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Rügen Abgedeckte Dächer und umgestürzte Bäume: Windhose wütet in Sellin
Vorpommern Rügen Abgedeckte Dächer und umgestürzte Bäume: Windhose wütet in Sellin
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16:56 20.10.2019
Auch das Gebäude vor dem Selliner Wasserwerk wurde beschädigt. Quelle: Feuerwehr Sellin
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Sellin

Der Sturm dauerte nur zehn Minuten, aber die Schäden waren enorm: Eine Windhose fegte am Freitagabend kurz nach 19.30 Uhr durch Sellin, beschädigte mehrere Gebäude und riss Bäume um. Betroffen war vor allem der Bereich B 196 am Ortseingang. In der Seestraße wütete der Sturm auch auf dem Grundstück von Familie Schönewerk.

„Wir waren alle zu Hause. Plötzlich wurde es draußen fürchterlich laut und starker Sturm kam auf. Er drückte so stark gegen das Haus, dass wir dachten, er drückt die Wände ein. Das ganze Haus vibrierte. Dann krachte und rumpelte es draußen fürchterlich“, erzählt Jan Schönewerk, der 24-jährige Sohn. „Es war auf einmal da und auf einmal wieder weg.“

Ein Bild der Verwüstung

Als die Selliner dann draußen nachsahen, zeigte sich das ganze Ausmaß der Verwüstung. „Das Dach war kaputt, der Fahrradschuppen lag auf der anderen Straßenseite und die Fahrräder flogen durch die Luft auf die Straße. Unter anderem zerstörten die Dachziegel das Auto vor dem Haus. Und noch viel mehr ist kaputt gegangen. Bäume lagen auf der Straße. Es war ein Bild der Zerstörung und Verwüstung“, so Schönewerk, der seit 14 Jahren bei der Selliner Feuerwehr ist. Für ihn und seine Kameraden begann nun ein stundenlanger Einsatz, der noch durch Regen erschwert wurde.

Bilder kurz nach dem Sturm und am Tag danach

Die Feuerwehr Sellin war gegen 19.50 Uhr wegen Sturmschäden alarmiert worden, die Wehr aus Lancken-Granitz gegen 20 Uhr. „Wir vermuten, dass die Windhose vom Neuensiener See kam und quer über das Wasserwerk Sellin auf die B 196 zog“, erklärte Arne Fründt, Amtswehrführer und amtierender Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Mönchgut-Granitz.

Dachteile flogen 70 Meter weit

An der Wasseraufbereitungsanlage des Zweckverbandes Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar) sei das Dach eines Nebengebäudes komplett zerstört worden. „Die Platten flogen 60 bis 70 Meter weit und haben dabei das Haus vor dem Wasserwerk stark beschädigt an der Fassade, am Dach und an den elektrischen Leistungen. Zudem sind drei Kollektoren, die auf dem Dach des Zwar waren, aus der Verankerung gerissen und zerlegt worden“, so Fründt.

Weiterhin sind im Ort mehrere Bäume umgekippt und viele Starkäste abgebrochen. Am Kleinbahnhof Sellin West ist von einer Buche die Krone abgerissen worden. In Altensien mussten in Richtung Seedorf beschädigte Äste entfernt werden. An der Schule in der Granitzer Straße war ein Baum gespalten. Die B 196 am Ortseingang war während der Aufräumarbeiten zeitweise gesperrt. Insgesamt 40 Kräfte waren bis Mitternacht im Einsatz. Die Schadenshöhe wird auf rund 250 000 Euro geschätzt.

Schäden an der Seebrücke

An der Seebrücke kam es ebenfalls zu Beschädigungen. „Dort wurden die Sonnenschutzblenden am Brückengebäude abgerissen. Stühle und Tische flogen auf der Terrasse umher“, informierte Bürgermeister Reinhard Liedtke. Auf dem Wahrzeichen des Ostseebades fand zu dieser Zeit gerade der Begrüßungsabend mit den Radsportfreunden der 25. Tour d’ Allee statt.

Auch am Sonnabend waren die Selliner Feuerwehrleute noch stundenlang im Einsatz, um die Sturmschäden zu beseitigen. „Wir haben am Sonnabend ab 9 Uhr Hochstrecksprünge wegen der Tour d’ Allee gemacht. Bevor das Radrennen nach Sellin kam, haben wir an der B 196 noch schnell einen beschädigten Baum herausgenommen und es geschafft, dass die Straße rechtzeitig wieder frei war“, so Fründt. Um die Straße vom Wasserwerk bis Höhe Autohaus für die Radler von Ästen, Zweigen und Laub zu säubern, sei auch das Bokimobil des Amtes unterwegs gewesen.

Gastronom sorgte für tolles Mittag

„Ein großes Dankeschön an die Gaststätte ’Zur Alten Post’, die am Sonnabend ein tolles Mittag für uns gekocht hat“, so Arne Fründt, der zusammen mit dem Selliner Wehrführer Karsten Steinwedel die Einsätze leitete. Am Freitag hatte zudem der Bürgermeister eine Verpflegung durch das Seebrücken-Restaurant organisiert.

Arne Fründt rechnet noch mit weiteren Folgeeinsätzen. „Es sind in Privatwäldern ganz viele Bäume umgekippt.“ Am Sonnabend habe die Drohne des Amtes das ganze Schadensgebiet überflogen. Danach wurden die Schäden aufgenommen und noch zusätzliche festgestellt.

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