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Rügen Zwei Ausstellungen unterm Dach des „Wasserwerks“
Vorpommern Rügen Zwei Ausstellungen unterm Dach des „Wasserwerks“
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06:29 15.06.2019
Zur Ausstellung „Wendepunkte“, die in Zingst und in Glowe gezeigt wird, hat der Galerist Günter Christiansen einen gleichermaßen aufwendig wie originell gestalteten Katalog herausgegeben. Quelle: Maik Trettin
Glowe

Aus dem rechteckigen Graben ragen Gips-Hände auf, als wollten sie nach dem rettenden Strohhalm greifen. Manche scheinen schon erschlafft zu Boden gesunken zu sein, haben die Versuche aufgegeben, wirken leblos. Über die Installation von Günter Christiansen spannt sich zwar trittfestes Sicherheitsglas. So ganz wohl fühlt man sich aber trotzdem nicht, wenn man über die Vertiefung mitten im Kunstraum „Wasserwerk“ steigt. In der Glower Galerie läuft derzeit und bis zum Ende des Jahres eine Ausstellung unter dem Titel „Gehen, ging, gegangen“. Thematischer Schwerpunkt ist die Ratifizierung der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen vor gut 70 Jahren.

Roman war Titelgeber für die Schau

Den Titel hat sich das Künstler- und Galeristenpaar Ina Handelmann und Günter Christiansen bei Jenny Erpenbeck sozusagen ausgeliehen. Die Berliner Autorin gehörte 2015 mit ihrem gleichnamigen Roman zu den Favoriten für den Deutschen Buchpreis. In ihrem Werk thematisiert sie die Probleme von Flucht und Vertreibung: Ein emeritierter Professor trifft in Berlin auf eine Gruppe von Flüchtlingen, die ein Protestcamp in der Hauptstadt errichtet haben. Durch die Begegnungen angeregt, beginnt er, sein Leben kritisch zu hinterfragen – so wie viele der Künstler es tun, die Handelmann und Christiansen um Beiträge zu der Ausstellung gebeten haben.

„Warten“ heißt dieses Acrylbild von Matthias Wegehaupt. Zu sehen ist es in der Ausstellung „Gehen, ging, gegangen“, die derzeit im Kunstraum „Wasserwerk“ in Glowe gezeigt wird. Quelle: Maik Trettin

Einer von ihnen ist Matthias Wegehaupt. Der Usedomer Autor und Maler ist in Glowe unter anderem mit seinem Bild „Warten“ vertreten. In Schablonentechnik ist ein Knäuel von menschlichen Umrissen zu sehen, die – gesichtslos - auf einem Hügel sitzend den Betrachter scheinbar ansehen. Noch deutlicher in seinen Aussagen ist Nil Auslaender. In seiner Arbeit „Europa und der Stier“ ist die Königstochter, die dem alten Kontinent den Namen gab, eine wollüstige Schönheit – und unübersehbar exotisch. Wenig Spielraum für Interpretationen lässt auch jenes seiner Ölgemälde zu, das im Fenster des „Wasserwerks“ gezeigt wird: Ein Mensch versucht seinen Durst an einem Wasserhahn zu stillen. Seine Gesichtszüge lassen erahnen, dass er sich an dem Auslauf beinahe festsaugt. Bissige Ironie hat er in Öl auf Holz gebannt, etwa seine Version vom „Abendmahl“: „Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer keinen Löffel hat, isst mit den Fingern. Und es sprach der Herr zu seinen Jüngern: Wer kein Brot hat, der muss verhüngern.“ Arbeiten von Nil Auslaender, Ina Handelmann, Günter Christiansen, Matthias Wegehaupt, Antje Wichtrey und Armin Mueller-Stahl finden sich auf den Seiten des Kalenders für 2020, den das Glower Künstlerpaar anlässlich des Jubiläums der Erklärung der Menschenrechte aufgelegt hat.

Aufwendig gestalteter Katalog zu „Wendepunkten

Das Glower Wasserwerk gehört seit einigen Jahren zu den Ausstellungsorten, die Malerei von Armin Mueller-Stahl zeigen. Werke des Multitalents sind auch in dieser Schau zu sehen – zum einen zum oben genannten Thema der Menschenrechte, zum anderen unter dem Motto „Wendepunkte“. Diesen Titel trägt auch eine Ausstellung, die die Glower „Wasserwerker“ seit Ostern im Zingster Museum zeigen. Den Kontakt dorthin knüpften die Insulaner vor rund zwei Jahren. Damals hatte Günter Christiansen eine der größten Mueller-Stahl-Ausstellungen Deutschlands in Prora aufgebaut. Die Zingster Museumsleiterin Susanne Stiehler war beeindruckt und lud die Glower Galeristen in ihren Heimatort ein. Zu den „Wendepunkten“ hat Günter Christiansen einen aufwendig gestalteten und originellen Katalog herausgegeben, sozusagen ein „Wendebuch“, das man durch Drehen sowohl von der Vorder- als auch von der Rückseite her lesen kann. Zu den Werken des Malers hat Christiansen Zitate von Besuchern der Glower Galerie gestellt, die er in den zurückliegenden Jahren gesammelt hat. Neben dem vielen Lob auf die Vielseitigkeit des Künstlers tauchen auch skeptische Stimmen auf. Vor allem jüngere Leute erreiche Mueller-Stahl mit seinen Arbeiten zunehmend schwerer, hat Günter Christiansen erfahren.

„Wendepunkte“ zwischen Rügen und Zingst

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde im Dezember 1948 durch die Vereinten Nationen verkündet. Der Name ist in gewisser Hinsicht irreführend, denn die Resolution ist lediglich ein Idealbild und rechtlich nicht bindend, also nicht einklagbar.

Neben der Exposition „Gehen, ging, gegangen“ mit Arbeiten zu den Menschenrechten zeigt das Glower „Wasserwerk“ auch Malerei und Grafik von Armin Mueller-Stahl unter dem Titel Wendepunkte. Ein Teil der Werke ist im Museum in Zingst zu sehen, ein anderer in Glowe. Ende Juli werden die Arbeiten getauscht, die in Zingst gezeigten Bilder kommen dann nach Rügen und umgekehrt.

Geöffnet ist das „Wasserwerk“ täglich von 11 bis 18 Uhr.

Maik Trettin

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