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Rügen Wildtiere vor dem Mähdrescher retten: Jagdverband setzt auf Hilfe aus der Luft
Vorpommern Rügen Wildtiere vor dem Mähdrescher retten: Jagdverband setzt auf Hilfe aus der Luft
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14:36 31.05.2019
Auf der Halbinsel Wittow werden Rehkitze mit Drohnen aufgespürt. Berufsdrohnenflieger Sven Lamprecht (r.) war mit Pächter Martin Mitschker und Jungjäger Paul Kammlot (l.) unterwegs. Quelle: Mathias Otto
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Woorke/Altenkirchen

Evelyn Thesenvitz ist verzweifelt. Sie hat in einem Feld vor ihrem Wohnort Woorke ein Rehkitz entdeckt, das einem Mähdrescher zum Opfer gefallen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas vor ihrer Haustür passiert, sagt sie. Währenddessen sind Jäger mit einem Berufsdrohnenpiloten auf Rügen unterwegs, um Rehkitze vor der Mahd ausfindig zu machen und sie zu retten.

Strafanzeige gestellt

„Schon im Frühjahr 2017 haben wir Rehkitze auf einer Wiese entdeckt und danach den zuständigen Landwirt informiert. Leider erfolglos“, sagt Evelyn Thesenvitz. Die beiden Jahre darauf die gleiche Situation. Sie hat über das Veterinäramt des Landkreises nun eine Strafanzeige gestellt. „Obwohl ich und auch andere Einwohner Hilfe angeboten haben, nach den Kitzen zu suchen und die Stellen vor der Mahd zu markieren, ist nichts geschehen. Dabei sind Landwirte verpflichtet sicherzustellen, dass keine Wildtiere zu Schaden kommen“, sagt sie. Wie ein aktuelles Urteil aus dem Saarland zeigt, müssen Landwirte mit Strafen rechnen, wenn sie nichts unternehmen, um Wildtiere auf ihren Feldern zu retten. Dieser Landwirt hatte mehrere Luzerneschläge mit einem Mähwerk abgemäht. Dabei kamen zwölf Rehkitze, eine Ricke und zwei Böcke in die Mähwerke. Der Richter verurteilte den Landwirt zu einer Geldstrafe von 7200 Euro.

Evelyn Thesenvitz hat erfahren, dass der Landwirt die Wiese in Woorke mittlerweile mit einem anderen Landwirt getauscht hat. Dieser will jetzt die Hilfe der Anwohner in Anspruch nehmen und sie informieren, wenn er das Feld mäht. „Das ist auch lange mein Ziel gewesen. Ich möchte, dass das Gemetzel vor meiner Haustür aufhört“, sagt sie.

Drohne und Infrarotkamera

Rehkitze aufspüren, bevor die Landwirte mit ihren Mähdreschern über die Felder – das ist das Ziel, dass sich der Jagdverband Rügen auf die Fahne geschrieben hat. Die Jäger haben Ende März auf die verheerenden Wildtierverluste aufmerksam gemacht und zur Spende aufgerufen. Das Geld war schnell auf dem Spendenkonto eingegangen. Davon hat sich der Jagdverband eine Infrarotkamera angeschafft. Und mit dem Bergener Sven Lamprecht wurde ein Partner gefunden, der sich als Fachmann mit Drohnen und Wärmebildkameras auskennt.

Da es ein Pilotprojekt ist, wird Sven Lamprecht im ersten Jahr zu jedem Einsatz gerufen und die Drohnen selbst steuern. Immer muss ein Jagdausübungsberechtigter dabei sein. Vor wenigen Tagen meldete sich der Pächter Martin Mitschker, der für drei knapp 15 Hektar große Flächen auf der Halbinsel Wittow die Hilfe von Sven Lamprecht in Anspruch nahm. Mitten in der Nacht trafen sie sich im Gebiet um Altenkirchen. Alles, was der Fachmann benötigte, war seine Drohne, ein Monitor und das Handy zum Steuern. „Wir fliegen gezielt Stellen auf den Flächen ab, wo wir vermuten, dass dort Rehkitze liegen können“, sagt er. Mit seiner Technik wird es ermöglicht, dass ein Tier, das knapp zehn Zentimeter groß ist, noch aus 75 Metern Höhe erfasst werden kann.

Rote Punkte auf Monitor ausgemacht

Sven Lamprecht macht die Arbeit ehrenamtlich. Nur für das Aufrüsten seiner Drohne wollte er finanzielle Unterstützung der Jäger. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, den Jägern und Landwirten zu helfen“, so der Drohnen-Pilot.

„Die Kitze werden an einer Stelle abgelegt. Dort bleiben sie dann den ganzen Tag liegen und bewegen sich nur, um bei der Mutter zu säugen. Von daher können wir sie relativ schnell über die Wärmebildkamera ausfindig machen“, sagt Martin Mitschker.

Frank Demke, der 2012 den Verein Wildtierhilfe MV gegründet hat, freut sich über Projekte wie die vom Jagdverband Rügen. „Wir sind selbst aktuell fast jede Nacht in MV unterwegs. Wir haben allein in drei Nächten 48 Kitz gerettet und überfliegen mit der Wärmebildkamera pro Nacht Flächen von 80 bis 100 Hektar“, sagt er. Da auch er nur eine begrenzte Anzahl an Unterstützern hat, ist es für ihn wichtig, dass Jäger und Landwirte künftig solche Einsätze mehr und mehr selbst in die Hand nehmen. „Das ist das Ziel, das ich verfolge. Denn MV ist ein Flächenland. Wenn benachbarte Jäger und Landwirte sich zusammentun und sich diese Drohnen für die Mahd anschaffen, hätten wir weniger tote Kitze auf den Feldern liegen“, sagt er.

www.wildtierhilfe-mv.de

Die Drohne einige Meter über dem Feld, Martin Mitschker darunter. Unterstützung hatte er an diesem Morgen von Jungjäger Paul Kammlot, der auf dem Monitor auf auffällige rote Punkte auf dem Monitor achtete. „Zehn Meter geradeaus, dann ein paar Schritte nach rechts“, teilte er seine Beobachtung durchs Funkgerät mit. Plötzlich bewegte sich der rote Punkt und verschwand kurze Zeit später vom Feld. „Ich habe einen Hasen aufgescheucht“, antwortete Martin Mitschker. Auf dem größten der drei Felder eilte Paul Kammlot mit seiner Simson zu einer Stelle, die Sven Lamprecht am Monitor als Tier ausgemacht hatte. Auch hier war es kein Kitz. Die andere Fläche blieb ebenfalls an diesem Morgen ohne Fund. „Wir sind vielleicht eine Woche zu früh dran und die Ricken setzen erst in den nächsten Tagen“, so Martin Mitschker. „Jedenfalls kann an diesem Morgen der Landwirt die Fläche mähen, ohne Gefahr zu laufen, dass ein Kitz durch die Arbeiten zu Schaden kommt“, sagt er.

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Mathias Otto

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