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Rügen „Wir müssen wieder enger zusammenrücken im Ort“
Vorpommern Rügen „Wir müssen wieder enger zusammenrücken im Ort“
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00:20 05.09.2014
Wolfgang Pester lebt seit 1973 in Göhren und war zwischenzeitlich auch Gemeindevertreter. Quelle: privat
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Göhren — Im Ostseebad Göhren ist auch nach der Kommunalwahl die Situation angespannt. Im Interview erklärt der neu gewählte Bürgermeister Wolfgang Pester (59, parteilos), wie es um den Ort finanziell steht und was er sich für die Zukunft wünscht.

OSTSEE-ZEITUNG: Auf der letzten Gemeinderatssitzung hieß es, dass die Kommune derzeit über keine liquiden Mittel mehr verfügt. Ist Göhren pleite?

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Wolfgang Pester: Nein, Göhren kann gar nicht pleite sein. Unsere finanziellen Mittel sind gebunden an Immobilien und Grundstücke. Aber wir haben es in den letzten Jahren nicht erreicht, liquide Mittel aufzubauen, die wir zum Beispiel für gewünschte Grundstückskäufe oder ähnliche Dinge nutzen können. Der Gemeinde Göhren geht es aber nicht anders als anderen Gemeinden im Amtsbereich und im Landkreis.

OZ: Deshalb gab es jetzt auch den Gemeinderatsbeschluss, aus der Kapitalrücklage der Kurverwaltung 246 000 Euro zu entnehmen. Wieso das?

Pester: Das ist laut Kommunalverfassung ein legitimer Vorgang, schließlich ist die Kurverwaltung ein kommunaler Eigenbetrieb der Gemeinde. Um den geplanten Fuß- und Radweg parallel zur Bahnhofstraße von der Talstation des neuen Schrägaufzugs bis zum Parkplatz ehemals Mech realisieren zu können, brauchen wir 220 000 Euro. Wir hatten für diese Baumaßnahme eine Förderung erhofft, aber die wurde uns verwehrt. Das Land begründete dies damit, weil der Weg eine hoheitliche Aufgabe der Gemeinde sei und deshalb dieses Vorhaben nicht touristisch gefördert werden könnte. Wir haben dort seit 60 Jahren keinen Weg, der aber dringend gebraucht wird. Ihn jetzt einfach liegen zu lassen, wäre töricht.

Weitere 27 000 Euro brauchen wir für den im Bau befindlichen Radweg nach Baabe. Vor der Ostseegaststätte ist ein Wendehammer für die Liefer- und Rettungsfahrtzeuge notwendig, der vorher nicht auf dem Plan war.

OZ: Apropos Schrägaufzug: Wann hat der seine erste Fahrt?

Pester: Er soll Mitte September in den Dienst gestellt werden. Am 19. August war die TÜV-Abnahme. Die Fußböden in der Berg- und Talstation müssen noch eingebaut werden. Auch die Zaunanlage links und rechts des Liftes muss noch fertiggestellt werden.

OZ: Dem Hanglift soll das Parkhaus mit 250 Stellflächen folgen. Das Thema erregt die Gemüter im Ort, weil die Gemeinde Ende letzten Jahres mit dem Investor einen Pachtvertrag für die Parkplätze ehemals Mech und oberhalb des Bahnhofes am Nordstrand mit einer Mindestlaufzeit von 40 Jahren und einer Option für vier Mal zehn weitere Jahre abgeschlossen hat. Der regelt auch, dass die Gemeinde selbst keine eigenen Parkflächen am Nordhang betreiben darf. Die Kritik: Dadurch würden Göhren jährlich Einnahmen im fünfstellige Bereich verloren gehen. . .

Pester: Ich kann dazu nur sagen: Der Vertrag ist über die Rechtsaufsicht geprüft worden. Eine weitere rechtsanwaltliche Prüfung kann nur mit der Mehrheit der Gemeindevertreter erzielt werden.

OZ: Der Gemeinderat hat jetzt auch beschlossen, dass ein Haushaltssicherungskonzept erstellt wird für die Jahre 2015 bis 2018. Wie soll der Haushalt konsolidiert werden?

Pester: Das soll jetzt genau analysiert werden. An unsere Pflichtaufgaben als Gemeinde können wir dabei nicht ran. Aber wir müssen sehen, wo wir unsere Einnahmen vergrößern können im Bereich der Kurverwaltung. Die Einführung einer Tageskurkarte beispielsweise ist ein Gedanke. Die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit und Organisation der Kurverwaltung wurde jetzt an externe Prüfer in Auftrag gegeben. Es muss über die Zusammenlegung von Aufgabenbereichen der Kurverwaltung nachgedacht werden. Ebenso über Synergien im Amtsausschuss, zum Beispiel bei der Feuerwehrtechnik. Ein weiteres Thema ist unsere Nordperdhalle. Hier müssen wir dringend das Minus abbauen, die Halle besser vermarkten.

OZ: Ein großer finanzieller Brocken sind die Mönchguter Museen, von denen nach der Kündigung des Bewirtschaftungsvertrages durch den Förderverein drei von vier Einrichtungen geschlossen sind.

Seit dem 1. Juni ist die Kurverwaltung Betreiber. Wie geht es weiter?

Pester: Ein Konzept ist in Arbeit, das Museumsleiterin Ellen Melzer am 17. November vorstellen wird. Wir sind derzeit mit vielen Leuten im Gespräch, so mit dem Verein Pomerania. Ich habe auch schon mit den Bürgermeistern von Sellin und Baabe Gespräche geführt, ob man die Museen im Amt ansiedeln kann. Dazu ist eine Rücksprache mit dem Amtsausschuss erforderlich. Wir müssen eine dauerhafte Lösung finden.

OZ: Im nächsten Jahr begeht der Ort ein Jubiläum: 850 Jahre Göhren. Ein Grund zum feiern?

Pester: Ich glaube schon, trotz aller finanzieller Probleme. Das Jubiläum muss auf breiten Füßen stehen und von der Gemeinschaft getragen werden. Wir müssen wieder enger zusammenrücken im Ort und Göhren zusammen weiter gestalten. Das sollte unser aller Ziel sein. Es nützt niemandem, wenn alles gegeneinander arbeitet.

Göhren kann gar nicht pleite sein. Unsere finanziellen Mittel sind gebunden an Immobilien und Grundstücke.“



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