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Rügen „Wie die Axt im Walde“
Vorpommern Rügen „Wie die Axt im Walde“
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08:08 10.07.2018
Hans Dieter Knapp kritisiert Baumfällungen wie hier auf dem Raddas, in Schmacht oder an der B96. Quelle: Uwe Driest
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Garz

Die Begründungen für Fällungen von Bäumen auf der Insel Rügen sind für Hans Dieter Knapp in vielen Fällen eine „scheinheilige Instrumentalisierung des Begriffs ’Nachhaltigkeit’“. So äußerte sich der Vorsitzende des Verbands Insula Rugia am Freitag anlässlich der Präsentation des aktuellen „Rugia- Rügen-Jahrbuchs“ im Ernst-Moritz-Arndt-Museum von Garz. Der vorgelegte Band widmet sich in gleich drei Beiträgen den Buchenwäldern Europas, der Forstgeschichte Rügens sowie der Praxis von Baumfällungen auf der Insel.

In seinem Beitrag „Wie die Axt im Walde“ führt Knapp Beispiele für seine Kritik an. „Im Raddas habe ich als Schüler Waldläufe absolviert“, so Knapp. Nun böte der einstige Erholungswald einen kläglichen Anblick. In Schmacht habe ein privater Waldbesitzer „das Relief eines kleinen Gebirges durch Kahlschläge verwüstet“ und andere Bäume seien Baumaßnahmen zum Opfer gefallen, um Verkehrssicherung und Baufreiheit zu schaffen.

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Bei Dreschvitz habe gar ein „Zauberwald aus Eschen und Buchen“einem forstwirtschaftlichen Projekt weichen müssen. Stattdessen wären dort Pappeln, Saalweiden und Robinien gepflanzt und als „historischer Niederwald“ mit öffentlichen Geldern gefördert worden. Knapp: „Dabei handelt es sich um nichts anderes, als eine Kurzumtriebsplantage.“ Auch die Granitz sei einst ein altes, geschlossenes Waldgebiet gewesen, das später zum Naturschutzgebiet erklärt wurde mit dem Ziel, einen Naturwald entstehen zu lassen. Dennoch erlaube der Gesetzgeber, dort Holzwirtschaft zu betreiben und verbräme dies als Pflegemaßnahme zur Verjüngung und Aufforstung. „Wer vom Weg abweicht und vielleicht noch ein Sträußchen Blumen pflückt, begeht in Deutschland eine Ordnungswidrigkeit, aber ein Kahlschlag im Naturschutzgebiet ist legal“, so Knapp. „Wie soll das ein normaler Bürger begreifen? Der Umgang mit Wald auf unserer Insel ist einfach schauderhaft. Wir brauchen eine Reformation des Forstwesens und der Anstoß dafür müsste aus der Zivilgesellschaft kommen“, so Knapp.

Auf Rügen fehlt ein Museum für die Insel

Neben Knapp stellten drei weitere Autoren ihre Beiträge aus der nun vorgelegten Ausgabe vor. Gabriele Poggendorf befasst sich darin mit der Geschichte des Rauwolligen Pommerschen Landschafs, „das es nicht mehr gäbe, wenn die Pommern nicht so dickköpfig wären“. Der Berliner Prähistoriker Achim Leube gedachte seines im vergangenen Jahr verstobenen Rügener Kollegen Peter Herfert. Die Rügener Bodendenkmalpfleger hatten sich bereits Mitte der Neunziger Jahre für ein zentrales Rügen-Museum ausgesprochen, war dabei zu erfahren. Die Bedeutung Rügener Funde – namentlich die jungsteinzeitliche Lietzow-Kultur – würden nicht angemessen gewürdigt. Ein „gigantisches Meliorationsprojekt, das nie verwirklicht wurde“, stellte Bodo Noack vor. Der ehemalige Leiter des Rügener Umweltamtes war in seinem Archiv auf Pläne aus den 60-er Jahren gestoßen, den Bereich zwischen Ummanz und Rügen zu entwässern, um landwirtschaftliche Flächen zu er. Der Stettiner Germanist Bartosz Wiojcik rückt dem „Mythos Störtebeker“ zu Leibe und weitere Themen des Heftes sind das Theater Putbus, der Bergener Chirurg Theodor Billroth, Grablege der Putbusser Fürstenfamilie in Vilmnitz sowie Persönlichkeiten, die auf Rügen lebten oder die Insel besuchten.

Driest Uwe