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Rügen Mobilitätsdebatte: Autoverbot in den Ostseebädern?
Vorpommern Rügen Mobilitätsdebatte: Autoverbot in den Ostseebädern?
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18:28 10.05.2019
Stellten sich der Debatte (v.l.): Dr. Wilfried Kramer (Verkehrsclub), Dr. Stefan Kerth (Landrat), Christian Pegel (Verkehrsminister MV), Roland Werner (Uber) und Stephan Pfeiffer (Ioki). Quelle: Jens-Uwe Berndt
Sassnitz

Die Insel Rügen wird für Anbieter und Vermittler alternativer Beförderungsformen zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) immer attraktiver. Das zeigte sich gestern Nachmittag auf dem „The Annual Summit“ („Der jährliche Gipfel“) im Mukraner Fährhafen beim Thema „Mobilität in der Fläche“. Dabei stellten nämlich Vertreter des US-Unternehmens Uber und der Deutsche-Bahn-Tochter Ioki nicht nur ihre Firmenstrategien vor, sondern schilderten auch, wie sie sich Rügen als Wirkungsfeld ihrer Angebote vorstellen könnten.

Der Leiter der Uber-Öffentlichkeitsarbeit, Roland Werner, stellte dar, dass man weltweit mit Mietwagenunternehmen und Taxifirmen zusammenarbeite, E-Bikes und Elektro-Mietwagen vermittele. In vielen Regionen befinde man sich im Status von Experimenten. Auch mit Blick auf Rügen sei es nicht von vorn herein klar, ob alle Ideen für das Flächenland in der Praxis umsetzbar seien. Flächenlandexperimente würden bereits an der portugisischen und kroatischen Küste funktionieren. „Es ist interessant, zu experimentieren“, sagte Werner. „Drei Modellversuche für den ländlichen Raum haben wir in Planung.“

Taxiunternehmer skeptisch

Skepsis äußerte Taxi-Unternehmer Oliver Gurk aus Bergen in der Diskussionsrunde. Er gab zu bedenken, dass sowohl in den Nachtstunden, als auch in den Monaten Oktober bis April „keine Umsätze gemacht“ werden. Damit werde das Zusammenarbeitsmodell von Uber mit regionalen Taxi-Firmen fraglich. Auch gebe es unter den ansässigen Beförderern Vorbehalte gegenüber Uber. „Die Angst des Gewerbes ist da“, sagte Gurk. „Sie haben zum Beispiel in einigen Regionen eine Schwarztaxikultur entwickelt, was für uns sehr schädlich wäre.“ Roland Werner gab zu, dass dies in den Jahren 2013 bis 15 passiert sei. Man habe aber aus solchen Entwicklungen gelernt. „Wir wollen eine faire Zusammenarbeit mit den regionalen Anbietern“, sagte Werner.

Ioki-Öffentlichkeitsmann Stephan Pfeiffer hatte es da mit seiner Präsentation etwas einfacher, konnte er doch mit konkreten Beispielen für die Insel punkten. Das DB-Unternehmen setzt auf Beförderung „auf Abruf (on demand)“ und will „eine durchgehende Reisekette“ gewährleisten. „Wir haben im Vorfeld die Situation auf Rügen analysiert“, sagte Pfeiffer. „Die Insel hat in Beförderungsfragen bereits einiges zu bieten: Schiff, Pkw, Schienenverkehr, ein dichtes ÖPNV-Netz. Dagegen stehen zum Teil sehr schmale Straßen, weshalb Baustellen sofort Risiken großer Umwege darstellen.“ Wegen der Struktur der Insel, in der es immer noch abgelegene Wohnflecken gebe, würde sich ein Shuttle-Verkehr auf Abruf durchaus bewähren können. Und um die Urlauber stärker auf den ÖPNV zu lenken, könnten Ostseebäder wie Binz ein generelles Autoverbot aussprechen und nur ÖPNV und emissionsfreie Pkw zulassen.

Anbindung der Bahnhöfe

Dr. Wilfried Kramer vom Verkehrsclub Deutschland Nordost stellte ebenfalls die Stärken der Insel heraus. So kenne er keine Küstenregion, die so eine hervorragende Bahnanbindung habe. „Täglich steuern neun ICE und Intercity die Hansestadt Stralsund an, von denen fünf weiter auf die Insel fahren“, sagte der promovierte Verkehrsökonom, der seit einiger Zeit in Sassnitz wohnt. „Die Insel hat allein 35 Regionalbahnhöfe von denen bisher nur vier mit den Fahrplänen der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen abgestimmt sind.“ An dieser Stelle wünsche er sich eine Nachbesserung. Alle 35 Bahnhöfe müssten diese Anbindung bekommen. Desweiteren: Attraktives Rufbusnetz, im Regionalverkehr 60-Minuten-Takte für Binz, Prora, Sassnitz und Sagard, ein Jahresticket für Bahn/Bus für 365 Euro und eine inselweite Gästekarte. Kramer vertrat ganz klar die Auffassung, das eine umfassende und nachhaltige Mobilität von den Kommunen zu bewältigen sei. Der ebenfalls anwesende Landrat Stephan Kerth (SPD) teilte die Auffassung, betonte aber, offen für die Anbieter außerhalb des ÖPNV zu sein.

Jens-Uwe Berndt

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