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Rügen Winkende Polizisten und tanzende Rüganer
Vorpommern Rügen Winkende Polizisten und tanzende Rüganer
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00:00 28.10.2017
Die Sassnitzer bekommen viel Traditionelles geboten: Hier machen sie beim Fächertanz mit.
Die Sassnitzer bekommen viel Traditionelles geboten: Hier machen sie beim Fächertanz mit. Quelle: Foto: Sebastian Kleindienst
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Huaian

Sechs Polizisten umringen den Bus mit den 13 Sassnitzern, die von Shanghai auf dem Weg in die Partnerstadt Humana sind. Die Tür zischt auf. Bikai (31, Begleiter und Übersetzer) sagt etwas in der hart klingenden Landessprache – das scheint die Gemüter zu beruhigen. Die Uniformierten verabschieden sich mit gerunzelten Stirnen – und winken im Stil der Politprominenz auf den Tribünen während der Maidemonstrationen zu DDR-Zeiten.

Eine Jugendgruppe aus Sassnitz reist in die Partnerstadt Huaian (Teil 2)

Das Tor zur Fünf-Millionen-Metropole ist geöffnet. Eine anfängliche Skepsis bei den Jugendlichen aus Sassnitz, die zu der Delegation gehören (die OZ berichtete), schlägt schnell in Begeisterung um.

„Ich wusste ja nicht, was mich hier erwartet, es ist aber echt richtig spannend und die Leute sind alle voll nett“, sagt Maximilian Hoth (17). Gastfreundlichkeit, ein abendliches Begrüßungsbankett mit dem Direktor des Ausländerbüros, Sun Xing, ein eingebautes Geburtstagsständchen für Daniela Eggert, die ihren 18. feiert nebst aufwändig dekorierter Geburtstagstorte und eine nächtliche Bootstour auf dem Li Canal der Stadt lassen die Rügener Gruppe schließlich müde in die luxuriösen Hotelbetten fallen. „Ich bin froh, dass die Bäder so schön sind, das hat mich überrascht“, grinst Lena Dröse (17).

Am ersten Tag des Austausches in der Sassnitzer Partnerstadt geschieht alles exakt nach Programm: In einer von sieben Handelsschulen der Stadt wird rege diskutiert, sich kennengelernt, E-Mails werden ausgetauscht, es wird Badminton gespielt, zusammen gegessen und gelernt. In einer offiziellen Konferenz mit Schulleiterin Liu Haihong knipst Tim Plamper sein Tischmikrofon an und begrüßt die circa 30 Anwesenden mit einem kräftigen „Níhao“. Der Applaus für das chinesische „Guten Tag“ folgt prompt. „Ich bin stolz auf euch“, wird Sebastian Kleindienst, Leiter der Jugendgruppe, abends auf der Rückfahrt im Bus sagen.

Etwas befremdlich wirkt es noch, als die rund 4000 Auszubildenden der Handelsschule in Schuluniform, wie jeden Tag, für 30 Minuten in kleinen Gruppen im Gleichschritt über das morgendlich kühle Gelände laufen, „angetrieben“ von jeweils einem Lehrer. Vorne weg ein Schüler mit der Klassenfahne – dabei laut rufend: „Wir sind stolz auf unser Land, wir werden stärker.“ Abgelöst wird dieser Eindruck am Nachmittag bei der Aufführung der Schulbands, Tänzer und Kleinkünstler einiger Klassen. Musik verbindet. Neben der Europahymne im Chor schmettert Daniela Eggert ein echtes Solo und lässt den Saal kurz innehalten. Das Eis ist endgültig gebrochen. Auf dem Weg zum Abendbüfett werden die Köpfe zusammengesteckt, gelacht, wird geredet und dann – wandert die ein oder andere Hand einer hübschen chinesischen Schülerin schüchtern in die eines Delegationsteilnehmers aus Deutschland. „Was ist denn hier los“, schüttelt David Schwarze (25) den Kopf, „Die Mädels umschwirren einige Jungs von uns wie die Motten das Licht.“ Die auf dem Campus und in allen Räumen verteilten Videokameras, die allgegenwärtigen Mikrofone und Lautsprecher scheinen nicht zu stören. Der kürzeste Weg in die Herzen anderer Menschen ist die Freundschaft.

Die heimischen Schüler lernen in der Handelsschule 18 unterschiedliche Fachrichtungen. Sie werden unter anderem spezialisiert im Gastronomie- und im Technologiebereich oder im Bürowesen. Die Unterrichtstage starten um 8 Uhr und ziehen sich neben Pausen oft bis 18 Uhr hin. Das Alter der Auszubildenden liegt zwischen 17 und 21 Jahren.

Die deutsche Jugenddelegation bekommt Einblicke in das Rechnen mit dem chinesischen Rechenschieber. Die Holzperlen des Abakus, ein einfaches mechanisches Rechenmittel, klackern durch das Klassenzimmer. Die Lehrerin startet die Stoppuhr. Eine junge Chinesin bestätigt einem deutschen Zuschauer, es wäre langweilig. Eine andere Rechenbrettnutzerin ergänzt, die Tage wären zu lang. Ganz normale Jugendliche.

Neben dem Erlernen des Fächertanzes kocht die Sassnitzer Jugendgruppe landestypische Klößchen, singt Lieder auf chinesisch, erlernt die echte traditionelle Teezeremonie und liefert sich ein spannendes Ping-Pong-Turnier.

Nach jeder gastlichen Bewirtung am Abend treffen die um einige Erfahrungen reicheren Schüler aus Deutschland auf in Badelatschen und mit nassen Haaren laufende junge Chinesen. „Schlafen die hier“, fragt Stephan Braun (17) erstaunt. Tatsächlich – die Schüler auf dem Gelände teilen sich Zweibettzimmer und Gemeinschaftswaschräume. Am Wochenende startet das Fest zum 120. Geburtstag von Zhou Enlai, erster Außenminister von China. Internationale Gäste werden erwartet.

Partnerschaften

Seit zehn Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Sassnitz und Huaian. Im Wechsel gibt es einen Besuchsaustausch. Dieses Jahr ist eine Jugendgruppe nach China gereist. Die Jugendlichen gehören der freiwilligen Feuerwehr, Empor Sassnitz und dem Jugendbeirat an.

Zum Zhou-Enlai-Fest an diesem Wochenende kommen Delegationen aus weiteren Partnerstädten – unter anderem aus Belorussland, Ungarn, Israel und Japan. Huaian hat insgesamt 16 Partnerstädte. Die älteste stammt aus Frankreich. Die Partnerschaft wurde 1988 geschlossen.

Christine Zillmer

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