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Stralsund 4100 Autos rollen pro Tag durch die Wasserstraße
Vorpommern Stralsund 4100 Autos rollen pro Tag durch die Wasserstraße
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00:00 17.03.2018
In der Wasserstraße wird es eng. 4100 Fahrzeuge quälen sich täglich übers Pflaster. Die Anwohner hatten in den letzten Jahren immer häufiger auf die steigende Lärmbelästigung aufmerksam gemacht. Quelle: Foto: Jens-Peter Woldt
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Stralsund. Kaum zu glauben: Bei einer Verkehrszählung in der Wasserstraße hat die Stadtverwaltung herausgefunden, dass nachts mehr Laster übers Pflaster rollen als tagsüber. Deshalb bereitet man im Rathaus ein Nachtfahrverbot für Lkw vor, um hier so schnell wie möglich für Entspannung zu sorgen.

Gezählt wurde der Verkehr in der Wasserstraße zwischen Semlower Straße und Badenstraße. Der Standort wurde ausgewählt, da aufgrund der engen Bebauung die Lärmbeeinträchtigung hier besonders hoch ist. 4100 Fahrzeuge rollen demnach pro Tag durch die Wasserstraße. Der Lkw-Anteil lag tagsüber bei 5,7 und nachts bei 6,9 Prozent. „Man kann jetzt aber nicht einfach ein Verbotsschild aufstellen“, erklärte Stephan Bogusch im Bauausschuss der Bürgerschaft. Der Chef der Abteilung Straßen und Stadtgrün im Stralsunder Rathaus zeigte zwei Wege auf. „Entweder müssen wir bei der oberen Verkehrsbehörde, dem Landesamt, eine Genehmigung dafür beantragen. Oder wir können ein Einvernehmen mit der Kommune herstellen. Deshalb möchte ich gern vom Bauausschuss ein Votum haben.“ Während Linke, Sozialdemokraten, Grüne und Bürger für Stralsund auch ohne Beschlussvorlage gleich mal ein Ja rüberbrachten, forderte Ausschussvorsitzender Henrik Lastovka (CDU) einen Aufschub bis zur nächsten Sitzung. „Wenn ein Votum gefragt ist, muss ich das erst in der Fraktion besprechen.“

Zur oft diskutierten Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20km/h sagte Bogusch: „Diese Maßnahme wird nicht die erwünschte Wirkung haben. Um wirklich eine Lärmreduzierung zu erreichen, setzten wir lieber darauf, den Verkehr langsam durch diesen Bereich zu führen – eben mit Fahrradbügeln, versetzten Parktaschen und dergleichen.“ Die Sperrung für den Lkw-Verkehr sei eine drastische Maßnahme, ansonsten wolle man die Einschränkung der Nutzung in diesem Bereich vermeiden.

Der Abteilungsleiter betonte, dass es sich bei allen Maßnahmen um freiwillige Pläne handelt. „Weder Wasserstraße noch Fischmarkt sind Bestandteil des von der EU geforderten Lärmaktionsplans. Doch wir kennen die Sorgen der Bewohner, deshalb wollen wir auch handeln.“ Die Lärmbelastung an Prohner Straße, Jungfernstieg, Carl-Heydemann-Ring, Barther Straße, Tribseer Damm und Greifswalder Chaussee sei dagegen so hoch, dass der Gesetzgeber für diese Straßen Maßnahmen fordert.

Erster Schritt ist der Lärmaktionsplan, der im Sommer fertig sein muss. Der Bauausschuss winkte das Konzept Richtung Bürgerschaft durch. Damit hätte die Stadt ihre Pflicht erfüllt und vermeidet eventuelle Strafen. Die Umsetzung der aufgeführten Projekte steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Und natürlich hofft man im Rathaus darauf, dass der Lärmaktionsplan Fördermitteltüren öffnet.

Mit diesen Maßnahmen sollen Wasserstraße und Fischmarkt leiser werden

Straßenbaulich

- Einengung, versetzte Parktaschen

- Aufpflasterung, Umgestaltung Kreuzung

- Quer- und Diagonalsperren, Torwirkung durch Übergänge in Verkehrsberuhigung

- Austausch Naturstein gegen Asphalt oder Betonstein (leises Pflaster), Fugenverguss bei Naturstein

Verkehrstechnisch

- Verkehrsleitsysteme für Kfz-Verkehr, Reisebusse, Stadtrundfahrten und Lkw-Verkehr Verkehrsrechtlich

- Vorgabe von Fahrtrichtungen, Parkraumbewirtschaftung, Anordnung von Stellplätzen weitere Maßnahmen

- Markierung zur Geschwindigkeit

- Öffentlichkeitsarbeit zu lärmminderdem Verhalten, Kontrollen Zeitplanung

Leitsysteme und Wegweisung sollen sofort realisiert werden – ebenso wie die Markierung der Geschwindigkeit. Die Einengungen mit Fahrradbügeln stehen als kurz- und mittelfristig im Plan. Nächtliche Lkw-Verbote sollen ebenfalls vorbereitet werden. Für den Autoverkehr voll gesperrt werden soll die Badenstraße in Verlängerung der Badenbrücke. Alle baulichen Maßnahmen sind im Plan zur Verkehrsberuhigung mit dem Vermerk „längerfristig“ versehen.

Ines Sommer

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