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Rügen Ein Wolf kommt nicht nach Rügen
Vorpommern Rügen Ein Wolf kommt nicht nach Rügen
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18:20 19.02.2019
Wolfs-Botschafterin Gisela Hentschel und Mastin-espanol-Hündin Tina klären über den Umgang mit Wölfen auf. Quelle: Uwe Driest
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Bergen

Dass ein Wolf Rügen besuchen könnte, hält Gisela Hentschel für nahezu ausgeschlossen. Die Debatte über den Umgang mit dem Wildtier schwappte am Sonntag gleichwohl auf die Insel, als die Wolfs-Botschafterin des NABU vor rund 50 Zuhörern in den Räumen des DRK am Tilzower Weg in Bergen referierte. Eingeladen hatte Michaela Ballschuh, Leiterin der Besuchshundestaffel der Einrichtung. „Wir arbeiten mit unseren Hunden auch auf dem Festland und hören immer wieder Geschichten von angeblichen Vorfällen mit dem Wolf. Deswegen wollte ich einen Beitrag zur Aufklärung leisten“, so Ballschuh. Seit Umweltminister Till Backhaus (SPD) MV zum Wolfsland erklärte und dabei die Inseln aussparte musste er allerdings schon einmal nachbessern, als auf der an Polen grenzenden Insel Usedom ein Wolf gesehen worden sein soll, erklärte NABU-Frau Hentschel. Die hatte zur Unterstützung ihre Hündin Tina mitgebracht, einen Herdenschutzhund der Rasse Mastin espanol. Die Zweieinhalbjährige bot prompt eine Kostprobe ihrer Stimmgewalt, als ein Fremder am Fenster des Seminarraums vorbeiging.

Menschen und Wölfe haben viele Gemeinsamkeiten, erklärte Hentschel. Beide leben im Familienverbund („Menschen sollten das, Wölfe tun das immer“) und legen ausgeprägtes Revierverhalten an den Tag, „wie an jedem Gartenzaun zu sehen ist“. Dass der Wolf bereits vor dem modernen Menschen in Europa lebte und dass er in Deutschland hundert Jahre lang als ausgestorben galt, bevor er 1987 unter Schutz gestellt wurde, lernten die Zuhörer. Aktuell leben wieder 73 Rudel in der Republik. Nur die Hälfte eines Wurfes würde das Erwachsenenalter erreichen, auch weil vor allem junge Wanderwölfe oft überfahren werden. Weil in Mecklenburg-Vorpommern seit 2006 wieder dauerhaft Wölfe leben – aktuell sind es vier Rudel mit zusammen zehn Welpen – erarbeitete das Umweltministerium einen Managementplan. „Wenn große Raubsäuger, wie Luchs, Wolf oder Bär - die als sogenannte ’Top-Prädatoren’ am Ende der Nahrungskette stehen - in unserer Kulturlandschaft in unmittelbarer Nähe zum Menschen leben, entsteht unweigerlich Konfliktpotential“, heißt es zur Begründung. Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr landesweit bei mehr als 20 Angriffen rund hundert Schafe vermutlich von Wölfen gerissen. Obwohl der Schafzuchtverband des Landes die Verluste durch Raben und Krähen auf weit mehr als das Zehnfache beziffert, entschied der Minister, ab April dieses Jahres Präventionsmaßnahmen zur Abschreckung von Wölfen mit bis zu hundert Prozent fördern zu lassen. „Wer dann seine Herde nicht schützt, ist selber schuld“, so Hentschel. Ohnehin würden Hirten in Osteuropa, die ihre Herden auch vor Bären schützen müssten, die hiesige Diskussion mit einigem Unverständnis verfolgen. Hentschel: „Es lässt ja auch kein Mensch sein Auto unverschlossen vor der Tür stehen.“

Gerade unter Jägern sei indes die Haltung zum Wolf sehr ambivalent. Während die einen vom „Waidgenossen Wolf“ sprächen, würden die anderen nach der Devise „schießen, schaufeln, schweigen“ verfahren. Bundesweit 42 Wölfe seien illegal durch solche „Problem-Jäger“ getötet worden. Der NABU fordert daher eine Spezialeinheit zum Artenschutz. „Wenn wir von Afrikanern erwarten, dass sie Löwen und Elefanten schützen, können wir wohl kaum heimische Arten ausrotten“, so Hentschel. Die Wolfs-Botschafterin kann sich vorstellen, dass mancher Waidmann in dem Wolf einen Konkurrenten um die schönste Trophäe sieht. Tatsächlich aber würden die Raubtiere einen wehrhaften Zwölfender meiden und sich an alte und kranke Tiere halten, die leicht und ohne Verletzungsgefahr zu erlegen seien.

Einen direkten Konfliktfall zwischen Mensch und Wolf habe es seit 1990 ohnehin nicht gegeben. Andere Darstellungen verweist die NABU-Frau in das Märchen vom Rotkäppchen. Hentschel: „Wer glaubt, dass der Wolf Kinder holt, glaubt auch, dass der Storch sie bringt.“

Uwe Driest

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