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Stralsund 16-Jähriger stellt Räuber in Stralsund
Vorpommern Stralsund 16-Jähriger stellt Räuber in Stralsund
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09:28 20.12.2018
Der 16-jährige Benjamin Köhn wurde jetzt in Stralsund für seine Zivilcourage geehrt. Er hatte einen Räuber verfolgt, der zuvor eine 67-Jährige niedergeschlagen und ihr dann die Handtasche geraubt hatte. Die Polizei nahm den Täter fest. Benjamin bekam 100 Euro vom Verein zur Förderung der Kriminalprävention in Stralsund. Quelle: Arne Lehmann
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Stralsund

Er ist 16 Jahre alt, lernt am Stralsunder Goethe-Gymnasium – und ist schon so etwas wie ein Held. Es war am 12. Dezember, als Benjamin Köhn einen Kriminellen stellte, der kurz zuvor eine 67 Jahre alte Frau niedergeschlagen und ihr die Handtasche geraubt hatte.

Eigentlich wollte Schüler Benjamin an diesem Tag nur für zwei Freistunden nach Hause und ging über den Verbindungsweg zwischen Bahnhofsstraße und Frankenwall. Währenddessen bemerkte er eine am Boden liegende, verletzte Frau. Als sie ihm berichtete, was passiert war, fackelte der 16-Jährige nicht lange. Er erkundigte sich, ob mit der Dame so weit alles in Ordnung war. Dann verfolgte er den Täter und kontaktierte die Polizei. „Ich hatte in dem Moment keine Ahnung, was ich machen soll. Ich bin dem Typen dann einfach hinterher.“ erzählt Benjamin „Zwischendurch hat er sich umgedreht und mir irgendwas Unverständliches entgegengebrüllt. Da habe ich den Sicherheitsabstand vergrößert.“ Auf seine Bitte hin habe ihn ein weiterer Mann begleitet. Über eine ständige Orts- und Bewegungsbeschreibung gelang es der Polizei innerhalb von knapp fünf Minuten, den 45-jährigen Räuber festzunehmen. Es war ein Rumäne, der 2,2 Promille intus hatte.

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Polizei spricht von beispielhaftem Verhalten

Für seinen Einsatz hat Benjamin am Mittwoch eine Ehrung für Zivilcourage durch den Verein zur Förderung der Kriminalprävention in Stralsund erhalten. Dazu gab es eine finanzielle Anerkennung in Höhe von 100 Euro. „Es freut uns immer, wenn wir junge Leute für couragiertes Handeln auszeichnen können.“ sagt Walter Tauchmann, Ehrenvorsitzender des Vereins. Während es im vergangenen Jahr dazu nicht einen Anlass gab, war es 2018 bereits das dritte Mal: „Es ist gut, dass es beim Bewusstsein zur Hilfe in Stralsund eine positive Entwicklung gibt, aber viele sehen leider immer noch eher weg.“

„Genau so ein Verhalten wünschen wir uns“, lobte auch Polizeidirektor Dr. Michael Peters, Leiter der Polizeiinspektion Stralsund. Die Polizei sehe es natürlich als ihre Aufgabe an, Stralsund sicher zu halten, aber: „das funktioniert nur in enger Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern. Wir können ja nicht überall sein.“

Mutter des Helden war im ersten Moment geschockt

Weniger begeistert war unmittelbar nach dem Tathergang Benjamins Mutter: „Als er mir das erzählt hat, habe ich im ersten Moment einen ziemlichen Schock bekommen.“ berichtet Dörte Köhn. Im Nachhinein kam dann aber doch der Stolz auf den Sohn durch: „Für ihn ist so eine Reaktion selbstverständlich.“

Der Täter sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Das Opfer ist in klinische Behandlung gekommen, die größten Verletzungen seien aber psychischer Natur. Benjamin selbst ist im Endeffekt froh, so reagiert zu haben. Auch wenn die Situation insgesamt für ihn nicht ungefährlich war, sagt er trotzdem: „Ich würde immer wieder so handeln.“

Arne Lehmann

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