpommern Rügen Wenn Lehrer auf der Insel fehlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:22 28.11.2019
Christian Ruback (39) ist einer von drei Seitensteigern an der Gingster Schule, die im naturwissenschaftlichen Bereich tätig sind. Quelle: privat
Anzeige
Gingst

Schlagwörter wie „Lehrermangel“ und „Seiteneinsteiger“ bestimmen auch auf Rügen den Schulalltag. Denn die Probleme mit passendem Nachwuchs und geeigneten Fachkräften machen vor dem Rügendamm nicht Halt. An der Gingster Schule beispielsweise arbeiten drei Lehrer, die den Seiteneinstieg in den Fächern Mathematik, Physik, Werken und Informatik wagten. „Keine einfache Entscheidung“, meint Christian Ruback (39), „ich hatte zwar schon Erfahrungen in der Ausbildung von Erwachsenen, aber Schule tickt noch einmal ganz anders.“ 

In Eggesin betreute er beispielsweise zwei Jahre lang junge Rekruten in der allgemeinen Grundausbildung, bevor er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Stralsund Studenten unterstützte. Da sei vieles mit schulischer Ausbildung vergleichbar. „Der größte Unterschied aber liegt darin, dass wir Schüler über mehrere Jahre begleiten. Das erzeugt für mich ein stärkeres Wir-Gefühl“, erzählt Christian Ruback. Ihm mache es großen Spaß, den jungen Leuten Wissen zu vermitteln und ihnen bei der Vorbereitung auf das Leben das nötige Rüstzeug zu geben. Das schreibe man an einer Regionalen Schule sehr groß, weshalb er sich für den Einstieg in diesen Schultyp entschied.

Die Lücke schließen

Der Bedarf an Lehrern vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich ist hier sehr groß und kann schon lange nicht mehr nur von ausgebildeten Kräften abgedeckt werden. Eine der Lösungen des Landes ist es daher, diese Lücke mit geeigneten Fachleuten zu schließen. Kein leichtes Vorhaben, denn Vorurteile und Stolpersteine für die Riege der Seiteneinsteiger gebe es zur Genüge, meint Anke Krüger vom Institut für Qualitätsentwicklung MV (IQMV). Sie qualifiziert in diesem Schuljahr allein 86 Seiteneinsteiger im Schulamtsbereich Greifswald und bereitet sie in schulbegleitenden, modularen Seminaren auf den Arbeitsalltag vor.

Das Bild ihrer Schützlinge müsse endlich geradegerückt werden, meint die Pädagogin. „Diese Kollegen haben in der Regel in ihrem bisherigen Berufsleben viel geleistet und erreicht. Sie bringen das Leben in gewisser Weise in die Schule und können auch für frischen Wind sorgen, wenn man es denn möchte.“ Mit Wertschätzung und Unterstützung helfe man den Anfängern sehr, denn sie suchen nach Orientierung und Sicherheit. „Diese wollen wir ihnen in der Qualifizierung geben, denn ihr Tun ist für sie, aber auch für die Schulen eine Herausforderung, die es in dieser Zeit anzunehmen gilt.“

Auf Erfahrungen aufgebaut

Nach einem dreiwöchigen Kompaktkurs am Anfang eines Schuljahres beginnt im Herbst eine grundlegende pädagogische Qualifizierung. Dabei werde auf die Erfahrungen der Seiteneinsteiger aufgebaut, denn sie bringen selbst Wissen und Talente mit. „Was sie in der Form noch nicht haben“, so Anke Krüger, „möchte ich ihnen beibringen. Da denke ich an Kenntnisse über die schulinternen Abläufe, im pädagogischen Bereich sowie in fachdidaktischen Fragen.“ In den Modulen bekommen die Teilnehmer kein neu entworfenes Bild vom Lehrerberuf, denn jeder war schon einmal Schüler. Doch es eröffnen sich jetzt Dimensionen, die man vorher nicht so genau gesehen hat: Schule sei nicht Unterricht allein. Es werden Schüler erzogen und beurteilt, man arbeitet gemeinsam an Themen wie Inklusion und Medienbildung, Eltern werden beraten und in die Ausbildung ihrer Kinder einbezogen.

Christian Ruback ist sich mit seinen Kollegen in der Qualifizierung einig: „Wer gerne mit jungen Leuten zusammenarbeitet und bereit ist, dafür selbst ein paar Jahre die ,Schulbank‘ zu drücken, dem kann ich den Seiteneinstieg als Lehrer nur empfehlen.“ Sein Erfolg bei den Gingster Schülern gibt ihm Recht, wie Schülersprecherin Jennifer Thurow aus der 8b bestätigt: „Herr Ruback ist ein ganz cooler Lehrer. Mathe mit ihm scheint viel einfacher als sonst zu sein. Er ist immer gut drauf und interessiert sich auch für unsere Probleme in den Stunden und überhaupt.“ Das fänden ihre Mitschüler besonders gut, denn das gehöre für sie zum Schulleben einfach dazu. Wer einen solchen guten Draht zur Schülerschaft und zu den Kollegen aufgebaut habe, sei auf einem guten Weg, erklärt Anke Krüger.

Lesen Sie auch hier

Von André Farin

Junge Naturforscher aus Sassnitz erfuhren mehr über Lebensweise, Körperbau und Lebensraum der Igelfamilien.

28.11.2019

In Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Grahl vom Landesfußballverband und dem TSV 1862 Sagard organisierten die Grundschullehrerinnen ihren ersten Sepp-Herberger-Tag.

28.11.2019

Nach fast 30 Jahren schließt Maja Walther ihr Geschäft „Pferd & Reiter“ in Samtens. Es sei jetzt Zeit für einen Neuanfang. Worin der besteht, steht noch nicht fest.

28.11.2019